Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 53 (11.7.1887)
- Date
- 1887-07-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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«Hqwm 056 Jahrhunderts der Aufklärung und der Humanität unwürdig.- Lemberg, 3. Juli. Im israel. Tempel, wo sich der gcsammte Vorstand der Eultusgemeinde ciugcfundcn hatte, begrüßte Prediger Löwcnstein dm Kronprinzen, den er in seiner Ansprache als einen Helden deS Schwertes und der Feder schilderte. Ter Kronprinz dankte freundlich für die ihm im Tempel bereitete Ovation und drückte dem Prediger Löwcnstein mehrmals die Hand. Graz, 4. Juli. Der „Boh." zufolge rclegirie der akademische Senat den Juristen Hermann .Kienzl (Sohn des gewesenen Grazer Bürgermeister?) auf vier Semester, weil derselbe einen Studenten auf Säbel ohne Bandagen dis zur Abfuhr deßhatb forderte, weil er dein Festcomilv des deutschen Schul- Vereins beitrat; ferner weil Kienzl einen Anderen, der das Duell verweigerte, mit Insulten bedrohte, endlich weil Kienzl gegen den Senat, welcher die .Kundmachung des EommerseS für den (antisemitischen) Schulvcrcin für Deutsche auf der schwarzen Tafel verweigerte, eine achtungvcrlctzende Kundgebung erließ. Ein zweiter Student wurde auf ein Semester rclcgirt, mehrere andere erhielten Rügen. Hermann Kienzl gehört zu den Führern der hiesigen Anti-Scmitcnpartci. Italien. Livorno, im Juni. Ter neue katholische Bischof von Easala, Monsignor Edoardü Pulciano, ist zugleich auch Professor der hebräischen Sprache und auch sonst ein ausgezeichneter Orientalist. Derselbe hegt die wohlwollendsten Gesinnungen für die Juden. Ter hiesige Tempel wird nächstens einer gründlichen Rcnovirung nnterzogen werden und sollen die betreffenden Auslagen aus einem Legate des kürzlich verstorbenen Baronet Sir Moses Montesiore x-z bestritten werden. Binnen wenigen Wochen haben sich in Italien zwei jüdische Jünglinge entleibt, einer hier in Livorno und der andere in Turin. Der Direktor der jüdischen Schulen Salonkchi's, Rabbiner Moisc Ottolanghi, der ein Sohn unserer Gemeinde ist. hat soeben eine ganze Sammlung hebräischer Poesien unter dem Titel „Zcmach David" der Ocncntlickkcit übergeben und dieselbe seinen hier lebenden Eltern gewidmet. Der Lorstcber des jüdischen Wohlthätgkeits- BcreineS in Turin (Confraternitä di Beneficenza Israelit«» di Torino), Rabbiner Prof. Ehiron, veröffentlicht jetzt einen Ausweis über die finanzielle Gebahruug dieses Vereines, dem zu entnehmen ist, daß derselbe Ende. 1886 ein Aktivum von 22,759 Lire und ein Pässivüm wieder von 20,358 Lire befaß. I» Rom werden -jetzt am Sabbat Nachmittags oft religiöse Vorträge und Konferenzen abgehaltcn, worauf denn am Schluffe derselben die Schüler der dortigen Talmud-Thora gewöhnlich eine hebräische Hymne absingen. Dieselbe wurde jetzt von dem Professor am Rabbiner-Seminar, Rabbiner Fornari, im Originale mit einer italienischen llcberfetzung herausgegcbcn. Am Tage des Statufcstcs (Verleihung der Verfassung), 5. Juni, wurden in Mantua mehrere in Marmor gehauene Bildnisse italienisch-nationaler Märtyrer feierlichst enthüllt und befand sich darunter auch das dem Israeliten Guifeppe Fknz! gewidmete Medaillon, das folgendes Epigraph trägt: Giuseppe Finzi — Complice degno e sicuro di martiri gloriosi — Yissuto intero al!a patria — Morto in Canicossa il 19. dec. 1888. — II Mnnicipio di Mantova — Qui volle rammemorat® — Esempio di civile vir tu — I)i blandizie sdegnosa ä dolori inflessibile — Indomita sempre. „Josef Finzi — würdiger und verläßlicher Mitvcrschworcncr der ruhmvollen Märtyrer — der ausschließlich dem Vaterlandc lebte. — Gestorben zn Eanicossa am 19. Dezember 1886. — TasMunicipknm von Mantua — wollte hier in'S Gcdächtniß rufen — ein Beispiel bürgerlicher Tugend — das die Schmeicheleien verachtete und für den Schmerz unbeugsam war. — Immer tapfer." England. London, 5. Juli. Ter Kronprinz und die Kronprinzessin des deutschen Reiches empfingen gestern Nachmittag im Buckingham-Palast eine von Sir Julian Goldsmid geführte Abordnung der englischjüdischen Körperschaften, welche dem Kronprinzenpaare eine Willkommen-Adresse überreichten, worin cs u. A. heißt: „Wir. die wir die Vonheile bürgerlicher und politischer Gleichstellung in diesem Lande (England) genießen, bedienen uns freudig dieser Gelegenheit» um unsere liefe Würdigung der edlen Weise auszudrückcn, in welcher Ew. kgl. Hoheiten die Sache der Rcligionsduldung unterstützten zu einer Zeit, wo gewaltsame und ungerechte Vorurthcilc gegen unsere Glaubensgenossen angeregt wurden, sowie des hervorragenden Beispieles, welches Ew. kgl. Hoheiten allen Leuten gaben, indem sie ein solches uncdclmnthiges Verhalten durch Ihre Mißbilligung keunzcichnelcn. Man hat uns versichert.