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Der Israelit · 1887-07-07 · Heft 52 (7.7.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 52 (7.7.1887)
Date
1887-07-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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937 ben Dsßs gesellt sich noch eine Dritte, die wir s. G. w. im nächsten Kapitel besprechen werden. (Fortsetzung folgt.) ZeiluogSaachrichterr und Corrcspoudenzeu. Ocstcrr.- Ungar. Monarchie. Wie«. Im Ministerium für Cultus und Unterricht werden die Schlußbcrathungcn in Betreff des Gesetzes wegen Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der isr. Cultusgcmeindeu gepflogen. Pefth. G. ist ein vcu. guten S;r??rr Doll bewohntes Städtchen in Siebenbürgen, weiches die für einen Kandidaten wichtige Eigenschaft besitzt, daß die Stimmen seiner Bewohner in dem Wahlkreis den Ausschlag geben. Man kann sich also denken, daß Graf L., von der liberalen Partei, und sein Gcgeucandidat I., von der äußersten Linken, sich Beide redlich bemühten, die Wähler von G. für sich zu gewinnen. Der Zufall wollte cs, daß I. auf seiner Eaudidationsrcise in G. eben an einem Tage eintraf, an welchem Graf L. im großen Wirthshanfc eine Wählcrvcrsammlung veranstaltete. Der radikale I. besann sich nicht lange und begab sich zu der von seinem Gegner veranstalteten Versammlung hin. Er genirtc sich sogar nicht, dem Grafen L., nachdem dieser gesprochen hatte, sofort zu repliziren, und cs entspann sich alsbald eine regelrechte Disputation vor den Schranken des souveränen Voltes, welches an diesen! Wortgefechte entschieden Gefallen fand. Graf L. gcrictb alsbald in Zorn, denn er gedachte des hübschen Sümmchens, welches die Cortcpe von G. bereits gekostet und wie er auch heute für die Wähler von G. ein Erkleckliches für Wein und ähnliche Erfrischungen verausgabt hatte, um nun das sonderbare Vergnügen zu haben, daß der Gegencandidat mit seinem, des Grafen, Kalbe pflüge. In der Diskussion zwischen den Kandidaten kam auch der Antisemitismus zur Sprache. Graf L. schob das Odium der Judenverfolgungen der Opposition zu. und der oppositionelle I. hob den Handschuh auf, und ohne sich als Antisemit zu erklären, brachte er mehrere der üblichen Beschuldigungen gegen die Juden vor, zu deren Fehlern und Eigenthümlichkeiten cs nanrcutlich gehört, daß sie die Eandidaien der Regierungspartei «nterstützen. Graf L. wollte da mit einem Schlage die Tiscussion auf ein ideales Gebiet lenken und seinen Gegner beschämen, indem er die schöne Parabel ans Rschan dem Weisen vortrug, natürlich in einer populären Darstellung, die mit den Worten begann: „ES war einmal ein weiser Jude.- Die Parabel gefiel sehr, der gcwiffcnhafte Graf L. lehnte jedoch den in häufigen Elsens ausbrechenden Enthusiasmus seiner Hörer mit der bescheidenen Schlußbemcrkuug ab: .Ich füge hinzu, daß diese Erzählung nicht von mir stammt, sondern von dem berühmten deutschen Dichter Lcssing.- Gegencandidat I. meldete sich zum Wort. .Schöne Dinge,- sagte er, „werden uns da aufgctischt. Mein verehrter Gegner, der für die Juden eine Lanze bricht, hat mit großer Mühe die Geschichte von eiuem weisen Juden in irgend einem alten Buche aufgcfundcn. Und was hat dieser weise Jude gcthan { Seine Kinder hat er betrogen. Ich kann auf dieses Argument nur niit dem Rufe antworten, welcher — obgleich ich jenen Herrn Lessing gar nicht kenne — lautet: Abzug Lessing!- Die ehrsamen Wähler von G. riefe» nnwono: .Abzug Lessing!- und Graf L. fiel natürlich durch. Pesth. Ans Paks kommt die Mitthcllung, daß der dortige Rabbiner der orth. Judengemcinde den toleranten Beschluß gefaßt hat, für die bei der Wallfahrt Verunglückten, am 18. Juni eines jeden Jahres eine Trauerfcicr zu veranstalten. Rumänien.?>r. 0. Bukarest, 1. Juli. Herr Tr. M. Beck. Prediger der israelitischen Tempclgemeinde in Bukarest wurde von Seite des dirigirendcn Eomitö's der Zion-Vcrrinc düsclöft nach Bottuschan entsendel, um sich durch persönliche Informationen und durch den Augenschein von den Folgen der Brandkataflrophe zu unterrichten. Dem von ihm erstatteten Bericht, der mir borliegt, entnehme ich: Tic Brandstätte habe eine Ausdehnung von über zwei Kilometern. Das Feuer sei bei einem Brctzclbäckcr in der Vorstadt Kalitschima (wörtlich: Arllluth — solche Brettel bcsinden sich in jeder moldauischen Stadt und werden von Zigeunern und Israeliten bewohnt; abwechselnd heißen sie dann Tziganine, Zigcunerquartier) zum Ausbruch gekommen und durch den herrschenden Sturmwind in die entferntesten Straßen, namentlich nach dem Centrum geschleudert worden,- wo fast ausschließlich Israeliten wohnen. Daher känie es, daß die Wuth des Elementes nur diese getroffen, während christliche Häuser nur etwa zwanzig abgebrannt sind.. Von den 800 Häusern (nach anderen Versionen 1060) sind nur 200 bei den drei inländischen Versicherungsgesellschaften mit Frcs. 1.900,000 versichert, und das sei nur der vierte Theil deS GefammtschadeoS.

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