Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 51 (4.7.1887)
- Date
- 1887-07-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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921 verschiedenen Lrtcn hat er Vorträge gehalten, über 8000 Traktate wurden vcrthcilt, und 3317 Bibeln, alteS und neues Testament in hebräischer Sprache, wurden dabei verkauft. Der in der Iudenmission in Berlin zur Zeit allein thätige Arbeiter, ein Mann aus Israel, liefert durch feine ganze (Erscheinung. den Thatbewcis, daß es auch wirklich Juden gibt, die sich gründlich zum Ehristenthum bekennen. Ter Mann, Gottlicb ist sein Name, war früher atS jüdischer Lehrer in Prag angcstcllt, wurde nach seiner Bekehrung Gehilfe des IudcnmissionärS in Prag, und trat Anfang Dezember v. Z. in den Dienst der Berliner Iudcnmifston. Er hat in der kurzen Zeit hier schon merkwürdige Tinge erfahren, schmerzliche und erfreuliche; er hat gefunden, daß manche Juden gar keine Religion mehr haben. Manche fragten ihn, wie viel man bekomme, wenn man überträtc, denn aus Ncbcrzcugnng träte doch /ein Jude zum Ehristenthum über. In dem Missionar selbst aber träte ihnen ein Beispiel vom Gcgcnthcil gegenüber. Ein Jude, der eine Ehristin zu hcirathen und das geschäftsmäßig abzurhun gedachte, wurde von ihm innerlich belehrt und getauft. In Schottland, Schweden und Nordamerika haben sich im vorigen Jahre neue Iudcnmissions-Gcscllschaftcu gebildet, die ihre Boren bis in's gelobte Land senden. Auch das Herz der jungen Theologen sei entstammt für das Werk der Iudenmission. I:n Jahre 188» har ein Studiosus Fader an der Universität Leipzig eine Bereinigung solcher gebildet und das Beispiel hat seitdem an neun deutschen Universitäten Nachahmung gefunden. 300 junge Theologen sind schon durch diese Bereinigung hindurch gegangen. Ter Bewegung fehlt nur der Rückhalt bei den Ehristen, die Liebe zum Herrn und zu Israel. Es. fehlt an Asylen zur Unterbringung von Proselytcn. Es fehlt an Nachwuchs von Iudenmifsionaren. Hcidcnmissionare wollen viele werden, Iudenmissionare nicht. ES fehlt auch an Iudcumissious-Bildttttgsattsralten. Für die Hcidcnmission hat man Missionshäuser zur Erziehung der Missionare für ihren Beruf, für die Iudenmission nicht, als ob eS dazu keiner besonderen Ausbildung bedürfte, llnd doch ist dieses Werk ein noch schwierigeres als die Heidcnmissiou. Im vorigen Jahre ist in Leipzig unter Leitung von Profcnor Delitzsch ein Seminar für junge Theologen gebildet worden, welche sich zur Iudenmission ausdildcn wolle». Tie Kiesige MifsionSgescllschafl ist mit dem Seminar in Verbindung getreten und hat drei Zöglinge dorthin gesandt. Tie Ausbildungskosten betragen für jeden 1000 M., welche die Gesellschaft verauslagt unter der Bedingung, daß der Zögling nach feiner Ausbildung in den Dienst der Gesellschaft trete, widrigenfalls die Auslage zu ersetzen ist. Möchte man sich doch dafür interessiren, daß das Institut gedeihe. Der einzige Iudenmissionar in Berlin, der lange Jahre hindurch in Segen gearbeitet hat, P. Daab, ist geistig umnachtet und körperlich krank, so daß ihm Anfangs d. I. die Entlassung aus dem Dienst gewährt werden mußte, und ein Ersatz für ihn ist noch nicht gefunden. Einstweilc» führt die Arbeit der bereits erwähnte Missionar Gottlieb. In England hat sich ein Gebetsbund für die Bekehrung Israels gebildet, der bereits 35 l Mitglieder, darunter 36 Geistliche der englischen Hofkirche zählt.- Schade um das viele Geld, welches hier zwecklos vergeudet wird und mit dem soviel Gutes für christliche Armen und die Erziehung ihrer Kinder gethan werden könnte. Berlin. Nach dem Rechenschaftsbericht. deS „Hebräischen Literatur-Vereins „Mckize Mirdamlm- (cttü Trpa nron) hatte dieser Verein im zweiten Bcrcinsjahr eine Einnahme von 5092 M., die bis auf 19 M. verausgabt wurden; der feste Fond weist 1032 M. auf; weitere 1300 Rubel für diesen Fond befinden sich in Händen des Herrn Dr. Harkavy in Petersburg. Frankfurt a. M., 29. Juni. An einem der luftigsten und freundlichsten Punkte unserer Stadt, ans dem Rödcrbergc, sind die jüdischen Spitäler, welche der frcihcrrlichcn Familie Willy von Rothschild ihre Entstehung verdanken und durch diese unterhalten tocrdcn, das ein: das Georgine Sara von Rothschild'schc Spital, ein herrlicher Lau in edlem einfachen Styl, das andere ein schlichtes, inmitten eines prachtvollen Gartens gelegenes Haus, das als Kinderspital dient. Wer da vorbcigcht, wird besonders bei Letzterem die wohltbucnde Wahrnehmung machen, wie behaglich die durch die Fenster sehenden oder im Gärten umherspazicrenden reconvalcsccntcn.minder sich hier in der gesegneten Lust und bei den vollendeten Einrichtungen fühlen und welche zufriedene Stimmung sich ans den vergnügten Gesichtern ausspricht. Wer öfters dort vorbcikommt, wird 'auch vielleicht Gelegenheit haben, zu bemerken, wie manche der genesenden Kinder, die noch vor wenigen Tagen bleiche abgezehrte Wangen hatten, inzwischen ein frisches Rorh, Zeichen von Gesundheit und Lebenskraft erlangt haben. Die guten Erfahrungen jedenfalls, die man mit diesen beiden Rvthschild'schcn Spitälern gemacht hat, und die befriedigenden Erfolge, welche mau dort erzielt, und die gewiß auch theilweise der günstigen Lage zu verdanken sind, werden wohl mst