Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 54 (14.7.1887)
- Date
- 1887-07-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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980 die benachbarte» chinesischen Provinzen, die gleichfalls fast durchwegs von Mohamcdancrn bewohnt sind, mir Mollahs (Borbctern) Imams (Predigern) und Derwischen (Bcttelmönchen, die in Mittelasien gewöhnlich auch den Jugendunterricht besorgen und dabei oft auch als Aerzrc oder vielmehr Salbenkrämcr fungircn.) In Margilan residirt zugleich auch ein Schcikh Gl-Diar (.Klostervorstcher, Adr) unter dem nicht nur die im Khanate selbst, sondern auch die in den benachbarten russischen und chinesischen Grenzprovinzen befindlichen mohamedanischcn löst er stehen und dessen Befehle strikte vollsülircn müssen. In Margilan befindet sich aber auch eine kleine jüdische Gemeinde, die letzte aus dieser Seite gegen das östliche China hin, da im Inner» dieses Reiches, selbst in solchen Provinzen, welche ausschliestlich von Mohamcdancrn bewohnt werden, Juden keine vorhanden sind. Auch die wenigen im vergangenen Jahrzehnt nach .Kaschgar und Parkand ausgcwanderten Juden habet! nun, nachdem die Chinesen 1*79 beide bezcichnetc Städte mit den gleichnamigen Provinzen zurückerobert hatten, diese Städte wieder verlassen und sind nach Bokhara, von woher sic famc», zmückgckchrt, da sie unter den noch dem crasscstcn Götzendienste huldigenden Chinesen nicht weiter leben mochten. Den Juden ist eben der Götzencultus ein Greuel in den Augen und wenn nur innucrhin möglich, siiehen sie denselben. Dagegen befinden sich tvcstlich und südlich vom Khanate Khokand mehrere jüdische Gemeinden, so in Taschkand. welches gegenwärtig die Hauptstadt von Russisch-Durkestatt ist, Samarkand und Chodjchcnd. letztere Stadt ist nänrlich der Hanptmarktplatz für die imKhanaic Khokand erzeugten Leidenwaaren, und treffen daher oft ganze Karawanen jüdischer Kanflcutc ans den benachbarten mittelasiatischen Khanaten und Grcnzvrovinzen dort cm, um daselbst Lcidenstoffc, Rohseide oder Cocons einzukausen. Wollen die Juden Khokands dagegen mit ihren im benachbarten Khanate Bokhara' lebenden Glaubensgenossen in Verbindung treten, so müssen sie vorder das fünfzehn Meilen südlich von (5Hadsch cnd laufende Altaigrbirge mit seinen mit ewigem Schnee bedeckten und fast in den Himmel ragenden Spitzen überschreiten, um dann an den Snrhab, einen Fluß, der sich in den Amu-Daria ergiestr, zu gelangen, von wo dann eine bequeme Fahrstraße nach der Stadl Hissar (Castelli führt, in der sie nun auf die erste jüdisch-bokharcsische Gemeinde stostcn. Bon Hisiar gelangt man dann über Karschi, wo sich gleichfalls eine beträchtliche. Judcngemeindc befindet, nach Bokhara. Tic Abgaben, welche die Juden im Khanate Khokand zu entrichte» habe», sind ganz dieselben, wie die der übrigen Bevölkerung, nur daß sie für den Grund, auf dem ihre Häuser stehen, der ursprünglich Cigenthum des Khans selbst war. eüie kleine Abgabe oder Mierhe erlege» müssen. Uebrigens müssen auch in der Stadt Khokand die Bewohner nebst der gewöhnliche» Haussteuer noch eine Art Zinsgroschc» für den Grund, auf dem ihre Häuser gebaut sind, erlegen, da Khokand, wie wir schon zu berichten Gelegenheit hatten, kaum noch 150 Jahre alt ist, und war früher der Bode», aus dem nun diese Stadt gebaut ist, mit saftige» grünen Wiesen bedeckt, auf denen der Khan mehrere Meiereien mir zahlreichen Hütten für die Seidenwürmerzucht besaß. In Khanate Khokand selbst sind die Juden so wie in den benachbarte» .Khanaten von Bokhara und .Khiwa vom Waffendienste gänzlich befreit, wogegen die in den benachbarten russischen Provinzen lebenden Juden die Blutsteucr, ganz so wie die übrigen Bewohner des Landes, entrichten müssen. Was die Sprache der Juden Khokands anbclaugt, so reden sie gleichfalls, wie ihre Glaubensbrüdcr in Bokhara und Khiwa das osrtürkische, das aber nicht, wie in diesen zwei Khanaten stark mit persischen, sondern mit tatarische» und chinesischen Worten untermengt ist. Da die Bewohner Khokands nämlich einen lebhafte» Verkehr mir 6bina unterhalten, so eigne» sie sich bald genannte beide Sprachen an, wenn sie es auch nie dahin dringen, dieselben auch geläufig schreibe» za können. Seil neuester Zeit lernen die Khokand« Juden auch sehr fleißig Russisch, welche Sprache schon jetzt das Lsttürkifche zu verdrängen beginnt. Auch sind die russischen Bücher eher und billiger zu erhalten, als die in chinesischer, tartarischer oder osuürkischer Sprache gedruckten, so daß Jeder, der in Khokand nach Bildung strebt, sich vor Allem mit dem Russische» vertraut zu machen sucht. Marokko. Ter Sultan hat einen weiteren Beweis fein« guten Gesinnungen gegen die Juden gegeben. Derselbe hat den Befehl crcheilt. daß die Jude» iu Temnat, die unter dem federn Gouverneur so furchtbar gelitten, ihr bisheriges Mellah verlassen sollen, und daß auf .Kosten der Regierung ein neues Judenviertel, welches von dem von der mohamedamschen Bevölkerung dcwohruen Sradtthelle cotferuL ist. errichtri werde.