Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 51 (4.7.1887)
- Date
- 1887-07-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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029 ' w geleitet, wo Panter Fischer den Festgcsang anstimmte und Kinder die Volksbymne und das Lied „Gelegner sei der Kommende" sangen. Während dieser Vorträge saß das Kronvrinzcnpaar ans einer Estrade, welche mit schön geschmückten Zelten überdacht war. Der Kronprinz hatte das Haupt bedeckt. Nach den erwähnten Vorträgen machte das Kronprlnzenpaar einen Rundgang durch das altcrthümttche Gottcsdaus, welches mit orientalischen Teppichen und Vorhänge» mit Stickereien in hebräische« Eharaklcren reich geschmückt war. In Anwesenheit des KronprinzenpaareS wurde auch der Schrein mit den Gesetzcsrolle» geöffnet, der noch aus dem Mittelalter stammen soll. Lebhaftes Interesse der hohen Gäste erregte auch ein rother Marmorstein, welcher das Datum l:r07 trägt nnd an die blutigen Judenverfolgungen erinnert, welche im Krakauer Ghetto zu jener Zeit vorffclcu und vor welchen sich das jüdische Volk in die alte Synagoge flüchtete, Nach einem Aufenthalte von zehn Minuten begab sich das Kronprinzenpaar unter lantcn Hochrufen der Menschenmenge in die israelitische Schule. Türkei. Salonichi. Ter Dircctor der Allianecschule, Herr Danou ist zum Ossicier der franz. Akademie ernannt worden. Egypten. Alexandrien, 6. Juni. Alcraudrien ist zwar durch das Bombardement von i.*ws:> größtcnthcils in einen Rninenhaufen nmgewandelt worden, cs beginnt jedoch jetzt schon sich einem Phönix gleich, aus seiner Asche wieder zu erheben und sich neuerdings mit Palästen und Monumcntalbantcu zu schmücken. Mit dem Wtederaufblnhen unserer Stadt hält aber auch das Gedeihen und die Entwickelung unserer Gemeinde gleichen Schritt. ES sollen sich daher jetzt schon hier über 12.000 Juden befinden. Oderrabbiner ist zur Zeit Ehacham Moise Pardo, ein schon siebzigjähriger Greis, der aber noch voller Feuer ist nnd die Willenskraft eines Jünglings besitzt. Nosch-Hakahal oder Präses unseres Eultusvorstandcs ist zur Zeit Herr Bohor Aghion, Bicepräscs Herr Abraham Piha, Schatzmeister die Herren Giacomo Aghion und Giacomo Tilchc und Äusschußmitglitder die Herren: David Aghion. Zuffuf Suares, G. Nolo, zwei Barone Mcnasche und Zuffuf Gohar. Sekretär der Gemeinde ist der Advokat des hiesigen österreichisch-ungarischen Eonsttlates, Herr Prrcira, nnd Rechtsanwalt der Gemeinde Dr. jur. Giacomo Eastro. Wir haben drei Hauptsynagogcn: Synagoge des Propheten Elias (wm irv^x b? toßn n>2) Synagoge Menasche (dieses Gotteshaus befindet sich im Palaste her Gebrüder Barone Menäsche und ist cs auch de- . rcn Eigcuchum) und dann Synagoge Zaradel. Unser Obcrrabbiner, derselbe führt seit Kurzem auch den Titel: pw j*tnn da ör, wie man sich hier erzählt, schon jetzt rum Nachfolger des Ehacham-Baschi von Jerusalem auserschen sein soll, besitzt seine eigene Synagoge, die sich in dessen Wohnung befindet. Er erscheint daher nur äußerst selten in der Hauptsynagoge, als welche die Synagoge deS Propheten Elias betrachtet wird. (Dieses Gotteshaus kann an 2500 Andächtige fassen.) Außerdem gibt cs noch verschiedene kleine Bote-Midraschim, ebenso auch eine kleine deutsche Synagoge, die sich jedoch in einem , gcmicthctcn Hanse befindet. Alexaoürieu besitzt auch die einzige jüdische Buchdruckcrei Egyptens, Eigenthum des Herrn Farag MiSrachi: Schulen besitzen wir gleichfalls eine beträchtliche Menge, unter denen die hervorragendsten sind: Die Gemcindeschule, die Schule des Baron Menasche und die von der Familie Aghion gegründete und unterhaltcnc Talmud-Thora. Letztere kann an 7<», die zweite dagegen an 250 Zöglinge ausnchmen und gehörig unterrichten lassen. Auch eine beträchtliche Anzahl von Ehcbroth besitzen wir hier. In neuester Zeit hat unsere Gemeinde auch begonnen, um das Proletariat hier nicht zunchmcn zu lassen, arme, ciugcwandcrte polnische Inden, die ohne Erwerb sind, auf Kosten des Gemcindcsäckcls wieder in ihre Heünarh zurückzuschicken. .Kairo und Alexandrien besitzen daher die größten Gemeittdeu Egyptens; Minhauim oder Iischubim befinden sich dann noch in Zagazig, Tainl.nhnr, Tantah, Suez und Hcluau. — Die italienische Negierung hat Herrn Jacob Piha zu Mansara in Untcrcgyptcn zu ihrem dortigen Biceconsul ernannt. Ter König von Griechenland hat dem bekannten egyptischcn Finanzmann und Politiker Blum Pascha (derselbe ist ein Sohn der jüdischen Gemeinde Budapests) die Insignien eines Großossicrers des ersten griechischen Ordens verliehen. Ein italienischer NegieruugScommissär hat auch die hiesige jüdisch-italienische Schule, die gleichfalls von der italienischen Negierung subvcntionirt wird, besucht und Prüfungen daselbst vorgenommen. Kairo, im Juni. Unsere Gemeinde, die erste Egypten?, gleicht jetzt einer.Tn rup^n, da wir wohl einen Ehacham-Baschi (Obcrrabbiner)*) haben, ihn *) Tie Lberrabbinrr von Kairo führe« ebenso wie die von «onnantinopel den Titel: lshacham-Laschi. sie dürfen jedoch keineswegs wie diese, richterliche Functionen auLüben, da die