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Der Israelit · 1887-07-07 · Heft 52 (7.7.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 52 (7.7.1887)
Date
1887-07-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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936 Doßa nicht sagen wollen, daß die Weisheit eines Mannes, der um das Thorastudium zu Pflegen, die. eine oder die andere Mizwah, die auch dn.ch Andere gcschedeu kann, verabsäumt, keinen Bestand habe. Nabbenu Ionah ist der Ansicht, daß cs sich hier um die Absicht handele. Wer die Absicht bat. alles sorgsam zu erfüllen, was erlernen wird, dem rechnet Gott diese Absicht jedesmal wie eine Thal au, und deßhalb sind seine Thaten stets mehr als seine Weisheit, und diese lautere Absicht bewirkt, daß die Weisheit Bestand hat. Wer aber nur lernt, rrm sein Wissen zu vermehren, dessen Thaten sind immer weniger-als der Umfang seiner Gelehrsamkeit, und diese besteht nicht, weil sie nicht praktisch geübt wird. Nach dieser Erklärung hat die vorliegende Mischnah fast denselben Sinn wie die vorhergehende, und Rabbi Ehanina würde unS sehr wenig Neues damit sagen.— Nabbenu Jizchak ibn Schnschan, angeführt von Nabbenu Joseph Jade;, erklärt unsere Mischnah folgendermaßen: Unsere Weisen lehren: \*o: n* b'j r.c: 7^:2 Gott wählt sich unter den Menschen seinen Boten und läßt Gutes durch den Guten. Schlimmes durch den Schlimmen vollbringen. TaS ist auch der Grund, daß nach der Vorschrift unserer heiligen Religion eine tm Jrrthum begangene Sünde der Sühne bedarf. Mau sollte meinen,, daß eine aus Irrthum begangene ttebertretung keine Schuld in sich schließe und deßhalb auch der Sühne nicht bedürfe. Allein, schon der Umstand, daß der Betreffende in den Jrrthum und dadurch in die Sunde gerochen, beweist, daß er durch eigene Schuld der göttlichen Fürsorge, die ihn sonst vvr dem Jrrchumc und in Folge dessen vor der Sünde geschützt hätte, verlustig geworden. Wem mm Gott wohl will, dem bietet Er viel Gutes zu ttzun die Gelegenheit, die dann der Fromme mit Eifer ergreift. Wer also durch viele gute Thaten sich auszcichnet. dessen Weisheit hat gleichzeitig die göttliche Bestätigung gefunden. — So schön dieser Gedanke auch ist, so scheint er uns doch nicht dem Wortlaute unserer Mkschna zu entsprechen. Wenn dies der Sinn derselben wäre, so hätte Rabbi Ehanina sagen sollen: Bete zu Gott, daß Er vor Sünden dich schützt und dir die Gelegenheit gebe, recht viel Gutes zu tknn. Ter Schlüssel zur Erklärung unserer Mischnah bietet sich uns in den Adoth des Rabbi Nathan (E. 22). Ton beißt er: vrysr 72 -.tn *t. kt. jtcct. nryj nsjor *r. 72:72. Ter in Rede stehende Lehrsatz dcS Rabbi Ehanina den Toßa wird gcfolgcN aus der Antwort, welche unsere Voreltern am Berge Sinai unserem Lehrer Moscheh gegeben haben: »Alles. .was Gott gesprochen hat, wollen wir thull und hören-, selbst wenn wir es noch nicht verstehen und begreifen; wir wollen die Vollziehung der göttlichen Gebote nicht von unserem Verständnisse abhängig machen. Dieses große Wort unserer Voreltern ist maßgebend geblieben für sie und alle ihre Nachkommen. Es gibt Gottesgcbote. die wir sofort verstehen, wie: Ehre deinen Vater und deine Mutter, du sollst nicht morden, du sollst nicht stehlen rc., es gibt andere, die wir erst durch sorgsame Forschung erfassen, wie das Gebot des Schofarblasens am Neujahrsfeste, das Nehmen der vierPflanzenarten am Hntrenfeste rc., es gibt jedoch auch Ge-- bote, deren Sinn wir nicht zu ergründen vermögen, wie die Vorschriften in Bezug auf die rothe Kuh, das Verbot, Kleider, auS Wolle und Leinwand verfertigt, zu tragen rc. »Alles, was Gott gesprochen hat, wollen wir thun," selbst wenn wir es auch nicht verstehen; um das Verständniß wollen wir unS später bemühen, und selbst wenn wir es nicht erreichen, werden wir unser Thun nicht davon abhängig machen. Wer dieses Versprechen unserer Voreltern zum Grundsätze seines Lebens macht, dessen Thaten sind immer mehr als seine Weisheit: er trägt z. B. keine ans Wolle und Leinen verfertigten Kleider, wiewohl seine Weisheit den Grund und den Sinn dieses Verbotes nicht zu erfassen vermag. Tie Weisheit eines solchen Mannes hat Bestand; sie widerstcht allen Versuchungen und Verführungen. »Gott hat cs so geboten oder so verboten", das ist der Anfang und das Ende aller Weisheit. — Wer aber fein Thun und Lassen von den Ergebnissen seiner Forschungen abhängig macht, dessen Thaten werden immer weniger sein als sein Wissen, da er ja dies Erforschte nicht immer zu bewähren Gelegenheit hat. Seine Weisheit hat keinen Bestand: sie wird an den tausend Klippen zerschellen, die sich dem Forscher entgcgenzustcllcn pflegen. crrsny 2'2 ^2r, '1 rer.» N22N rrsw »Der Weisheit Anfang ist Gottesfurcht, Verstäudniß ist gut für Ticjcnkgen, die Gottes Gebote ohne Ausnahme zn vollziehen entschlossen sind." Mit dieser Erklärung sind alle Fragen beantwortet. alle Schwierigkeiten gehoben. Es ist dargelegt. daß mau dre Weisheit wohl auch der Zahl nach mit den Thaten vergleichen kann; es ist ferner erklärt, daß nnm die Gottesgcbote zu erfüllen vermag, ehe man.ihren Sinn begriffen hat; cs kann keine Folgerung ans dem Vordersätze gezogen werden, die der Folgerung aus dem Schlußsätze widerspricht; es ist ferner nachgewiefeu, daß das Thoralerncn in keiner Weise gegen die übrige« Gottesgcbote in den Hintergrund treten soll. — Zu diesen zwei goldncn Siegeln des Rabbi Ehanina

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