Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 55 (18.7.1887)
- Date
- 1887-07-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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992 Im 4 Eap. gibt der Vers. Probe besonders wesentlicher TexteSabweichungen, einzelne Abweichungen bei der Eintheilnng und Tetaillirung der mra, verschiedene Stellen der Handschrift und die Erweiterung jener Tumoulcgcnde. Im 5. und letzten Kapitel endlich finden wir reiche Bestätigungen der Varianten aus den crrrjo. Hieran schließen sich 178 Noten, welche den Text ergänzend und erläuternd begleiten. Sollen wir noch ein Wort über die ungeheure Gelehrsamkeit sagen, welche der Verfasser verschwenderisch — feine Mittel erlauben ihm das — in den Noten ausgcstrcut? Sollen wir die echt wissenschaftlichc Präcision dcS Ausdrucks rühmen, vieler anderer Vorzüge nicht zu gedenkend Als Sokrates einst gefragt wurde, wie ihni die Schrift des dunklen Philosophen Hcraklit aus Ephesus gefallen hätte, antwortete er: „Was ich davon verstanden habe, war vortrefflich, sicher nmsi aber auch das Andere ausgezeichnet fein, indes die Arbeit erfordert einen delifchcn Schwim- Uler." Auch die vorliegende Arbeit verlangt zu ihrem Kcrftändniß den Kenner, der es versieht, gründlich durch das Meer des Talmuds zu schwimmen. aber auch der Laie wird sich bei einem auch nur odcrsiächlichcn Einblick überzeugen, dass die Arbeit nicht für den Tag uub für die Stunde gcschricden iss. Tie wisscnschafHiche Welt darf erwartungsvoll der Herausgabe der varicanifchen Handschrift entgegenbarren: Tas Werk wird gleich der vorlicgcudkn Arbeit nicht allein ein glänzender Beitrag zn der Rubrik „Wissenschaftliches aus dem Rabbiner- Seminar" bedeuten, sondern auch ein neues Blakt in dem Nuhmcskranzc des gefeierten Verfassers bilden. Zeitnngsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 17. Juli. Tie Antisemiten haben in ihrer gestrigen Volksversammlung folgende Ergedenheitsadresse an den Kronprinzen einstimmig angenommen. Tic am-15». Juli auf der Berliner Bockbranerci tagende Versammlung erklärt hiermit ausdrücklich, daß die antisemitische Bewegung einen rein nationalen Ebaraklc-r trägt. Tie Behauptung der jüdischen Mitbürger, daß sie in ihrer Religion bekämpft werden, wie' in den fortschrittlichen Zeitungen behauptet, wird, beruht entweder auf Irrtlmm oder bösartiger Erfindung. Ganz nach dem Vorbildc Friedrichs des Großen laßt der deutsche Antisemit Jeden nach seiner Fa^on selig werden, dagegen fordert er aber mit Recht, daß der Deutsche dem deutsche» Eharalter Rechnung trage, der sich durch deutsche Sirrsamkcit, deutsche Treue, deutsche» Fleiß und deutsche Rechtschaffenheit auSzerchnet. Der Antisemit in daher kein RcligionShaffer. wohl aber ein Verfechter seiner nationalen Rechte, er liebt sein Vaterland von ganzen! Herzen und mit ihm über Alles seinen greisen Slßifcr, sowie die deutschen Fürsten, die edrlsie» Vorbilder deutscher Männer. Tie „Germania-, welche im klebrigen die Adresse der jüdischen Korporation in London an den Kronprinzen für nicht taktvoll erklärt, bemerkt zu dieser Antisemiteuadresse: Hoffentlich wird die Ucberscndrmg dieser Adresse noch hintcrtricbcu, denn cs ist doch noch anznnchmcn. daß sich unter den Antisemiten auch Männer befinden, die das Ungehörige dieser Kundgebung einschcn. Der Kronprinz soll einulal den Antisemitismus eine Schmach für Deutschland genannt haben, wie ziemlich glaubhaft uachgewicscu wurde. Davon nehmen wir den berechtigten f?) Kern der Iudensrage, die nun einmal thatsächlich (!) crisrirt und ihrer Lösung harrt, ans. Ter RaffenauttsemirismuS aber, der in der obigen Adresse aus allen Ecken hcrvorguckt, das hetzerische Treiben dieses Antisemitismus bei den öffentlichen Wahlen unterliegt entschieden jenem Verdikt, sie sind unsittlich und unchriftlich, und dafür will Ulan nun beim Krön Prinzen plaidireu durch eine ErgcbcuhcirSadrene, die sich noch obendrein cincS wenig passenden Tones gegenüber dem künftigen Träger der Krone befleißigt. Wahrlich, wer sich io benimmt, darf sich über das Treiben der liberaljüdischen (?) Presse nicht beklagen. Ans Bonn, 20. Juni, wird der „Fr. Ztg.* geschrieben: „Von dem Rechtsanwalt Dr. Oppenheimer in Hamburg hat die „Rcichszcitung* folgendes lithographirte Schreiben erhalten: „Herr Emik Eodn, Inhaber der Firma Laz. Sams. Eohn hierselbst, hat mich beauftragt. Ihnen da? folgende mktzutbeilen: Nachdem eS sich jetzt in Folge der angcsiclllcn Klage gegen das „Eassclcr SonntagSblatt" und in Folge der Mitthcilnng dcS dortigen Anwaltes Tr. Mar Rothfels heraus gestellt hat. daß die Zcirnug „Das Rcrchsmonopot" in Easscl zuerst die vcrläumdcrifchc Notiz gegen Herrn Eohn gebracht bat und gegen diese demgemäß eine scharfe Strafe beantragt ist. und nachdcru in Folge der verschiedenen Widerrufe rcsp. UrtdeUS-Publikationen nunmehr an» znnchmcn ist. daß cs genügend bekannt geworden ist, daß die betreffende, durch zahlreiche Blätter Deutschlands s. L. gebrachte verleumderische Notiz über SS