Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 53 (11.7.1887)
- Date
- 1887-07-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXVIII. Jahrgang. M 58. Der Israelit. sr> Gentrat - Organ für das ortßodore Zudenthum. HerauSgcgcben von irr. Lehma«« in Mainz. Montag, den II. Juli 5647 (1887). Leitender Artikel. Ire Sprüche der Väter. Drittes Buch. XXIV. Mainz, 8. Juli. nn ,'jcn nro rn:n rn-.cr bo .ic'ix '*n wn 7« 12m ar.« ronan nn r»v:r tci /Jan nnu c-part „(fr (Rabbi Chanina bcn Toßa) pflegte zu sagen: Jeder, der bei den Menschen Wohlgefallen findet, findet auch bei Gott Wohlgefallen: Jeder aber, der bei den Menscheu kein Wohlgefallen findet, .findet auch bei Gort kein Wohlgefallen.- Unsre Weisen lehren im Traktat Joma (86 a.): Es heißt in der heiligen Sckrift: Und du sollst lieben den Ewigen, deinen Gott, das heißt, du sollst deine Liebe zu Gott dadurch beweisen, daß durch dich der Name Gottes auf Erden verherrlicht werde. Der Mensch soll die schriftliche Lehre erlernen, die Mischnah und den Talmud; dabei aber soll er saust und liebevoll mit den Menschen verkehren, soll sich anständig benehmen bei seinen (5m* kaufen und bei seinen Verkäufen, soll gewissenhaft sein in seinen Geschäften. Was werden dann die Menschen sagend Heil diesem Manne, der die Thora erlernt hat, Heil seinem Vater, der ihn in der Thora hat unterrichten lanen, Heil seinem Lehrer, der ihn die Thora gelehrt hat! Wehe den Menschen, die nicht Thora gelernt haben! Habt ihr gesehen jenen Mann, der die Thora erlernt hat? Wie schön sind seine Wege, wie wohl begründet seine Thateu! Von einem solchen Manne spricht Gott: Mein Diener bist du, ein wahrhafter Israelit, dessen Ich Mich rühme. — So aber Jemand die schriftliche Lehre erlernt hat, die Mischnah und den Talmud, er verkehrt aber nicht sanft und liebevoll mit scinen MiLmenschrn, beträgt sich nicht anständig bei scinen Käufen und Verkäufen, betreibt seine Geschäfte nicht gewissenhaft — was werden da die Menschen sagen? Wehe diesem Manne, der die Thora erlernt hat. wehe seinem Vater, der ihn in der Thora bat unterrichten lassen, wehe seinem Lehrer, der ihn die Thora gelehrt hat! Dieser Mann hat die Thora erlernt, und wie häßlich sind seine Thaten und wie verdorben sind seine Wege! Von ihm heißt cs in der heiligen Schrift (Jecheskel (5.36. V. 20): Sie werden entweihen Meinen heiligen Namen, indem man von ihnen sagt: Diese da sind das Volk Gottes und mußten aus Seinem Lande hinwegziehen.- Dieser Ausspruch unsrer Weisen gibt uns Aufschluß, wie wir unsre Mischnah zu erkläre.-, haben. Dieselbe schließt sich unmittelbar an die beiden vorhergehenden an. Derjenige, dessen Gottesfurcht seiner Weisheit vorhcrgcht, dessen Erfüllung gottgebotener Thaten größer ist als seine Weisheit, der also vollkommen und ganz mit seinem Gotte wandelt, hat nicht eher die höchste Stufe der Vollendung erreicht, findet nicht früher Wohlgefallen bei dem allmächtigen Gott, er habe denn durch liebevolles und sanftes Benehmen im Verkehr mit feinen Mitmenschen, durch stets anständiges und würdevolles Bettagen, durch gewissenhafte Betreibung seiner Geschäfte sich die Achtung und die Liebe derer erworben, die ihn kennen zu lernen Gelegenheit finden. Der Weise will jedoch durchaus nicht sagen, daß der Mensch nach dem Deisalle und der Gunst seiner Mitmenschen streben soll; er sagt nicht: Derjenige, welchen die Menschen loben und rühmen, den lobt und rühmt auch Gott. Es sind nicht immer die Besten, welche um jeden Preis nach dem Beifalle der Mitwelt streben. So lehren auch unsere Weisen: Wenn du siehst, daß ein Rabbi bei seiner Umgebung