Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 56 (21.7.1887)
- Date
- 1887-07-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1015 ff % I j, 1 1 r IÜ | ij; Gcbuttsort nicht soll entfernen dürfen, das kann sich in Europa Niemand mehr denken, selbst wenn cs einen „Juden* betrifft. Tie Habsucht des Wachtmeisters in ziemlich Nebensache. Man in cs im ganzen Orient und in Numänien von Alters her gewöhnt von den niedrigsten und höchsten Beamten sich schinde«» zu laffcn für jede Geringfügigkeit, selbst wenn der Beamte sie pflichrmäßig als * Beleg zu seinem Gebrauch und Nachweis bei fcinein Vorgesetzten thun must. Was aber an der ganzen „Vagabu!lden*-Arrctirung am bemerkenswerthesten, ist, dast dadurch der Beweis geliefert wird, dast das „Reglement über die Billett für den fr c i cn V e r k e hr u nd A n f en t da l t i m M an b e*, welches, wie ich Ihnen seinerzeit geschrieben*), zum Schein für in Rumänien reisende Ausländer, in Wirklichkeit aber für die im Laude lebenden „Fremden* d. h. Israeliten geschaffen wurde, noch heutzutage in Hebung ist, obwohl cs nur wellige Monate nach seinem Erlassen, aus Einschreiten des östcrrcichischenGesandten, zwar nicht in aller Fsrni außer Kraft gesetzt, aber doch wenigstens daraufhin nicht mehr an gewendet wurde. So lebt es sich in Rumänien unter einem Wust von Gesetzen, Dekreten :c. die niemals nöthig sind, meist nicht oder nach Belieben und Bornirthcit angcwcndet, bald vergelten, aber niemals förmlich abgeschafft werden und darum stets gefahrdrohend arn Himmel der Ahnungslosesten schweben! So ist nran in Rumänien perfide gegen die auswärtigen Regierungen und niederträchtig gegen die eigenen Untcrtbancn. Unter vielen Anderen ist auch dies das Loos, welches die 50 bis 70,000 neuen „Fremden* treffen wird, welche die „Suditcn*-Korlvciition mit Oesterreich krcirt und die nun keinen Gesandten mehr haben werden, der sie vor der Unvcrsöhnlichkcit der rumänisch-liberalen Mißregicrung in Schutz nehme! Eine andere Hcldcnthat eines Polizei-Lieutenants meldet ein christlicher, also glaubwürdiger Eorrcspondcnt, Namens Partzoiu, dem bukarcstcr „Rcsboml" aus Fo tschau. Der Bahnkommiffar Birgitt» Lupu malträtine und verhaftete in ungesetzlicher Weise den /Droschkenkutscher Moisse Hirschen dein, weil'er es verweigerte, ihn in Gesellschaft öffentlicher Dirnen, — verstehtjsich gratis obendrein — zu fahren, mit welchen er den Dag des ersten Mai (ein Feiertag für alle Trinker, sogenannter Armendjeu), festlich begehen wollte. Hirschcndcin rcklaulirtc beim Präfekten und beim' *) vgl. «reine »Briese über Rrimänira — D r. I. Hsrartil Ät. 18—IbH. Staatsanwalt, eS ist jedoch feiner Klage nicht Folge gegeben worden, obwohl er sehr chrenwerthe Personen als Zeuge»! angegeben hat. Wie man sicht, ist es in Rumänien nicht das, allerdings früherauch nur aufgchctzte Volk, welches die Israeliten verfolgt, sondern gerade diejcnigcn. welche cS zu überwachen, Ruhe und Ordnung zu halten habe«: die Regierung und ihre Beamten in allen Zweigen der Verwaltung. Die rumänischen Antisemiten pur sang find seit dem berüchtigten „Kongreß* in Bukarest in Fehde mit einander. Die sauberen Brüder haben sich in uichrcre Fraktionen gethcilt mit eigenen Schmutz- und Rcvolverblättchen, die sich vom Ehrabschneidcn ernähren, so gut cs eben gehen will. Eine neue Fraktion unter Führung des Ihnen schon bekannten Eduard Gherghely will mm eine weitere Zeitschrift unter dem Titel „Anti-Israelitisches Archiv* in rumänischer und französischer Sprache herausgcgcben. Tie Hauptartikel sollen auch in deutscher Sprache gedruckt werden. TaS „Archivsoll drei Mal monatlich erscheinen. Die Redaktion soll zwar von einem „Eomite* geführt werden» aber ich »nuß mich doch noch wundern, w c r die französischen Artikel schreiben, bezw. die rumänischen iu'S Französische übersetzen wird. Tenn beim „interuatioualen* Kongreß haben sich die rumänische» Autiscmitcn bekanntlich dadurch zuerst blamirt, daß keiner von ihnen eine französische Rede halten konnte, obwohl Numänien im AuSlande für ein Land gehalten wird, »vo angeblich jeder Mensch Französisch spreche und dies bei gebildeten Menschen allerdings zutreffcn mag. — Natürlich wird der neueste „Ehcfrcdaklcur* der erst zu gründenden Zeitschrift, sowie feine „Partei*, ob dieser Konkurrenz, von den schon vorhandene» „Redakteuren* -antisemitischen Glaubens auf das heftigste angegriffen. Vielleicht bekommen wir in Bälde cn» Mehrerevon der eigenen schmutzigen Wäsche „unserer* Antisemiten zu sehen, nachdem sie sich ungebetener Weise seit Jahren bemühen die Wäsche anderer Leute — zu machen. Herr D r. M. Beck, Prediger der bukarester Tcnlpelgemeindc unb Redakteur der „Nevista ISraelira* hat, wie ich positiv erfahre, nun amtlich beim Tcmpelcomit« seine Entlassung eingcreicht. Auf der „Rcvista* ngurine sein Name schon feit mehreren Wochen nicht und, daß er Bukarest verläßt, wußte ich schon seitdem. Tie Tempelvcrwaltung hat nun seine Demission nicht angenommen, — eine Formalität, die selbst als Höflichkeit und Zeichen wohlverdienter Hochachtung unnöthig war. Tenn Dr. Beck demissionirt nicht der Form wegen