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Der Israelit · 1887-07-25 · Heft 57 (25.7.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 57 (25.7.1887)
Date
1887-07-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1027 beschäftigt. Der Verfasser fragt nun, warum dem so ist' im Gcgenthcile, der Hauptzweck des ThoralerncnS ist die Erfüllung der Mizwsth, wie unsere Weisen in Adoth lehren: Nicht das Lernen ist die Hauptsache, sondern das Thun. — Um diese Frage zu beantworten, erklärt der Verfasser die betreffende Talmudstclle in ganz anderer Weise. Die meisten Mizwoth, sagt er, muß man selbst thun und kann Ke nicht durch Andere für sich verrichten lassen. Bei der Thora aber verhält es sich anders. „Ein Baum des Lebens ist Ke für Diejenigen, welche die Thoralcrnenden unterstützen."' Das sei, meint der Verfasser, der Sinn unserer Talmudstclle. Tie Mizwah rettet nur von Gefahren zur Zeit, da man sich mit ihr beschäftigt; die Thora aber auch zu der Zeit, da man sich nicht mit ihr beschäftigt, indem man für Solche den Lebensunterhalt bestreitet, die immerwährend dem Studium der Thora obliegen. Das vorliegende Werkchcn soll eine Probe fein von einem großen Werke, welches der Verfasser bereits vollendet hat. Möge cs ihm gelinge», auch dieses bald durch den Druck zu veröffentlichen. Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen. Deutschland. Stettin, im Juli. Herr Rabbiner Tr. Vogelstein veröffentlicht folgende Warnung*): „Mit ganz besonderem Raffinement betreibt die Missionsgcscllschaft in Stockholm gegenwärtig das Geschäft der Judcnbekchrung und hat ihr Augenmerk vornehmlich auf Polen gerichtet, von wo sie durch Einigärc junge Leute unter dem Vorwände, ihnen eine lohnende Existenz zu verschaffen, nach Schweden lockt. Die Emissäre find getaufte polnische Juden, die,, angeblich um ihre Angehörigen zu sehen, ihre alte Hcimath wieder aufsuchcn, sich dort als streng fromme Juden zeigen, viel im Lehr- und Gottcshausc verwellen und heimlich sich an strebsame Jünglinge hcranmachcn, um dieselben zur Auswanderung nach Schweden zu bewegen. Reisekosten und Empfehlungen werden den Jünglingen alsbald cingehäudigt, und fo gelangen sie in der Regel via Rostock-Kopenbagen an ihren Bestimmungsort Stockholm, woselbst sic auf Grund eines ihnen mitgcgebcuen Briefes an Herrn P. (soll heißen Pastor) Liedström bereitwillige Aufnahme in dem von Letzterem unterhaltenen *) (Sine ähnlich« Darnung isr irrkilS im vorizrn Jahr« durch de» .Israelit' veröfsrnUicht worden. — Red. d. ,Iär.' Missionshause (Reddercgattcn Rr. 16) finden. Ei» Entrinnen ist den unbemittelten nnd unbewanderte», der Landessprache nicht mächtigen, Jünglingen nur schwer möglich, ihre Eorrespondenz mit ihren Angehörigen wird überwacht und sehr erschwert; sie erhalten Unterricht in den Elcmentargegenständen, natürlich wird ihnen das Neue Testament, gewöhnlich in hebräischer Sprache, als Lektüre gegeben, die besten Aussichten für die Zukunft werden ihnen eröffnet, die Beispiele ihrer früheren Glaubensgenossen, die theils als Prediger, theilS als Handwerker lohnenden Erwerb gefunden haben, werden ihnen zur Nachahmung mitgetheilt, und in den meisten Fällen gelingt cS, die in den jungen Leuten sich regenden Gewiffensbcdenkcn gegen einen Abfall vom Iudcnthum zu beschwichtigen und dem Ehristenthumc neue Seelen znzuführen. Einigcmale ist es aber auch schon vorgckommcn, daß Einer von den zur Taufe Bestkulmtcn durch Anwendung von List dem Missionshause cntsiicht, und einem solchen verdankte ich vor mehreren Monaten die erste Kunde über diese Art von Scclcnfängerci. Unter den größten Entbehrungen hatte sich derselbe — ein intelligenter junger Manu von 22 Jahren — bis Stettin durchgeschlagen und wurde von hier in seine Hcimath zurückbcsördert. Er thcilte mir unter anderem auch mit, daß beim Pastor Licdström sich auch vollständige Talmudercmplare befinden und daß die jungen Polen tu der ersten Zeit ihre- Dortscins zu ihrer Zerstreuung und um sie desto leichter an ihre neue Lebensweise zu gewöhnen, Gelegenheit Härten, Gemoro zu lernen. Dem Stockholmer Rabbiner sich zu entdecken, sei sicher unmöglich. da die Zöglinge zu streng überwacht werden, und da man alle Mittel anwcnde, um sie von einem solchen Versuche abzuschreckcn. Selbstverständlich thcilte ich sofort dem Amtsbruder in Stockholm den Sachverhalt mit, da ich annchmen mußte, daß er noch keine Kcnntniß von diesen Vorgängen hätte. Aber cs scheint, daß die dortige Mission so schlau und vorsichtig zu Werke geht, daß Außenstehende einen Einblick nicht erhalten können. So mußte ich denn fast glauben, wie mir auch von Stockholm berichtet wurde, daß ich das Opfer eines Betrügers geworden, und daß alle bis in die kleinsten Details mir gemachten Schilderungen auf Erfindung beruhen. Doch vor einigen Tagen erhielt ich direkt vom Rabbiuate zu Stockholm die Bestätigung meiner Mitthcilungen. Einem fünfzehnjährigen Knaben aus Lomza in Polen war cs nach fünfmonatlichem Aufenthalte im Hause.des Pastor Licdström möglich geworden, den Rabbiner Dr. Klein zu sprechen, der sich sofort seiner annahm, ihn auS

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