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Der Israelit · 1887-07-11 · Heft 53 (11.7.1887) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 53 (11.7.1887)
Date
1887-07-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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ttn, wie sie sich ausdrückte, im höchsten Grade unziemlich, was hatte die Gouvernante bei ihrer Verlobung zu thun? und zu was sie herausschmücken wie eine Prinzessin? und überdies, sie bemerkte es sehr wohl, ihre jüngeren Schwestern und Schwäge- # rinnen stellten beständig Vergleiche zwischen ihr und der Gouvernante an. Freilich war sie sich ihrer weit überwiegenden Vorzüge sehr, wohl bewußt und kümmerte es sehr wenig, wenn die kleine Mädchen in dieser Beziehung kein richtiges Verstandniß zeigten, über c5 ärgerte s»e doch» „ . Ter Sonntag war gekommen und mit ihm Herr von Lilienfeld. Rosalie war überglücklich und heute in Wirklichkeit überraschend schön, darüber waren Frau von Lilienfeld und Frau Arouowitsch ganz gleicher Ansicht und auch Alexander war überrascht von ihrer zwar etwas herausfordernden, aber geradezu strahlenden Erscheinung. Btiourrdernd glitt sein Auge über ihre herrliche Gestalt und ihre in Wirklichkeit geschmackvolle Toilette. Als er dann aber auch seine Schwestern begrüßte und Zosefine ihm zustüstcrte, er möchte doch das Fräulein auch einmal anfehen — obgleich er sich ausdrücklich vorgcnommcu hatte, nicht auf Marina zu sehen, unwillkürlich wandte er sich in der von der Kleinen angcdcutcten Richtung und einen Moment hing sein Blick wie geblendet an der lieblichen Erscheinung, aber es war nur ein Moment, dann wandte er sich hastig wieder zu Rosalie, aber in seinem Blick lag keine Bewunderung mehr, sein ganzes Wesen schien zerstreut. Doch er wußte sich zu beherrschen und bald hatte er die gewohnte Fassung wieder erlangt. Man ging zu Tische. An dem obern Ende der rcichbcsetzlen langen Tafel saßen das Brautpaar und die altern Glieder der Familie, dann folgten Verwandte und Freunde, am untern (yiibe des Tisches faßen die jungen Mädchen. Lebhafte, heitere Unterhaltung herrschte überall. Marina saß wie gewöhnlich zwischen ihren beiden Schülerinnen, sie lachte und plauderte wie die Uebrigen, lauschte dabei jedoch unablässig auf die Unterhaltung am obern Ende des Tisches. Alexander war aufgefordert worden, über die Unruhen in L... y zu berichten, er that es, mit der ihm eigenthümlicheu Lebhaftigkeit schilderte er die Ausschreitungen der Bauern, erwähnte jedoch auch hier, wie er dieses auch in seinen Briefen gethan. daß er Donk der ihm gewordenen Warnung im Stande gewesen wäre, das Aergste zu verhüten. „Aber sage mir nur", wandte sich Frau von Lilienfeld an ihren Sohn, »wer hat Dich eigentlich gewarnt?- Einen Moment schien er mit der Antwort zu zögern, oder schien es Marina nur so? Denn sie lauschte seiner Antwort mit angehaltenem Athem. Tann entgcgnete er ruhig. „Einer meiner besten Freunde hat mich rechtzeitig gcwarnt- Dunkele Gluth überzog Marinas Wangen, er hatte sie einen seiner besten Freunde genannt, sie hätte laut aufjauchzen mögen, was verlangte sie mehr? Warum er nicht einfach geantwortet hatte, dast die Gouvernante seiner Schwestern ihn auf die Gehässigkeit der Arbeiter gegen den GutSverwalter aufmerksam gemacht habe, darüber war er sich vermuthlich selbst nicht recht klar. Sie aber wähnte, er habe aus Rücksicht für sie ausweichend geantwortet, damit sie nicht fürchten müsse, er werde auch der Warnung des Pater Anselmo erwähnen. Das Fest verlief in heiterster Weise. Am Abend, als eine zahlreiche Gesellschaft versammelt war, warf Rosaliens Großmutter eine kostbare Porzellantasse zur Erde, alle Welt rief „Maffcltow!* beglückwünschte das Brautpaar und dessen Eltern und umarmte und küßte einander. Marina schaute verwundert drein; was das alles zu bedeuten hatte, war ihr nicht klar. Rosalie schien überglücklich. Herr von Lilienfeld schien auffallend ernst und bleich. (Fortsetzung folgt.) »Ter Israelit' erscheint wöchentlich zweimal» MootagS und Donnerstags, jedesmal in 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Teiterrrich 12 Reichs-Mark, jür't Ausland 18 Reichs-Mark. Man abonnitt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen.Lrftcllungrn an. — Durch de» Puchhaadrl 1» beziehe» bei k. f. Ktriaackrr. Leipzig. Ziohploh lv. — Inserat« 25 Pfennige die dreigespaltrne PrritzeÜe oder deren Raum. — Lrjierreichischt Banknoten jaul EourS. — Turne Franrozusrndung unter Streisbarrd pro Jahrgang für Teutschland und Oesterreich I« ReichS-Mark oder 8 st. öftere., für'« Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition frank» eiuzufendea. Inhalt (Hauprblatt): Leitender Attikel: Tie Lvrüche der Bäter. — Zeitungsnachrichten und Eorrefpondenzen: Deutschland: Breslau. Hamburg. — Ccnerr.-Ungar. Monarchie: Löten. Lemberg. Era^ — Italien: Livorno. — England: 3mal London.— Bulgarien: Lamakojf.— Rußland: Löarfchau.— iürtti: 2mal Nonftanlinopel.— Palästina: Zcrufale«.— Egypten. — Feuilleton: Tie Eonvenirin. — Inhalt der Beilage: Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Ctuttzarr. Frankfurt a. LE. BreSkan. — Lest.-Ungar. Monarchie: 2ma! Prrßbura. Ragufa. — Iralirn: Padua. — Mesopotamien: Bagdad. Hillrh <Jad«l). — Perantwonliche Redaktion: Dr. Lehmann in Mainz.'— Expedition der »Israelin groß« Bleiche Rr.4S. Truck und Verlag von OSear Lehman» in Mainz. (Hierzu eine Beilage.)

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