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Der Israelit · 1887-07-21 · Heft 56 (21.7.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 56 (21.7.1887)
Date
1887-07-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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"gTTT aaMS—aarftgingTiai 1011 Keirillets». Ale ßonvertilin. Loa Friedrich Rott. (Fortsetzung.) .Ich finde er nicht einmal übertrieben,^ sagte Marina, .im Gegentheil, die Kleine ist so kühn —" .Freilich ist sie kühn, und heute hat fie mich himmelhoch gebeten, ich möchte fie ohne Badefrau in'S Wasser laficn. Tenn gestern am Tadle d'h.-te har ein Herr erzählt, als er vor einigen Jahren in Schcvcningen gewesen war, da ist eine Badefrau im Wasser vom Schlag getroffen worden. Schrecklich muß daS gewesen fein, wie er das erzählt hat. denken Sie sich nur. Tic Badefrau ist init einer Dame'im Wasser gewesen und hat die Dame an der Hand gehalten, und mit einem Mal fällt die Badefrau um, ohne einen Laut von sich zu geben und die Dame schreit um Hilft und will selbst der Badefrau helfen, aber die hat sie so fest gepackt, daß sie sich gar nicht rühren konnte. Und auf ihr Geschrei laufen die andern Badcsraucn herbei und wollen helfen. Aber Tn, mein Erlöser! Gegen den Tod ist kein Kraut gcrvachscn. Tic Badefrau ist gleich todt gewesen, aber sie hat die Hand von der Tame so fest gehalten, daß es lange Zeit gedauert har, dis man sie hat los »rachen können. Und die Tame ist darüber ohnmächtig geworden und die Herren sind in daS Kurhaus gelaufen, und haben die Senfkörner vom Tisch genommen, daß man der Dame hat einen Scnftcig machen können. — Schrecklich muß daS gewesen sein, wie der Herr das erzählt hat. Ich sage Ihnen, mein lshristinchcn ist leichenblaß geworden, wie sic das gehört hat. Und heute Morgen, auf den Knicen hat sie mich gebeten, ich möchte sie allein in's Wasser lassen. Tenn, hat sie gesagt, in cinenr fort würde sie sich fürchten, daß ihre Badefrau vom Schlag getroffen werden könnte, und das wäre zu schrecklich. Tenn Sie müssen wissen, so schelmisch wie das Kind ist, so weichherzig ist sie auch, und sie hat eine grausliche Angst vor tobten Menschen. Aber schauen Cie hin, was sie da treibt, der kleine Uebermuth. Bin nur froh, daß ich ihr nicht nachgegebcn, und daß die Badefrau dicht bei ihr ist." Im selben Moment erscholl ein gellender Schrei aus dem Wasser, Aller Blicke richteten sich angsterfüllt dorthin. Tie Hünengestalt der Badefrau, die man bisher in der Nähe der kleinen Schwimmkünstlerin gesehen, ist plötzlich verschwunden, doch im Moment darauf taucht sie wieder auf, treibt der Länge nach auf dem Wasser. Und nochmal- und abermals erschallt jener gellende Schrei, es ist die kleine Heiligenfel-, die ihn auSstößt und mit sinnloser Angst weiter und immer weiter hinaus in die See schwimmt. .Christinchen! (shristinchen!" schreit die Mutter, .Hilfe! Hilfe! mein Kind ertrinkt!" Sie will in den Kleidern dem Kinde nach in das Wasser eilen. Marina hält sie mit Gewalt zu. rück und schreit selbst nach Hilfe. .Das Kind ertrinkt! Hilfe! Hilfe! dort schwimmt sie! dorr!" ruft sie einigen badendcu Herren zu, die zur Rettung bereit, hcrbeigeeilt. Rasch stechen sie in die See, in der vou Marina angegebenen Richtung, aber die Kleine hat' einen allzugroßen Vorsprung und — plötzlich ist sie den Augen verschwunden. .(shristinchen! Christinchen!" kreischt Frau Heiligcnfels. Der Verzweiftungsschrc! der Mutter übertönt die brandeuoc See, ob er daS Ohr des KindcS erreicht? — In rasender Eile, pfeilgeschwind schießt er dahin der jugendliche, schlanke Körper deS lieblichen Kindes. Sie hat die Badcwärtcrin taumeln und sinken sehen, sie wähnt sie sterbend, fürchtet, sie könne im Sterben nach ihr greifen und in Todesangst vor der Todtgcglaubten eilt sie dem sicher« Tode entgegen. — Weiter, immer weiter schwimmt sic dahin — wie langes — das weiß sie selbst nicht. (südlich erlahnien ihre Kräfte, erschöpft hält sie inne und blickt um sich, nach allen Richtungen. Gottlob, der leblose Körper der Badcwärtcrin ist ihr nicht gefolgt und erleichtert athmet sic auf, und will nun znrückkchren znm sicheren Strand— doch der Strand ist ihrem Auge entrückt — sie wendet sich hierhin und dorthin, «ach allen Richtungen hin, doch wohin sic auch blickt, überall thürmen sich die Wogen. — Voll Entsetzen starrt sie empor zum Firmament. .Großer Gott hilf!" — Bcrzwciffnng erfaßt ihr junges Herz, ^ilfc! Hilfe! ich ertrinke! — Mutter! Mutter! — ich ertrinke! — Hilfe! Hilfen Doch so laut sie auch schreit, kein menschliches Lhr verniulmt ihre Stimme. — Ist sie schon zu weit entfernt vom Strand? — oder fibertönt nur das Rauschen des Meeres ihr Geschrei? — Und schwerer, immer schwerer fühlt sie die Glieder, — nicht lange mehr vermag sie sich über dem Wasser zu halten — doch wohin soll sie sich wenden? — wohin? — Großer Gott! wohin? —

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