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Der Israelit · 1887-07-14 · Heft 54 (14.7.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 54 (14.7.1887)
Date
1887-07-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Jfcaafr^^Vldy.;—fr; 970 raub, und im Sommer ist cs früh Morgens schon so hem, wahrend im Sxr&iic cs regne: und nürmt. Bald ist er erfüllet oder leidet an Kopfschmerzen, oder er behauptet, zu Hause andächtiger deren zu können, da man in der Synagoge zu schnell oder zu langsam betet. — Wer aber des Morgens früh anssteht, in die Srmagogc eilt, um dort mit der Gemeinde leinen Geist zu Gort zu erheben, der wird sein Tagewerk mit ganz anderer Straf: beginnen und vollenden als derjenige, welcher bis in den hellen Tag hinein-träge am seinem Lager sich wälzt und so die beste und schönste Zeit seines Lebens vergeudet. Tic Tichtcr aller Narionen haben seil Jahrlanscuden die herrlichen Eigenschaften des Weines besungen. Tie Thora rülunt den Wein und neu::: ihn: „Heilig zur Lobpreisung deur Ewigen," auch der Psalmist preist den Wein und sagt von ihm, dasi er des Menschen Herz erfreue, und der weise völlig empfiehlt ihn als ein Mittel zur Erhcirerung für Bekümmerte. — So stärtend und erheiternd die Wirkung des mastig und zur rechten Zeit gcnoffenen Weines auch ist, so gefahrbringend ist der Wein, wenn er im llcbermast oder zur Unrechten Zeit getrunken wird. Tie schlinnnen folgen schildert der weise König (Mischle E. 23. B. 29—35) in unübertrefflicher Weise: „Wem ist wehe? wer hat Leiden V wer hat Händel, wer.Klagen? wer zieht sich mmöthig Wunden zu? wessen Augen werden rorh und trübe? Tie, welche noch spät beim Weine sitzen. die. umhergehe» das Getränk zu kosten. Last dich nicht reizen, wenn der Wein goldig schimmert, im Becher Perlen wirst und sanft durch die Stehle gleitet; denn zuletzt verwundet er wie Schlange, sticht wie Basilisk. Teine Augen werden fremdartiges zu sehen vermeinen und dein Her; wird ungereimre Tinge denken; es wird dir sein, wie wenn du vom Meere hcrnmgcschaukelt würdest, wie wenn du lägest auf der Spitze des Mastbanmes. „Man schlägt mich — es schmerzt nicht; man stöstt mich — ich fühle nichts; wenn ich erwache, werde ich auf's 3icuc den Wein aussuchen!" Wenn der Mensch während der Mahlzeit ein oder zwei Gläser Wein trinkt, so wird ihm das nichts schaden; im Gegembcil, für ältere oder schwächliche Leute wird die Wirkung eine wohlthätiae sein; wenn aber Jemand mitten im Tage sich zu einem Wcingelage niedersetzt (es ist narürlich kein Unterschied zwischen Wein oder andern berauschenden Getränken), so wird er unfähig zu jeglicher Arbeit, sein Blut wird erhitzt und er wird geneigt zu allen Lastern und Schändlichkeiteu. So iehreu auch unsre Weisen (Lerachoth 03): Tic Thora hat die Abschnitte, von denen der eine von der des Ehebruches verdächtigen Iran, der andere von dem dem Weine Entsagenden (Rasir) handelt, desthalb nebkueiuander gestellt, um uns zu belehren, dast der übermästige und unzcitige Genus des Weines zur Uusittlichkeit sühn. Wer also fühlt, dast er den Wein zu sehr liebt, der lhul wohl sich durch ein heiliges Gelübde vom Genuffe des Weines ganz losznsageu. Wir brauchen nicht zu schildern, wie viel Elend der übermästige und unzeitige Genuß berauschender Getränke über die Menschen bringt; leider kann man sich täglich davon überzeugen. Als das Tritte, welches den Menschen gefahrbringend ist, bezeichnet Rabbi Tosta den Horkinas crT-vt rrrr. Einige Erklärer vollen darunter das Spiel der Jünglinge verstanden wissen, andere das Spielen mit den St indem: vielleicht hat der Weise Beides gemeint. Tie Jugend erfreut sich gern am Spielen. Wenn diesem Triebe nachgegeben wird, so wird die goldene Jugendzeit, in welcher die Saat gelegt werden sollrc für das ganze Leben, mit unnützen Dingen vergeude:. Je älter die St naben und Mädchen werden, Lestomchr legen die „Spiele" und derartige Unterhaltungen den Grund zu allerlei Vergehen und Lastern. Tic Sinne werden gereizt, ost überreizt, und das führt am Ende in's Verderben. Zu dieser Art von Spielen gehört auch der Tanz, der gemeinsam von beiden Geschlechtern ausgefühn wird, das Pfänderspiel, das zu allerlei Unzulänglichkeiten führt:e. Aach der andern Deutung bezeichnet der Ausspruch der Weisen das Spielen mit den sondern. Es ist gut, ja norhwendig, dast die Väter sich mit ihren kleinen .Kindern beschäftigen; allein es gibt Vater, die zu viel Zeit damir vergeuden. Wenn der Geist der Kinder entwickelter ist. so mag der Vater den Sinn derselben zu allem Guten hiuzuwenden sich bestreben; er mag ihnen anziehende Geschienen ans der heiligen Schrift, dem Talmud und den Midraschim erzählen; aber er hüte sich, seine kostbare Zeit dadurch z« vergeuden, daß er mit seinen Kindern spielt. Ter wahrhasrc Jude hat eine große Aufgabe in seinen! Leben zu vollbringen. Uns hat Gott erwählt aus allen Völkern der Erde, damit wir Sem besonderes Eigenrhnm seien, ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk. Taher ziemt cs dem Jude« nichi, den Vergnügungen sich hinzngek^i. Stunde» lang in den Winhshanscrn, Skaffeedäweru :e. „am Stammtische" zu sitzen, seine Zeit mir unnützem Geschwätz :c. zu verbringen, seine Rkußestunden pim Besuche von Theorem, Eircus re. zu benutzen. Seine freie Zeit gehön dem Studium der Goncs-

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