Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 56 (21.7.1887)
- Date
- 1887-07-21
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1016 imd wahrscheinlich auch nicht ans pekuniären Gründen. Er muk scinen Abschied nehmen, weil er in seiner ursprünglichen Hcimath, Ungarn, schon engagirt iü, und es müssen andere, gewichtige Gründe sein, die ihn veranlaßt habe» nach etwa 13 Jahren Amtirung in Bukarest, sich um die Ctjcrrabbiitai** stelle in (?) zu bewerben. Meiner Meinung nach m cS die Fruchtlosigkeit des Kampfes im Lande und die immer mehr sich verschärfende Lage der rumänischen Israeliten, von welchen er bis nun ein The«! war, die ihm das „schöne" DiuHiämcu verleidet haben. Und die Lage seiner (Glaubensgenossen berührt ihn, den geborenen Ungarn, bei der neuesten .Konvention jept noch mehr. Lein Abgang wird an vielen Stellen gefühlt werden, (yr war ein beliebterKanzelrcdner. Direktor der dukarcstcr israelitischen Schule Löbcl'schcr Stisrung. wo er trotz einem Ausländer das Uebersexen von Bibel und Gebeten in's Nuuränische, stau des früheren Deutschen, durchsührte. Als Redakteur und als Haupt der Dempelgemeinde hat er ^ch ferner durch Anregungen und Interventionell zu Gunsten der rumänischen Israeliten ihrer Interesse» wann angenommen. Mitglied mehrerer Bcrerne verschiedener Gesellschaften, jedoch im Allgemeinen von.Kultur- und EivilisationStcudcnz hat er denselben durch Rath und Beispiel cilrc gesunde Richtung gegeben und die dukarcstcr israclitische Gesellschaft gehoben. Wir wollen hoffen, das; man rech: bald einen würdigen Ersatz finden wird, für den Fortgang so vieler guter Eigenschaften, die in Dr. Beck vereinigt waren. Sibirien. Vjcruoje» 12. Juni. Der vergangene r». d. cirr;"•) war für unsere kleine Gemeinde, die nur acht deutsche Meilen von der chinesischen Grenze entfernt liegt, ein kleiner Tischah-Beab, denn an diesem Tage wurde, wie der Telegraph übrigens schon nach Europa gemeldet haben dürste, unsere Stadt drrrch ein furchtbares Erdbeben, das um 5» Uhr Morgens erfolgte, fass gänzlich zerstört und einem Trümmerhaufen gleich gemacht. Bei dieser furchtbaren Katastrophe wurden an -100 (es heisch indes; an s<>0) Personen gelöster, an sooo wieder, darunter auch unser General-Gouverneur. General Friede mir seiner Gattin und mindern, schwer verwundet und fast alle Stein- und Ziegelhäuser vom Grunde aus dcmolirt. Das Erdbeben zerstörte auch alle Tclcgraphcnlcitungen auf Mcilenwcitc, ebenso auch alle Anpflanzungen in der Umgebung unserer Stadt, während cs in dem Boden meilenweitc Risse und Spalten entstehen ließ. Unsere Stadt, obgleich zu Sibirien gerechnet^ gehört eigentlich zur Provinz Dnrkesran, und liegt sie am Almotinkabache, der sich in den Ili ergießt, der wieder in den Balkaschsce mündet. Im Süden unserer Stadt liegt das Alarangcbirgc, nach dessen Ucderschrc'rtnng wir an den Issik - Mulfcc gelangen, von dem dann eine Straße zu dem Srir-Darsa führt. Tie Straße läuft an dev.' rechten Ufer dieses Stromes fort :u:d verfolgt man dieselbe,' so gelangt man nach Khokand, welches für die Juden Ost-Tnrkestans eine ^r: cw ist, da hier ein flkabbincr. cin Bclh-Din, cinc Ieschibah und mehrere jüdische Schulen vorhanden sind, und sinder man in dieser Stadt auch Alles, was znm jüdischen Leben nothwendig ist, als: Gebetbücher, Bibeln. Talefsim 2C. Bjernoje besaß bis zu der soeben erfolgten Katastrophe Einwohner, unter denen sich indes; l'los fünfzig Israeliten befanden. Dieselben ernährten sich zumeist von der Ocksnomie» dann von der Scidcnwürmcrzncht ugd vom Hausirhandcl in den benachbarten chinesischen Provinzen. Unsere Stadt, deren russischer Name „Bjernoje (zu Deutsch! die Zuverlässige, die Treue)", war noch jung an Jahren, denn sic wnrde erst n"V:i"n nVr vb (185»'.,. also vor ungefähr 32 Jahren gegründet und zur befestigten Hauptstadt des Bezirkes Scmirjarschinsk erhoben. Man zählte in ihr NOW Häuser, sechs Kirchen, zrvci Moscheen und eine Smragoge. Auch gab cs hier mehrere .Kasernen uud Spitäler und war sie der Sitz cincS General-Gouverneurs, eines Armcccomnrandanlen >:nd eines russischen Erzbischofs. Tic Umgegend unserer Stadt glich einem kleinen Paradiese, denn alle Berge und Anhöhen rings herum waren uiit Weinbergen bedeckt, während in der Ebene zahllose Gärte» lagen, unter denen mancher an ."»ooo Dbstbäumc besaß. Im Ganzen waren 300,<nu> Obstbäumc unserer Stadt vermerkt. Die Bevölkerung hier besteht zumeist aus Kirghifen. die. als ehemalige Nomaden, noch heute fast ausschließlich von der Viehzucht leben und besaßen sie bis zu dem erwähnte» Unglückstage circa 5uo,«mo Pferde, iMi.ooo Kamelle «da hier der Karawancnhandcl, besonders nach Ehina. noch eifrig betrieben wird). nv.O.n» Rinder. -r.OOtl.Mro Schafe und an :;o,o<K, Ziegen. Jetzt ist nun unser ganzer Wohlstand dahin und unser Rcichrhvm hat cm jähes Ende gefunden.