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Der Israelit · 1887-07-11 · Heft 53 (11.7.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 53 (11.7.1887)
Date
1887-07-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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954 sehr beliebt ist, so geschieht dies nicht immer deshalb, weil sie ihn wirklich lieben, sondern weil er sie nicht strafend zurcchtwcist in Bezug auf die religiösen Dinge. — Eine solche Liebe ist aber keine wahrhafte, auf Achtung beruhende Liebe. Es ist den Menschen wohl dcqucnl, in ihrem Thun und Treiben nicht gehindert, nicht ermahnt und nicht zurcchtgewiescn zu werden; sie rühmen auch wohl die Herzensgute des gelehrten frommen Mannes, der für sich selbst cs so streng nimmt mit der Erfüllung der religiösen Pflichten, während er gegen Andere voller Nachsicht ist; aber in ihrem Herzen haben sie doch nicht die rechte Achtung vor ihm und das rechte Wohlgefallen an ihm, und später, wenn sie die Holge» ihrer Irrthümcr büßen, die Folgen der Irrthümer, von denen ihr . Rabbi sie znrückzubringcn verabsäumt hat, so klagen sie ihn alS die Ursache der schlimmen Zustände an und verachten ihn in ihren Herzen. Daher sagt Rabbi Ehauina nicht: Jeder, der von seinen Mitmenschen gelobt und gerühmt wird; er sagt vielmehr: peran nnr b i;~tj nnu „Jeder, an dem der Geist der Menschen Wohlgefallen hat." — Hervorragende Menschen sind vielfach von Schmeichlern umgeben, die sie stets loben und ihre Worte und ihre Thaten snm Himmel erheben. Sie thnn cs mit dem Munde, aber ihr Geist ist nicht dabei. Solch ein Ruhm ist kein Maßstab für den Werth des Mannes. Diesen bietet nur die Meinung, welche die Menschen wirklich im Herzen von ihm haben. 2» diesem Sinne sagt auch der weise König (Mischle E. :t, B. 4): näi trw *:73 3'c bzzi;n. „Ans daß Tn findest Gunst und Wohlgefallen in den Augen Gottes und der Menschen." Gottes Wohlgefallen erlangst du dadurch, daß du dir die wahrhafte Achtung der Mensche» erwirbst. Ter Weise sagt auch nicht: Jeder, der Bei allen Menschen Wohlgefallen findet. Das ist nicht möglich. ES gibt Menschen, denen der edle, fromme tugendhafte, weise Mann mißfällt, weil er diese Eigenschaften besitzt, weil sic ihn beneiden, weil sie überhaupt das Gute hassen. Wer war größer, edler und besser als Mordcchai, der Wetter und Wohlthäter feines Volkes? Und doch heißt es von ihm: Er war wohlgefällig der Mehrzahl seiner Brüder; cs gab also eine Minderzahl, denen er nicht wohlgefällig war, die ihn beneideten und haßten. — Elwas Achnliches finden wir auch bist Abraham angedentcl. Gott sprach , zu Abraham: Und ich werde segnen, die dich segnen; wer aberdich verstucht, den werde Ich verfluchen." Der Anfang des Satzes spricht in der Mehrzahl: Ich werde segnen, die dich segnen; der. Schlußsatz hat die Einzahl: Und wer dich verflucht, de» werde Ich verfluchen. Tie Erklärung ist einfach: Abraham» der weise, edle, fromme, tugendhafte Mann, der Lehrer und Wohlthäter des Menschengeschlechts, mußte bei der großen Mehrzahl seiner Mitmenschen Achtung, Liebe und Anerkennung finden. Wer ihn kennen zu lernen das Glück hatte, rief aus: Gesegnet sei Abraham dem höchsten Gotte! Sie alle wurden dafür von Gott gesegnet. Nichtsdestoweniger gab es da oder dort einen einzelne» Menschen, welcher den edlen Abraham beneidete, haßte und ihnr fluchte; dieses vereinzelte Individuum verfiel der Strafe Gottes. Tie drei Aussprüche des Rabbi Chanina be» Doßa, die uns hier der Reihe nach vorgeführt werden, schließen sich an den Schlußvers des ll t. Psalms an: v&nn c.Tff*.y bzb 212 bzv, 'n rxv rtosn n*rso „Der Weisheit Anfang ist Gottesfurcht, guter Verstand Allen, die sie thnn, sein Ruhm bestehend für die Ewigkeit." Jeder, dem die Furcht von der Sünde vorgcht seiner Weisheit, der hat beherzigt de« Ausspruch des Psalmisten: Ter Weisheit Anfang ist Gottesfurcht. — Jeder dessen Thaten mehr sind als seine Weisheit, erro;* bdb 21D bz? der wendet den ihm gewordenen Verstand gnt an, ihn durch Thateu zu bewähren. — Jeder, der die wahrhafte Achtung und Liebe feiner Mitmenschen erringt v£*nn -yb r.-.27 dem wird der Ruhm, der ihm von seinen Mitmenschen zu Theil wird, verbleiben an Gottes Thron, verbleiben für die Ewigkeit. . (Fortsetzung folgt.) Ieituugsuachrichteu und Correfpoudeuze«. D e u t s ch l a » d. Breslau, 6. Juli. Die Rabbiner der sogenannten Breslauer Richtung, die sich 1884 zu einem „Rabbiner-Vcrbaude" zusammengethan, hielten gestern hier eine Versammlung ad. Ter Vorsitzende, Herr Tr. Joel-Breslau, sagte in feiner Begrüßungsrede, daß die jetzigen Rabbinerversammlungea nicht die Begeisterung, nicht die Liebe und nicht den Haß wie die früheren finden (mit ander» Worten, daß das große jüdische Publikum aller Richtungen sich im höchsten Grade gleichgültig gegen diese „Breslauer" und ihre etwaigen Beschlüsse verhalte), eine Selbsterkenntniß, die wir nur freudig - I 1-1' -rfAr ■ -;'Vr:ilVii ■ i»*

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