Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 53 (11.7.1887)
- Date
- 1887-07-11
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVm. Jahrgang. Anlage zu Nr. 53 -es Israelit. ZeitungSuachricht-u uud Eorrefpoudeuzeu. Deutschland. Stuttgart. Soeben komme ich vonFreude nthal, woselbst gestern r-.i die rrb des nach längerem Ztrankenlagcr im 7«. Lebensjahre entschlafenen Rabbiner HaaS stattfand. Am Grabe, zu welchem nicht nur die ganze jüdische Gemeinde, sondern auch die Vertreter der politischen und anderer Behörden mit dem protestantischen Ortsgcistlichcn und mehreren Stuttgartern dem Verblichenen die letzte Ehre erwiesen, sprachen der Neffe des Entschlafenen, Herr Mabb. Dr. Silberstcin aus Wiesbaden, ferner Herr Rabbiner Tr. Engelbert aus Hcilbronn und der amtsvcrwcsende Lehrer Herr Rosenfeld in beredten und herzergreifenden Worten über das Wirken des Heimgegangenen, der über ein Menschcnalter den RabbinatSsiy inue hatte. TaS Stuttgarter Rabbinat glänzte — durch feine Abwesenheit! — Anläßlich dieses TraucrfallcS erlaubt sich Einsender seine» Landsleuten den wohlgemeinten Rath zu erthcilen, sie nlögcn fernerhin Friede und Eintracht zu erhalten sich bemühen, Zwietracht, Haß und VcrsolgungSsncht, unter welchen der selige Rabbiner sowohl, als auch die Gemeinde selbst viel gelitten, jedoch auS ihrer Mitte entfernen, damit durch wahre Frömmigkeit seiner Mitglieder. Freudenthal wieder etwas von dem Glanze früherer Zeiten zurückerobere , von welchem es durch Jahrhunderte als eine der ersten uud besten Gemeinden Württembergs umstrahlt war. Waren doch auch von jeher große und bedeutende Rabbinen an der Spitze der Gemeinde, welche durch frommes, edles unduneigennütziges Streben sich unsterbliche Verdienste um die Gemeinde sowohl, als um unsere heilige Ncligion erworben, ich nenne nur die noch einem großen Thcil der jetzt lebenden Generation bekannten Namen, wie Rabbi Samuel Elsäffer, Rabbi Alexander Elsäffer, Rabbi Josef Schnaittach ES wäre zu wünschen, daß der zukünftige Rabbiner, ebenso wie die Obengenannten vom wahren Geiste unserer heiligen Lehre beseelt wirken möge! v Ploni. 8. Frankfurt a. M. Gestalten Sie. geehrter Herr Redakteur, wenn ich der kurzen Notiz in Ihrem Blatte über das Ableben der Wittwe des R. Salomon Geiger noch einige Worte hinzufüge. Tie Verstorbene gehörte zu den b'n vn in Israel, welche ohne nach Außen hm glänzen zu wollen; in dem stillen aber desto segensreicheren Wirken des Hauses ihre Aufgabe zu lösen suche». Aus einer angesehenen altfrankfurter Gelehrtenfamilie hcrvorgegarrgcn, hatte sie volles Verständniß für die gelehrte Fcrscherthätigkeit ihres vor acht Jahren dahingcgangenen Mannes, und so war es ihr eine Freude, daß auch nach dessen Tode seine Studirstube nicht verwaist stand und in derselben allsabbatlich Thora gelernt wurde. Für Unglückliche hatte sie nicht nur, sondern bethätigte sie auch ein warmes Mitgefühl, und das liebevolle Wort, das sic für einen Armen, der sich nie vergebens an sie wandte, batte, erhöhte ganz besonders den Werth der gereichten Gabe oder die sonstige Thätigkcit, mit welcher sie sich für denselben in Fällen, wo Größeres zu leisten war, bei Anderen verwendete. Wurde ihr auch mancher herbe Schmerz im Leben nicht gespart — verlor sie doch vor nunmehr siedenzchn Jahren einen Sohn, welcher der deutschen Wissenschaft zur Zierde gereichte—so verlor sie doch nicht den Muth; in Gottergcbcnhcit und Gottvcrtrauen ertrug sie die Prüfungen, die ihr auserlcgt wurden, wie sie dankbar war für jeden Sonneublick eiueS heiteren Daseins, der ihren Lebensweg beleuchtete. Sie erreichte das hohe Alter von fünfundachtzig Jahren, büßte aber nichts an Frische und Spannkraft des Geistes ein; es war eine Freude, sich mit dieser Greisin, die nichts Greisenhaftes an sich hatte, zu unterhalten; nichts entging ihrer Beobachtung, für alles Wissens- und KcnncnSwerthe zeigte sie Interesse, und da Hane man oft genug Gelegenheit die Schärfe ihres Unheils, ihre ungetrübte Geistcsfrische zu bewundern. Dabei war sie aber fern von jedem Dünkel, von jeder Ueberhebung; wie sie in all ihrem Thun bescheiden war, so war sie es auch .in ihren Worten. Wurde sie auch bisweilen durch eine kleine Unpäßlichkeit an sich selbst erinnert, so hatte sie doch das Glück, nicht die Gebrechen des Alters zu fühlen. Hochverehrt von ihrer Familie, der sie selbst treu anhing, und die dcßhalb mit liebender -.nhänglichkcit sie als ihr Haupt verehrte, geachtet und geschätzt von allen, die sie kannten, wurde sie aus ihrem irdischen Wirkungskreise abberufen. Breslau. In der in Breslau am 31. Mai und 1. Juni stattgchabten neunten ordentliche«