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Der Israelit · 1887-07-07 · Heft 52 (7.7.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 52 (7.7.1887)
Date
1887-07-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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93$ Alles Uebrige ist verloren. Auch die große Synagoge der Neufta'or, in welcher 4000 Personen Play hatten, war nicht versichert. Jetzt stehen die kahlen vier Wände da. Außer den Thorarollen konnte nichts gerettet werden; der Schaden beträgt 50.000 Franks. Fünf daneben befindliche kleinere Bcthäuser sind ebenfalls gänzlich nicdcrgebrannt, alle darin bcfindlichcu Gebetbücher- und Mäntel mit; nur dic Thorarollcn blieben unversehrt. Zusammen sind es acht Bcthäuser, ein Bcth Ha-Midrasch und die Talmud- Thora. welche letztere allein versichert ist. Aus dem Privat-Bcrhaus des Herrn Luwisch sind auch die Thorarollcn verbrannt. Unersetzlichen, schweren Verlust hat unter Anderen der israelitische Gelehrte Hillel Kahane erlitten. Sein Haus, seine 1000 Bände enthaltende Bibliothek, darunter seltener, hebräischer Werke, und 40 Bogen Manuskript, welche die Fortsetzung seiner Weltgeschichte und „Gclilorh ha-Arry" bildeten, sind vernichtet. Der erste Thcil des genannten Werkes hat bei seinem Erscheinen seinerzeit große Sensation kn der wiiscnschafllichcn Welt dervorgcrufcn. Außer diesem Schaden, hat Herr Kahane an beiden Händen Brandwunden davongerragen, als er sich beniühle etwas von seinen wissenschaftlichen Schätzen zu retten. Nur einen Schatz hat er wiedcrerhalten: es ist dies ein silberner Pokal, den er vor einigen Jahren von dem seligen Mose« Montefiore zum Geschenk erhalten hat' und welcher von seiner Tochter, verehelichten Lnwisch, im Schutt gefunden wurde. Dieses wunderbare Wicdcrsindcn möge ihm von glücklicher Vorbedeutung fein. Schwere Brandwunden haben, mit Namen angeführt, davongerragen, Markus Pollak (seitdem gestorben), 2. Wechsler. Schmie! Rosen, Gcdaliah Baruch Blum, Simon Wechsler, Basija Horowiy und Mordcchai den Meyer Löb. — I. Wechsler lag im Sterben. Außerdem gibt cs Leichtverwundete und Vermißte. Tie Obdachlosen sind untcrgcbracht zum Thcil bei Freunden und Verwandten, zum Thcil kampircn sie im Freien, zum Thcil aber sind sie in gesundheitswidriger Weise zusammengepfercht. So zum Beispiel bcsindcn sich in drei erhalten gebliebenen, kleinen und engen Zimmern der Talmud Thora zwanzig Faniilicn, welche durch das Feuer Alles verloren haben. Tic Skadtgcmcinde soll zwar eine geräumige 5lascrnc zum vorlänsigcn Aufenthalt angcbotcn haben, ich weiß nicht, aus welchen Gründen iudcß niemand von dem Angebot Gebrauch gemacht hat. ES muß feinen Grund haben, wenn die Obdachlosen cS vorgczogcn. sich untcrzubringcn, wie sie gerade konnten. Von den 10,000 Franks, die der König aus seiner Privatkasse gespendet, haben bis zur Abreise des Herrn Tr. Beck, dessen Aufenthalt in Bottnschan zwei Tage dcnrene. 518 Familien kleine Unterstützungen erhalten, die Zahl der Abgebrannten aber ist natürlich viel größer. Es haben cbm Viele solche geringfügige Unterstützungen abgelehnt und ziehen cs vor geduldig zu warten bis größere Summen zur Dcrtheilung gelangen, nn't welchen sie hoffen ihre ruinirte (Existenz vielleicht rekonftruiren zu können. *) Auf Zureden des Herrn Tr. Beit versammelten sich am Abend 28 Herren. Notablen der israelitischen Gemeinde, die vom Feuer nicht direkt Schaden gelitten haben und bildeten ein Eomit« mit der Aufgabe Spenden an Effekten und Geld zu sammeln. Die Israeliten hatten bis dahin kein Spezialkomit« geschaffen ans Furcht, daß das gleich nach der Katastrophe zusam>ncnür!»»trne Ecntral-Eomitö, welches anS Ehristen und auch ouS Israeliten zusammengesetzt ist, sic als exklusiv-jüdisch und separatistisch beschuldigen würde. Die Furcht scheint aber nicht begründet gewesen zu sein, den» kaum batte das besondere israelitische EomitL dem Ecntralkomitö von denen Konstrtuirung Anzeige gemacht, alS es auch von demselben sofortige Gutheißung erhielt mit der Anbckmstclknng „nach Gutbefinden zu handeln und dieEcntralstclle auch jeder Kontrole zu entheben." (Für mich beißt dies: Ihr Juden helft euch nur selber!) Auch sonst rührt man sich allenthalben im Lande. Das Eomite der hauptstädtischen Presse hat im Stadtgartcn Tfchischmedschin Festlichkeiten veranstaltet, die Präfekten sind angewiesen die Stadtmagistraten und Kommunen zu Subscrkptionen zu veranlassen, die bukarester Israeliten haben Theatervorstellungen der israelitischen Truppe erwirkt, Zenungs- und Privatsammlungen *1 <»ine bestimmte Zahl der “&3fSr^na^cn ift Bi* jetzt nicht bekannt n-orbca. Zum avprorimariven Berechnen dürfte aber folgendes wissenswerth sein. In Rumänien vohnr man meistens zur ebenen t>rde und einen «rock doch; Kellerwohnungen sind nicht übsich und mit höheren Stockwerken gibt e* nur in Jassy und in Bukarest sehr wenige Häuser. In Bottuschan. bat, soviel mir vrrsönlich bekannt, nur da* Nohnbau* der? ompfmüblgeieUschastrr drei Stock. Dennoch karm mau mindestens vier Familien für jedes Hau» als Durchschnitt annehmrn. Da aber viele arme Leute abgebrannt trnd. so ift dieser Maststab sicber viel;u niedrig. Tenn Arme ober Handwerker wohnen mein :vri Familien i» einer Nohnuna von oft nur Zimmer und Küche u.;w. drran. daß die eine da* Zimmer, die andere die Kücke tsogrn. Älkjer) a!S Nohuung benutz» und mir dem Backofen, der zugleich Kochvorsxruug enthält — Sparbeerbe kennt man sehr wenig — Gemeinschaft machen. _ müsirn alio in manchen Häusern mehr al» vier — mindesten* sechs — Familien gewobnr haben. Bleiben wir i::dest der dem rrstangrgrdrnen Durchichui» von vier, so ergibt er für $09 bi* 1000 Häuser 3200 bis 4000 Familien, eine Zabk. die die tröste des krreingedrvchrnr» LkrudS schon am drst»n und deredrefteu zeigt.

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