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Der Israelit · 1887-07-21 · Heft 56 (21.7.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 56 (21.7.1887)
Date
1887-07-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1010 dien des BelustempelS eignete sich .TerreS — bekanntlich ist derselbe dcrAhasverus der Bibel —an, sondern sämmtliche 5tostbarkcitcn, die sich in der Schatz" kammer der babylonischen Könige vorfandcn, darunter auch die goldenen Gefäße, Edelsteine und anderes Wcrthvollcs aus dem Tempel in Jerusalem, nahm er an sich und ließ sie nach seiner Residenzstadt Susa bringen. Tie Weisen des Talmud, welche auch in der alten persischen Geschichte wohl bewandert waren, hatten daher vollkommen Recht, als sie zu dem Verse in der Megillah: (Gefäße wechselten ans Gefäße) die Bemerkung hinzufügten, daß diese Gefäße alle aus dem Jcrusalcmischen Tempel stammten. Tenn auch der gewöhnliche Mensch muß sich doch fragen, wieso kamen die bezeichneten heiligen Gefäße, die doch eigentlich nach Babel gebracht wurden, nach Susa hinab. Nun ganz einfach. •Vcrjrcä hatte sic dorthin schassen lassen. Warum hat jedoch Z'erxcs, der doch selbst ein Götzendiener war, den Belnsttmpcl in Babel zerstören lassen? Tiefe Frage wird nicht vom Schreiber dieses zum ersten Male aufgeworfen, sondern wurde schon von einigen Schriftstellern des Altcrthums gestellt. Tie Geschichte blieb jedoch stet» die Antwort darauf schuldig. Vielleicht war es seine Lieblingsgattin, die Königin Esther, welche den Babyloniern nie vergessen konnte, daß sic Jerusalem und den heiligen Tempel zerstört und ihre SlammcSgcnosscn in die Gefangenschaft geschleppt, die nun ihren Gemahl bewog, an der Stadt Babel die Zerstörung Jerusalems und am Bclnstcmpel daselbst die Zerstörung des Tempels des Gottes Israel zu rächen. Ter Bclnstcmpel oder der babylonische Thurm hatte an der Sohle einen Umfang von vier Stadien (200 Klaftern) und war ein Stadium (50 Klafter) hoch. Ter Thurm bestand aus acht Stockwerken, die noch oben hin immer kleiner wurden; auch war jedes Stockwerk von Außen mit einer besonderen Farbe übcrtiincht, so daß der Anblick des Thurmcs rin interessantes Farbenspicl gewährte. Eine Wendeltreppe führte von außen nach der Spitze des Thurmcs oder in das achte Stockwerk hinauf, wo in einem Gemache, der schon erwähnte goldene Dclusgötze thronte. Hier in das achte Stockwerk hicnauf begaben sich auch die babylonischen Priester, * *) *) Tie dabvlonischrn Priesirr wurden bekanntlich von den <?rif<ien .Magier" genannt, während sie im Buche der.Könige .Mag (iS Z~'i* und im Talmud wieder Moguicki TMC 'JO beiden. Tie Magier diesen in -Sittlichkeit: .Moguich." während ihr Lrand. wieder .Mog" genannt wurde. 222". muß daher übersetz» werden: DerHöchste de» MagieNdums. Indes waren die Magier «ich» nur Priester, sondern zugleich auch wenn sie den Lauscher Gestirne beobachten wollten, um darnach den Kalender festrusetzen. Selbstverständlich war in Babylonien mit der Astronomie zugleich auch die Astrologie verbunden,dennzwischen beiden Wissenschaften wurde im Aircrtdume und theilwcise sogar noch in der nerreren Zeit keine genaue Grenze gezogen — mußte doch Kcppler, der berühmte deutsche Astronom. nebstbei auch noch die Astrologie betreiben, um sich erhalten zu können — und die Tempelbebcsucher ließen sich daher von den Priestern zugleich auch die Zukunft Vorhersagen. So hatte der babylonische Thurm auch einem wissenschaftlichen Zweck. Tie Araber behaupten indeß, daß eigentlich der westlich vom Euphrat gelegene Rumcnhügel, den sie „2Mr* Nimrud (Nimrod's Burg)- nennen, der wirkliche babylonische Thurm gewesen sei. Nun, es ist möglich, daß der »Birs Nimrudursprünglich gleichfalls ein Thurm war, aber keinesfalls der eigentliche „babylonische Thurmdenn dieser lag ja, wie die heilige Schrift so klar und deutlich angibt: (im Lande Linear), also östlich vom Euphrat, im heurigen Mesopotamien. Auch die Juden Hillehs gestehen ein. daß der „BirS Nimrudurfprünglich ein Thurm war. aber ein Gesängnißthurm, in dem die babylonischen Könige die besonders wichtigen nnd angesehenen Gefangene» verschlossen hielten. Sie nennen daher die Ruinen dieses Tempels tstd'o: bnroxn ^(Gcfängniß des Nebuchadnczar) und in diesem Thurme dürste auch der letzte König aus dem Hause David, Ichojachkn. als Gefangener gesessen haben. Tas Gcsänguiß dieses Königs wird Im Buche der Könige s6:n n-2, in Jeremias dagegen wrsn n*2 genannt. Und in der Thal dringt man in einen Thcil des Birs Nimrud ein, so sicht man rcchtS nnd links nischenartige Zellen, wie man sie im' Altcnhume für die Gefangenen herznstellcn pflegte. Auch die persischen Könige pflegten Thürme als Gefängnisse zu benützen, weil sich diese sehr leicht bewachen lassen. Sitronome. Lerne. (?eomeler. Ärchirecren X. In Babe! dewodnren sie ein eigene» Bicttel. f» wie bekanntlich auch die »eoiten eigene Ltädte besaßen. TieseL Priesieeviettel genoß auch das Ljolrecht und datf man es daher ai» eine Nachahmung de» jüdischen (Zuiluchrsort, Lettackteu. *) Ter Magier Parwah eedaure daL Tauchbad für de» Hodenvrieüet im heiligen Tempel. Im Talmud (,»sBia 3S».) jagt Raw Ioiepd "L722X rr"t£. wo;u Raschi bemerkt, daß ei» Magier Jiatnec» Patwah diese» Tauchbad erbaut habe. Man darf in der t-rklärung Raschi's nicht ^222 als .Zauberer beute«, sondern muß .Magier" übersetzen, wie ja noch heute in der Bolksiprache .Magier" nnd .Zauberer" alS gleichbedeutend betrachte! werden. Tamir fällt auch die virliach anigewon'ene jZrage weg. wie man sich im heiligen Tempel de» Detkes eines .Zauderers" bedienen dürft»; rs war rdea anr «i» Architeer au» dem Ltaude der persijchen Magrer. — Red.

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