Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 54 (14.7.1887)
- Date
- 1887-07-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Hatte das alte Iudcnthum bei dieser Scheidung feine ungebrochene Lebenskraft bekundet, die man chm bei jeder Gelegenheit abzufprcchcn den Muth batte, so blieb man bei allen diesen Triumphen doch stet» der Sache eingedenk, daß diese Scheidung niemals Selbstzweck. sondern nur da» letzte Mittel war, die bedrohten, heiligsten jüdischen Anliegen in einem kleinen Kreis Zu schürzen und Zu pflegen, bis die grobe Gcsommlhcil von dem Versehtten und Bcklagcnswerthen aller von der jüd. Bestimmung abweichenden Bestrebungen durchdrungen, sich wieder voll und ganZ Gott und seinem Geseke Znwendcn werde. So sicher unsere grobe räumliche Zerstreuung nur der Vorbereitung für die einstige Wiedervereinigung dient/ so sicher wird auch gerade die partielle geistige Spaltung innerhalb der heutigen Indcnhcil Zur cndlichcn Sammlung führen, llnd wenn auch tausendjährige Wehen der Reugcburt dcS jüdischen Volkes vorangchcn. das Bewußtsein, daß derjenige, der Israel Zerstreute, es auch wieder sammeln wird, macht die Zerstreuung selber Zum Garanten der Sammlung und die Wehen zu Vorboten des neuen Lebens. Es in nun eine tief ergreifende, in ihrer ganzen Bedeutsamkeit vielleicht erst im Laufe der Zeit vollkommen zu würdigende Erscheinung, wie in verjüngtem Maßstabt das Wunder der Sammlung mitten aus der Zerfahrenheit unserer Tage sich vor unseren Augen zu vollZichcn im Begriffe ist. „D e rselbc. der Israel Zerstreute, sammelt es auch wieder." Derselbe Mann, der vor fast vier Jahrzehnten den Muth und die Einsicht harre, die Trennung zu proklamiren, fordert jevt zur Bereinigung auf. Zur „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodorcu IudcnthumZ." Ter Gedanke, der längst in vielen edlen Herzen lebte, brauchte nur von einem fo bewährten, im Dienste dcS gesepeStteueu Iudcnthum» ergrauten Führer ausgesprochen zu werden, um alle Gcsinnungsgcnoffcn einmüthig Zu sammeln. Tie Aufforderung weist Zunächst auf die großartigen Erfolge hin, welche die Wirksamkeit freier Bcrciuigungcu — rren — für die mannigfachsten Ziele und Zwecke in jüdischen.vireifen Zu verzeichnen hat, erörtert sodann die Möglichkeit und Norhwen» digkcir einer solchen Bereinigung für da» gesetzliche Iudcnthum und seine in unserer Gegenwart sich so eigenartig gestaltenden Bedürsnipe und constarirt, daß eine deranige - allgemeine Bereinigung zur Förderung der Interepcn dcS orthodorcu Judenthums nicht cristirt, obwohl sie von vielen Freunden und Bckcnncrn schmerzlich vermißt wird. (Schluß folgt.) Literarischer Bericht. Soeben hat in Jerusalem ein Schriftchea die Presse verlassen, dessen wirklicher Werth in dem Gegenstand der Behandlung, dessen ungewöhnliches Interesse aber in der eigenartigen Behandlung des Gegenstandes liegt. — Es ist ein anspruchlofeS, fast 100 Lctavscircn umfassendes Küchelchen unter dem Titel „*n 7]?*. welche» Herrn Rabbiner David Cohn Willner in Jerusalem zu« Berfasser hat. Das Buch enthält eine Auszählung und ein« gehende Erörterung sämmtlicher biblischen und rab» binische Gebote und Verbote, uudjeder einzelne Sav oieserBüchcr repräsentirt denZahlenwerth t"v Diese ans früheren ähnlichen Schriften des Versals ers bekannte Virtuosität hat in der vorliegenden Arbeit ihren Höhepunkt erreicht. Man mag über den praktischen Werth einer solchen Arbeit nrthcilcn wie man immer wolle, diese ans Wunderbare grcuzcnde Fertigkeit, welche un» hier entgegentritt, ist geradezu Staunen erregend. — Der berühmte Münchener Gelehrte R. R. Rabbinowiz spricht in einem dem Buche beigedruckten Briefe über diese Fertigkeit des Verfassers seine staunende Verwunderung aus. — Dabei rührt die Arbeit von einem Manne her. der in hohem Grade augenleidcnd ist, dessen Familie durch Hunger, Elend und Sorgen jeder Art unsäglich leidet, und den nur ein unerschütterliches, inniges Gottvertrouen aufrecht erbält. Die ungewöhnliche Türsligkeit und Würdigkeit des Verfasser» wird von den Lber-Rabbincn der deutschen und sephardilchen Gemeinden in überaus warmen, zu Herzen sprechenden Worten bezeugt. Mit Rücksicht auf den schwergeprüften, genialen Verfasser empfehlen wir bellen Schrift allen Freunden der jüdischen Literatur und allen Gönnern eines den herbsten Rahrungsforgen preisgegebenen Gelehrten. — Da» Buch ist in Jerusalem durch den Verfasser Zu beziehen, sowie auch durch Herrn Bezirks- Radb incrDr.Ebrmann in Baden (Schweiz). Den Betrag für dasselbe festzusetzcn, ist dem Wohlwollen der Rcstcctantcu überlassen. •*:».