Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 54 (14.7.1887)
- Date
- 1887-07-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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973 ZeituogSaachrichtea aud Correfpoudeuzea. Deutschland. Bad Homburg, l3. Juli.- Unsere liebliche Badcstadt mit den sie umgebenden schönen Bergen und Thälcrn, den bei dieser tropischen Hitze Kühlung spendenden Wäldern und prachtvollen Kuranlagen, ihren heilkräftigen Quellen, wird jetzt wieder von Tausenden besucht, welche hier Genesung oder doch Minderung von ihren Leiden oder Erquickung und Erholung suchen und finden. Jedem Besucher unseres Badeortes muß cs auffallen, das; das einzige monumentale, gottesdienstliche Gebäude in unserer Badestadt die Synagoge ist. Wenn man vom Schloßgartcn oder vom kleinen Tannenwalde aus die Stadt überschauet, so hastet da« Auge sofort an der Synagoge, die mit ihren vier Kuppeln alle übrigen Häuser der Stadt um ein Bedeutendes überragt. Homburg besitzt außer der kleinen, unscheinbaren englischen Kirche kein eigentliches kirchliches Gebäude. Die Lutherische Gemeinde, die bei weitem größte der Stadt, hält ihren Gottesdienst in der Schloßkapclle ab. Tie kleine katholische Gemeinde sammelt seit Jahren einen Bausands, der aber vor einigen Monaten beim Zusammenbruch der hiesigen Gewcrbcdank verloren wurde, so dast man aufs Nene zu sammeln beginnen mutz. — Die Synagoge wurde im Jahre 1S68 erbaut und ist ein schönes, lichtvolles und geräumiges Gebäude. Tie Gemeinde zählt HO Familien, welche mit wenigen Ausnahmen der orthodoxen Richtung angehörcn. Sämmtliche Läden, bis auf zwei oder drei, sind am Sabbat streng geschloffen. Ms Rabbiner sungirt Herr Tr. Kotteck, ein ehemaliger Schüler dcS unter Dr. Hildesheimers Leitung stehenden orthodoxen Rabbincrseminars zu Berlin: derselbe crtheilt auch den Religionsunterricht. Mehrere Vereine sorgen für die religiöse Fortbildung der Männer und Jünglinge. Als Eantor sungirt seit länger als 30 Jahren Herr Abraham Braun schweig, dcffcn vorzügliche Restauration sich weit und breit eines wohlverdienten Rufes erfreut. Erster Vorsteher ist Herr Rechtsanwalt Dr. Bing, der ebenfalls auf streng-orthodoxem Standpunkte steht und jeden Tag. Morgens und Abends, die Synagoge besucht. Unsre Gemeinde ist eine sehr alte; vielleicht berichte ich Ihnen ein anders Mal, was Bcmcrkenswerthes, theils Geschichte, theils Sage, sich hier ereignet hat oder ereignet haben soll. Ocsterr. - Ungar. Monarchie. Pesth. Für das zu erbauende israelitische Hospital sind weiter circa 23,000 fl. eingcgangen. England. London. Die Ausstellung jüdischer Alterthümer ist am 2. Juli geschlossen worden. Wie ich vernehme, beabsichtigt die ,Vounx Men's Hebrew associatiun“ in Philadelphia, in dieser Stadt eine ähnliche Exposition zu veranstalten. Rumänien. vr. C. Bukarest, 8. Juli. Der Bericht der Mazzoth-Eommifsion der „Z i o «--Bruderschaft in Bukarest ist soeben versendet worden, und ich entnehme demselben, daß Tank der Thätigkeit der genannten Commission in diesem Jahre ein Reingewinn von 1612 Lei noi (Franks) erzielt wurde. Davon wurden 359 Lei für Maolh Chitin, 900 Lei der sogen, israelitischen „Gemeinde"-Schule „Jakob und Karoline Löbcl", 150 Lei in Geld und Mazzoth an Rabbiner und der Rest von 212 Le» in denselben Wcrlhcn an eine Anzahl bukarcstcr Arme vcrthcilt. Das Backen von Mazzoth seitens des Zions"-Vcrcins oder anderer edelgesinnter Menschen geschieht in manchen Städten jedes Jahr und ist in Rumänien ein dringendes Bedürfniß. Tenn mit dem Hcrannahcn der hiefür bestimmten Zeit bilden sich überall unsaubere Compagnien, die dieses unumgängliche Bedürfniß in der gierigsten Weise auszunükcn juchen. Nicht nur sie schrauben die Mazzoth-Preise zu einer ganz unglaublichen Höhe, so daß schon der weniger Bemittelte in Gefahr ist, den ihm nöthigcn Bedarf nicht cinkauscn zu können: für sic ist auch die Gratis-Bcrthcilung und die Geldspenden an Arme nicht vorhanden. Bon Gaben an Rabbiner. Schule und was sonst alter Brauch, wie oben, ist gar nicht zu reden. Bilden sich dann Gegenkompagnicn Wohlgesinnter, so bewirken sie zunächst das Hcrabsinken der Preise bei den Spekulanten, dadurch die Möglichkeit. daß Jedermann seinen Bedarf beschaffen kann, und „aus .Konkurrenz" geben auch sie dann an Arme. Die Wohlgesinnten verkaufen indcß noch billiger und schaffen ihrerseits noch viel mehr Gutes. Der Reingewinn von 1612 Frls. bei billigsten Preisen — nur die Stadt Bukarest betreffend — beweist, daß sich recht viele vom Mittelstand der Wohlthat bediculcn; die Bertheilung des Ergebnisses spricht für sich selbst. Weil ich gerade vom Zion-Bcrcin rede, so gibt mir dies Beranläffung noch Einiges über ihn zu sagen. Dieser Verein, eine Art kleine Alliance, ist etwa 1872 auf Anregung des damaligen nordamerikanischen Generalkonsuls und dst'lomanschen Agenten in Bukarest, unseres Glaubensgenossen, Herrn Benjamin F. Peixotto (Pcischotto) gegründet worden, von dem ich Ihnen schon Einiges mitgethcilt. Rach dem Ursprünge gcurtheilt scheint es.