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Der Israelit · 1887-07-25 · Heft 57 (25.7.1887) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 57 (25.7.1887)
Date
1887-07-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1029 ein Stück Drod erhalten; außerdem werden sie 1 oder 2 Mal jährlich einen vollständigen Anzug und Schubwerk bekommen. Einen kleinen Theil wird man dahin verwenden, den Kindern eine gewisse Pflege angedeihen zu lasten, wie das Schneiden der Haare, Bäder n. s. w. Das Werk wird sehr bald in Thätigkeit treten. Unter dem Namen Lzer Aeffomim hat sich in Haskeuy eine Gesellschaft gebildet, die beabsichtigt, die israelitischen Waisen des Stadtviertels zu unterstützen. Dieselbe hat eine Summe von WO FreS. dem Direktor der Alliance-Schule zuHaskcny eingehändigt, zum Zwecke, einige arme Zöglinge der Anstalt zu bekleiden. Die Gesellschaft versprach, alljährlich dieselbe Summe znm gleichen Zwecke zu seiner Verfügung zu stellen. Fast alle Stadtviertel Eonstantinopcls wurden in diesem Jahre von ernstlichen, epidemischen Krankheiten heimgesucht. Vor einiger Zeit mußte man die Schule vonCnscnnjuk aus Angst vor Ansteckung schließen. Augenblicklich wird das Stadtviertel Orrakeuy vom Typhus heimgesucht: die Schulen höben bereits einige Zöglinge eingebüßt. Es werden die größten hygienischen Vorsichtsmaßregeln getrosten, um Ansteckung zu verhüten. (Tetuan). Infolge der Nörgeleien ohne Ende, welche unsere Glaubensgenossen zu Fez von Seiten der marokkanischen Behörden zu leiden haben, verlosten unsere jüdischen Familien die Hauptstadt, um sich in Tanger ansässig zu machen, wo die Lage der Israeliten eine bessere ist, als in einer Stadt des Reiches. Bermuthlich werden sie auch durch die stets wachsende Bedeutung des Handels in Tanger angezogen und genießen sie dort einige Freiheit; im Innern herrschen Ungerechtigkeit und Gewalt. Wie es scheint, ist dieser Znzng der Gemeinde aus dem Innern nach der Küste, wenn auch ein langsamer, so doch schon sehr fühlbar. Ich hatte sie schon längst darauf aufmerksam gemacht, daß die nach Amerika answandernde Bevölkerung von Tetuan allmählich durch Familien, die aus Ehechuan und Riff kommen, ersetzt wird; jetzt ist die Reihe an Tanger; aber beyer daran als Tetuan ernährt diese Stadt diejenigen, welche sich unter ihren Schutz begeben, wogegen Tctnan den neuen Ankömmlingen den Weg nach Amerika weist, wohin sich die eigenen Kinder in großer Zahl begeben, um die Verwerthung ihrer Intelligenz und ihrer Thatkraft zu finden. Mesopotamien. Mossul (Niniveh) am Tigris. 5. Juni. In unserer Gemeinde. herrscht große Niedergeschlagenheit. Ein kaiserlicher Ferman verordnet nämlich, daß unser bisheriger General-Gouverneur, Tachsin Pascha, mit dem General-Gouverneur von Adana (Kleinasien), Rais Pascha, den Platz wechseln müsse. Lttzcrcr kommt daher hieher als General-Gouverneur. In der Türkei geschieht es nämlich sehr oft, daß zwei Statthalter plötzlich ihre Provinzen miteinander vertauschen müssen, um so nun eine ganz andere Bevölkerung mit ihrer fremden Sprache und ihren fremden Sitten kennen zu lernen. So wird die Provinz Adana fast ausschließlich von Türken und Griechen bewohnt, während die wenigen dort lebenden Juden größteutheils nur Türkisch sprechen. Dagegen wird die Provinz Mossul fast ausschließlich von Arabern und Ehaldäern bewohnt. Da nun Tachsin Pascha Arabisch und Ehaldäisch schon geläufig spricht, so wird er nach Adana versetzt, während der dortige Pascha, Rais Pascha, der im Arabischen und Ehaldäischen noch nicht gehörig versirt ist, wieder hieher versetzt wird, um so da- Fehlende nachzuholen. Da wir aber mit dem bisherigen General-Gouverneur Tachsin Pascha, der als ttrar xvtt (Iudcufreund) bekannt ist, sehr zufrieden waren, so schmerzt es uns, diesen wacker« Beamten verlieren zu müffen, zumal wir die Person seines Nachfolgers noch gar nicht kennen. Für die nächsten Tage ist hier die Ankunft der vom königlichen Museum in Berlin nach Mesopotamien geschickten Forschungs-Expedition angesagt, und sind für dieselbe auch schon Quartiere im Hause eines arabisch-katholischen Ehristen gemicthct worden. Selbstvechäudlich werden die Fremde» hier die weitgehendste Gastfreundschaft finden, da deutsches Wissen und deutsche Bildung auch hier hoch in Ehren stehen. ES muß daher bei jedem redlich denkenden Menschen Unwillen erregen, wenn man sieht/ wie die hier lebenden protestantischen Missionäre diesen Umstand dazu benützen wollen, um daraus Eapital für sich und die evangelische Kirche zu schlagen. Dieselben theilten nämlich ihren Freunden hier mit, daß die genannte Erpcdirion hier zugleich auch eine arabisch-evangelische Kirche erbauen wolle, womit auch der Sultan vollkommen einverstanden sei, da zwischen den Evangelischen und den Mohamedanern kein so großer Abstand walte, als zwischen Letzteren und den Katholiken. In Konstantinopel sehe man es daher gerne, wenn Mohamedaner und Protestanten friedlich nebeneinander wohnen und auch mit einander verkehren. Dabei vergessen die Herren Misssonäre gänzlich an die Juden, zwischen denen und den Mohamedanern ein noch geringerer Abstand obwaltet, als zwischen Letzteren und den Protestanten.

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