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Der Israelit · 1887-07-11 · Heft 53 (11.7.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 53 (11.7.1887)
Date
1887-07-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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begrüßen können. Ta? Resultat der Versammlung bestand in zwei Resolutionen: 1) „TieVersammlung spricht auS, daß sic bestrebt sein will, den JugcndgottcSdieust cinzuführen und überläßt den Modus den einzelnen Gemeinden." 2) „Die Versammlung erklärt sich principiel! damit einverstanden, daß in allen größeren Städten Jünglings - Fortbildungs- Vereine an gestrebt werden." Echt Breslauisch! Wie mir nachträglich niiificibcilt wird, haben die „gelehrten" Herren auch beschlossen. eine babylonische Ucbersctzung des deutschen Talmuds — l*ardon. eine deutsche llebcrsetzttttg des babylonischen Talmuds zu veranstalten. Man sollte meinen, daß die Herren von dc« ungeheuren Schwierigkeiten, die sich einer solchen Aufgabe cntgegcnstcllcn, keinerlei Vorstellung baden. Nicht allein, daß es fast unmöglich ist, den Talmud iu einer andern Sprache dem Leser mundgerecht zu machen, wie die Ucbersctzung zweier Traktate lVcrachoth von Pinncr und Baba Mczia von Samten zur Genüge beweist — auch die dazu erforderlichen materiellen Mittel würden sich auf Hunderttausende belaufen, während der Absatz des riesigen Werkes rin äußerst beschränkter sein würde; den», wer Talmud „gelernt" hat, wird die Ucbcrsctzung verschmähen, und wer ihn nicht „gelernt" bat, dem wird die Ucbersctzung ebenso unverständlich sein wie das Original. Mir scheint, die Herren — in ihre? Nichts durchbohrendem Gefühle, wie cs sich in den zwei Resolutionen äußert — wollten durch diesen letzten Beschluß der Welt eine große That verkünden, an deren Ausführung gar nicht zu denken sie klug genug sind. Echt Breslauisch. — Hamburg. Tie Ermordung des hiesigen Goldarbcilcrgchilfcn Joseph Pollack hat vor einigen Tagen vor dem Schwurgericht in Mannheim ihre Sühne gefunden. Tic That wurde, wie wir bereits mitgethcilt Haben, in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai isfco bei Lautershauscn in Baden begangen und zwar von ztvci Handwerksgesellen, die "Jahre lang uncntdcckt blieben. Ilm Weihnachten v. I. stellte sich derjctzkgeAngeklagte GustavHciurich Bohner aus Halbcrstadt, katholischer Religion, in Neumünster der Polizei und bcschutdigte sich selbst dcS genannten Morde», den er zusammen mit einem zweiten Handwerksgesellen susgeführt haben will. Dieser zweite Verbrecher ist bis jetzt nicht zur Stelle geschafft und soll gestorben sein. Tie Verhandlung bot dem Berichte der „Badischen LandeSzeitung" zufolge einige sehr erstaunliche Momente. Ter Angeklagte sagte aus, daß er, von Gewissensbissen gequält, keine Ruhe habe finden können und schließlich einen Diebstahl begangen habe, um inS Zuchthaus zu kommen. DieS sei ihm gclungcu und im Zuchthaus habe er. eia religiös-beschauliches Leben geführt. Nachdem er aus dem Zuchthaus entlaffen, habe er gebeichtet. Ter Geistliche habe ihm eine Buße auferlegt und daun absolvirt, ohne ihn zu verpftichtcn, eine Anzeige bei Gericht zu machen. Auch ciu zweiter Geistlicher, dem der Angeklagte beichtete, daß er den Mord an Pollack begangen, habe ihm nicht gesagt, daß er sich bei dem Gerichte stellen solle. Erst in §o!ge einer Abendandacht in der Herberge zu Reumünster habe er den festen Entschluß gefaßt, die Gewinensbisse von sich abzuwälzen, was er denn auch am andern Tage getha» habe, indem er sich der Polizei iu Neumünster überlieferte. Der Staatsanwalt zog in seiner Anklagerede das rcumüthige Geständniß des Mörders in Rücksicht und beantragte wegen Randes und Körperverletzung mit tödtlichem Ausgang l 5 Jahre Zuchthaus, welche auch da? Gericht, nachdem die Geschworenen die Schuldfrage bejaht hatten, über den Angeklagten verhängte. Oestcrr. - Ungar. Monarchie. Wien. In einem Vortrage erzählte Profcffor Zimmcrmaun an der hiesigen Universiät folgende wahrheitsgetreue interessante Begebenheit: „Eines schonen Tags, als der grolle Msü! an der Universität zu Königsberg feine Borlefung hielt, erschien mitten unter den Studenten ein junger polnischer Jude im Kaftan und mit den berühmten Locken. Tic Studenten lachten, Kant setzte seine Vorlesung fori und der polnische Jude schrieb mit Eifer Notizen auf. Das steigerte die Heiterkeit der Studenten; denn cs schienen ihnen unmöglich, daß der auS einer Judcngaffc Polens flammende Jüngling dem Gcdanke: singe Kants sollte folgen können. Verhöhnt oder körperlich mißhandelt wurde der Jüngling nicht; denn man befand sich in einem Hörsaale und lebte rioch im 18. Jahrhundert. Nach der Vorlesung übergab der polnische Jüngling seine Notizen dem Herrn Profcffor. Tic Studenten lachten noch immer. Ta erklärt Kant: „Von allen, die mich bisher gehört haben, hat mich keiner so gut verstanden, wie dieser polnische Jude." Derselbe hieß Salomo» Miimm, der später einen Eommentar zu den Werken Kants schrieb. Professor Zimmermann bemerkte bei dieser Gelegenheit: „So war es vor einem Jahrhundert, so sollte cs immer sein; die Juden von den Segnungen der europäischen und speziell der deutschen Kultur ausschlicßen zu wollen, ist dcS

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