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Der Israelit · 1887-07-25 · Heft 57 (25.7.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 57 (25.7.1887)
Date
1887-07-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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mutter legte keinen Werth auf dergleichen und die Kinder waren mit der Gouvernante vermuthlich am Sttand. Sie griff nach einer Cigarette, setzte sie in Brand und begann zu rauche», und nun endlich kam ein wonniges Behagen über sie. Schon nach wenigen Minuten erfüllte das Aroma den ganzen Raum, denn Rosalie hatte vorsorglich das Fenster geschlossen und die Jalousien niedergelassen, damit kein Unberufener einen Blick in das Zimmer werfe. Unwillkürlich hob Frau von Lilienfeld das Auge und erschreckt sprang sie auf. »Um des Himmelswillen, Rosalie! was machst Du!- Du siehst, Mama, ich rauche. Hier bei Dir bin ich sicher. Du verräthst mich nicht." «Unbesonnencs Mädchen! — wenn nun die Kinder —- «Sind sie denn nicht mit dem Spknnweb am Strand?- «Aber sie können heimkommen — ich bitte Dich um Alles in der Welt — wirf die Cigarette fort.- Rosalie wollte antworten, doch im selben Moment vernahm man draußen leichte Schritte. «Geschwind fort damit;- flüsterte Frau von Lilienfeld. Und als das junge Mädchen noch zögerte, entriß sie ihr die brennende Cigarette und schleuderte sie iu einen Winkel. Im nächsten Moment ging die Thür auf und Zosephine hüpfte in das Zimmer. Mit freundlichem Gruß eilte sie auf die Mutter zu und schlang ihre Arme um deren Hals. «Wie geht cs Dir, liebe Mama? ist Dein Kopfschmerz jevt vorübcr?- «Danke, liebes Kind, jetzt geht es mir schon ganz gut.- «Aber. wer ist denn hier gewesen?- fragte die Kleine um sich blickend. «Wen suchst Du?- fragte Rosalie lachend, «Mama und ich sind hier gewesen und sind noch hier, genügen wir Dir nicht?- «Und sonst ist Niemand hier gewesen?- «Was Tu für komische Fragen stellst! wer sollte denn hier gewesen sein?- „Aber es riecht hier so nach Cigarrcndampf" und die Kleine hob schnüffelnd das feine Näschcn. Rosalie fühlte, wie das Blut ihr in die Wangen schoß und um ihren Aerger hierüber zu verdecken, brach sie in ein überlautes Lachen aus, während Frau von Lilienfeld sich über ihr Buch neigte, um den Ausdruck ihrer Züge dem Kinde zu verbergen. 1031 Josefine stand noch einen Augenblick zögernd da, dann ging sie hinaus. So wie die Thür sich hinter ihr geschloffen hatte, verstummte auch RosalienS Lachen. Aerger« lich riß sie das Fenster auf, damit der Cigarretten« dunst entweiche. „Tu wirft sehen, jetzt komntt Gabi, die kleinen Fratzen sind wahre Spione." «Bitte, Deine Ausdrücke anders zu wählen, wenn Du von meinen Kindern sprichst,- entgegnet Frau von Lilienfeld mit scharfe? Betonung. Aber Rosalie hatte recht, Gabriele trat in daS Zimmer. «Guten Sabbat, liebe Mama, guten Sabbat, Rosalie.- «Gnten Sabbaterwiderten beide, Rosalie mit spöttischem Lächeln. «Wie geht es Dir jetzt, Mamak- «Dank, schon ganz gut.- «Run?- fragte Rosalie, als Gabrielen Blicke forschend durch das Zimmer schweiften. «Ich verstehe Dich nicht, ich weiß nicht, waS Du mit dem nun fragen oder sagen willst.- «O, Du kleine Unschuld, Du! hast Du schon vergessen, daß Du hergeschickt bist, um Cigarreu« dampf zu schnüffeln?- «Ich schnüffele nicht-, erwiderte Gabriele ttotzkg «und hergeschickt hat mich auch kein Mensch. Aber ich sehe, daß dort in der Ccke etwas glimmt.- Sie trat näher und beugte sich nieder, die brennende Cigarette, die Frau von Lilienfeld dorthin geschleudert, hätte die gute Decke, auf die sie gefallen war, entzündet, ein ziemlich großes Loch war bereits.hineingebrannt. «Ich werde Jean hcreinschickcn, damit-er Wasser darauf gießt", sagte Gabriele, indem sie eilends daS Zimmer verließ. Frau von Lilienfeld war aufgesprungen und und zu der Stelle getreten, wo die Decke mehr und mehr glimmte. «Geschwind Jean!" rief sie dem Cinttetcnden entgegen, «hierher schütten Sie daS Wasser, rasch hierher.- Jean that. wie ihm befohlen, dann verließ er schweigend das Zimmer, indem er auf das zurückblcibende junge Mädchen einen cigenthümlichen Blick warf. Cr war schon seit einer Reihe von Jahren in der Familie Lilienfeld bedienstet, kannte die Sabbatverbote und auch die streng religiösen Anschauungen seines Herrn und war daher im höchsten Grade erstaunt, über das, was er zwar nicht gesehen, aber doch zu erratheu zu haben glaubte. Rosalie war leichenblaß, zornig nagte sie au der. Unterlippe. Frau von Lilienfeld hatte sich wie-

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