Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 54 (14.7.1887)
- Date
- 1887-07-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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979 den Unterricht einwirkt, wenn Kinder da find, welche gewöhnt sind, am Sabbat zu schreiben. Sind das Kinder, die freiwillig an dem Unterrichte theilnehmen, so ist es immerhin noch nicht so schlimm, denn, wenn auch gerade das, was uns das Allerwichtigste und Bedeutendste ist, die Heiligkeit deS Sabbat, durch gewohnheitsmäßige Ucbertretung ihnen abhanden gekommen ist, so haben sie doch den Willen und meistens auch die Lust zu lernen, und der geschickte, taktvolle Lehrer weiß hier am rechten Orte anzuknövfen, und nicht selten vielleicht gelingt cs ihm. sic für vollständige Pflichterfüllung zu gewinnen. Wo aber Schüler gezwungen dem Unterrichte beiwohnen, werden sic stets einen Widerwillen nicht allein empfinden, sondern auch mit Ostcntation zur Schau tragen, und während sie selbst keinen Gewinn davon tragen, werden sie einen Einfluß auf die ganze Klane ansüben, der überaus nachthcilig empfunden wird. Wenn der Rcligionslehrcc in der glücklichen Lage wäre, sich seine Schüler auswählen zu können, meine ich daher, er sollte dem Beispiele des Rabbon Gamliel folge» und nur diejenigen aufnchmen, bei welchen £122 er. Ta dies aber weder möglich ist, noch ganz gerecht wäre, da immerhin, wie ja der scharfblickende Rabbi Elcasar den Asarja auch dachte, der Schwankende durch den Unterricht ja gefestigt werden kann und soll, kann natürlich bei der Aufnahme der sich meldenden Schüler keinerlei Beschränkungen zulässig sein. Dagegen ist ein Zwang in dem Sinne, daß Kinder gezwungen werden sollen, einen gewissen Religionsunterricht zu besuchen, durchaus verwerflich. Mögen cs immerhin Rabbiner, Gemeindevorsteher und Lehrer versuchen, durch gütliche Ucbcrrcdung. durch Ermahnung aus der.Kanzel u. dgl. alle Gemcindcmitglicdcr zu bestimmen, daß sie ihre Kinder nicht fern halten von dem Unterrichte in unserer heiligen Religion; suchen wir Alle zu gewinnen für das Lernen unserer göttlichen Lehre; aber hüten wir uns vor jedem Zwang. Sorgen wir nur dafür, daß alle Wiucnsdurstigen freiwillig kommen und trinken aus dem Borne, der hervorsprudcln läßt das Waffcr des ewigen Lebens. Zeiluvgsuachrichte» und Korrespondenzen. Deutschland. - Köln, I. Juli. In Baffcnhekm (Rhemprovinz) wurde am Montag das von Frau Abraham von Oppenheim gegründete Krankenhaus eingeweibt und seiner Bestimmung übergeben. Die gcuannte Wohl. thäterin, welche selbst dem feierlichen Akte beiwohnte, überreichte Herrn Bürgermeister Wunderlich eine Anweisung auf 30V,000 M. mit der Bestimmung, daß von den Zinsen dieser Summe die Unterhaltungskosten des Hospitals bestritten werden. Pose», im Juli. Für die durch die Munificenz des Herrn Kaufmann Rohr zu Breslau hier zu errichtende jüdische Lehrerbildungsanstalt ist in diesen Tagen ein umfangreiches Grundstück für den Preis von 180,000 Mark erworben worden. Herr Rohr hat bekanntlich zur Errichtung der Anstalt den Betrag von 500,000 Mark bestimmt. Italien. Flore».;, im Juni. Unsere herrliche Blumenstadt besitzt außer dem erst kürzlich neuerbaute» Tempel, der unseren weltberühmten Mouumeuralbautcn keine llnehre macht, auch zwei Synagogen und zwar die „Scuola italiana" mit italienischem und die „Jcschibah Matir Assurim" mit scphardischem Ritus. Beide Synagoge» stehen nebeneinander in ein und derselben Gaffe (Bia delle Ocche) und sind sie Früh und Abends gut besucht. In beiden Synagogen fungiren schon betagte Männer (c'j?:) als Vorbeter, die, wenn sie auch schon keine herrliche Stimme besitzen, so doch einen schönen Vortrag haben c*p 215. Unser Oberrabbincr D. I. Maroni, welcher zugleich der Doyen der italienischen Rabbiner ist, da er schon nahe an achtzig ist, besucht indeß leine dieser beiden Synagogen, sondern ausschließlich den großen Tempel, in welchem sich eine Orgel befindet. Selbstverständlich meiden unsere Frommen den Tempel aufs Strengste und ziehen sie cs vor, ihre Andacht in einer der beiden Synagogen zu verrichte». Rußland. Tiflis im Kaukasus. (Schluß.) Geht man von Khokand in der Richtung nach Osten, da trifft man vier deutsche Meilen davon entfernt das gewcrbreiche und durch seine herrlichen Obstgärten berühmte Städtchen Margilan, oder, wie die Turkomencn es schreiben, Marglyan, mit circa 20,000 Einwohnern, die bis auf die wenigen unter ihnen lebenden Judcnsamilicn fast durchgängig MoslimS sind. Margilan ist der Hauptsitz der Khokander Gelehrsamkeit, da dasselbe circa fünfzehn MedresschS (mohamedanisch-lbcologische Seminare) besitzt, an denen bei zweihundert Ehodschas (Professoren) lehren und mehr als 2000 Sofias (Studirende) lernen. Von Margilan aus werden nicht nur die verschiedenen Städte deS Khanats sondern selbst