Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 54 (14.7.1887)
- Date
- 1887-07-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449751--26799-2516646- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
974 Idak die Zion-Logen oder- „Schulen", wie sie urlsprünglich genannt wurden, nach dem Muster des ebenfalls nordamcrikanischcn „B'nel-Brith"-Ordcns eingerichtet sind. Näheres über Interna sind bis-! lang nicht viel bekannt worden, weil die Logen nach Art der Freimaurer wir Symbolen und Geheimnissen sich umgeben baden. Was man aber nach Augen hin erkennen kann, ist, dag sie nur Gutes gestiftet baden und fortwährend Waffen. Zunächst freilich stehen die „Zions" (Zionisten) aus exklusiver Basis, sowohl bei Ausnahmen von Mitgliedern, die durch eine Sieb gesiebt werden, und nur die als Beste crkamll worden, Zutritt finden, als auch in feinen Zwecken, die zu allererst das Wohl der Bcrciirsniitglicdcr betreffen (lliitcuiiiuimg, Krankenpflege. Wittwcn- und Waifeiwersorgnng). Tann aber kommt das Gcsammuvohl der in der bezüglichen Stadt wohnenden Israeliten. Wohlkhätigkcir und Unterricht sind seine Vornahmen. lieber ein Wirken für das ganze Land ist mir nichts bekannt, obrvohl sie ziemlich in den meisten Städten, jedenfalls in den irgend größeren, vorhandenen „Schulendurch einen großen oder Obcrrath „Snnhcdrin" in Bukarest verbunden sind. Ich gedenke nun für die „B'ne'r-Bmh" keine Lanze zu brechen, allein ich weist nur, dast der „Zion" 1877/78 während des Krieges eine vollständige Ambulanz in'S Feld gestellt hat, die ihm eine Million kostete. TicS Opfer der Israeliten als Gcsammrhcit, dieser Beweis eines patriotische» Mitsühlcns in schwerer lZeil ist ihnen ebenso schlecht belohnt worden, wie den Einzelnen, die sich durch Schenkungen und Opfern zu Kriegszwecken hervorgethan haben. Auch in der Agitation zur Einwanderung in Spanien hat „Zion" die Initiative ergriffen, bei Lapima Erkundigungen kinzuzichcn. Gs ist dies der „Eonsilinl Sanhcdrinului" den L. in einem feiner Briefe erwähnte. Wahrscheinlich wird sich Elfterer in der Antwon überzeugt haben, dast cs spanischer Wind ist, denn er hat in der Sache weiter nichts gcthan. — Die ..Zion- Schulen," die jenen verwandt sind, haben ihren Namen bis nun. soweit cs die rnmänischeuBerhältuiffe zulapcn. gerechtfertigt. In der Thar waren sic vollauf für die jüngere israelitische Generation nach 18GG eine S chn kc, die sic zur MeuschliÄkcit erzog, die die Egoismen cindämmle und zum Opfcrbringcn anlcitcte. Bon allen den Vereinen. die in Numänicn schon entstanden, jahraus, jahrein entstehen und verschwinden, har sich „Zion" als der dauerhafteste erwiesen. Dies kommt von der Auswahl bei Aufnahme der Mitglieder, von der fvmboUfchcn Vcrfasfung und von der straffen Organisation. Freilich, die materielle und ökonovlische Lage der ramanischen Israeliten feit dem Berliner Vertrage hat auch hier ihre Einwirkung nicht verfehlt und es gibt a..ch aufgelöste oder urithäiige „ZionS"-Logen, namentlich in den kleineren Städten, ws man im Denken weniger fortgeschritten und das Elend fühlbarer' ist. Letzteres ist hauptsächlich in der Moldau der Fall. Wo sie aber suuktionircn, ist Vieles ihrer Initiative zu verdanken. Wen» nach dem Verfall der israelitischen Institutionen seit ISöfi von Zeit zu Zeit noch irgend etwas dafür geschieht, wen» da eine Schule, dort eine Gemeinde rcconstruirt oder eine humanitäre Veranstaltung zu Stande gebracht wird, so ist cs meist auf Veranlassung ds- Vereins oder Eines aus seiner Mitte. Das Wählen der Mitglieder findet indest feit einigen Jahren nicht mehr ganz streng statt, weil nun schon Noch an Mann ist: Tie Alten sind gegangen oder verarmt und wenn man weiter bestehen soll, so nmß man Ersatz in jeder Weise suchen. Zum letztgemeldeteu Brande in Piatra habe ich nun mitzuthcilen, dass hier 200 Obdachlose geschaffen wurden und daß der Schaden in 43 Häusern mit r>ix>,ooo Frcs. an Grundergcnthum und Waarcn — natürlich wieder Israeliten — besteht. Es ist übrigens, tvie cs scheint, ein eigenes Schicksal über Piarra verhängt, denn seit 1882 ist cs nicht nur der zweite größere Brand, sondern auch in diesem Jahre zum fünften Male. Trotzdem hier schönes, klares Werter herrschte, und zwei Flüsse, einer mitten in der Stadt, laufen, sind doch 43 .Häuser nicdcrgcbrannt, weil kein Wasser, keine Pumpen und keine Mannschaften — vielleicht auch fein guter Wille — vorhanden war. Wie könnte cs aber auch anders geschehen, wenn die Sucht Soldat zu spielen in Numänieu so groß ist, daß — man höre und staune! — die Feuerwehr nicht von Berus, sondern rckrurirt ist und eigentlich einen Thcil der Artillerie bildet. Während es m der Stadt brennt, übt nran sie weit weg davon!m Schießen und Fechten. Es fehlte nur noch, daß die von den Ercrcilien abgehetzt zurückkommenden Soldaten mit Kruppschen Kanonen in'S Feuer schießen sollen, das würde dem rumänischen Blödsinn die Krone auffctzcn. Ganz ernst gesagt, kann ich mich erinnern, daß in Jassy bei dem Brande einer völlig .jüdischen Straße mit Spiritus gespritzt wurde» den die Pompiers einem brennenden jüdischen Wirthshause entnahmen. Als Pendant zu diesen Thatsachen ist cs wcrrh zu registriren, daß bei dem jetzt in Bortnschan starrgchadrcn Fcncr der Kommandant der Pomviers Major N icolgu. während die Flammen die Stadt verzehrten, rief: „ick will nicht