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Der Israelit · 1887-07-04 · Heft 51 (4.7.1887) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 51 (4.7.1887)
Date
1887-07-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ES ,1,1.,^^• ,f, ---■;^'‘yv.-^^'::-':-i ik|i 920 unsre Weisen (Sabbat 30). Raba sagte: Alles Wissen hat keinen Zweck, wenn nicht die Gottesfurcht die Grundlage ist. Nabbah bar Raw Huna sagte: Jeder Mensch, der Thorakcnntniß besitzt, aber keine Gottesfurcht, gleicht einem Manne, dem man die Schlüssel zu den inncru Gemächern, aber keinen Hausschlüssel übergeben hat. Wie kann er hineinkommen? Rabbi Jannai ließ ansrufcn: Webe dem, welcher eine Thüre sich anschasst nud keine Wohnung besitzt! — Tie Gotterlehre ist nur die Pforte, durch die wir in den Palast eingchcn können; was nutzt die Pforte, wenn der Palast nicht da ist V Was nützt die Thorakenutniß. wenn der Lernende oder der Gelehrte deren Lehren nicht befolgt? — Naba pflegte zu seinen Schülern zu sagen (Joma 72): Ich bitte euch, verschafft euch nicht eine zwiefache Hölle! das heißt: Wer sich hicniedcn die Lebensgenüsse versagt, um eifrig dem Thorastudium obznliegcn, das Gelernte aber nicht befolgt, der macht sich dieses Leben zur Hölle und geht ein zum ewigen Verderben. — So lehrt auch der königliche Sänger rszzn r/rjo b wi' »der Weirhcir Anfang ist die Gottesfurcht." Und auch in der Thora selbst ist cs ausgesprochen, daß die Gottesfurcht allem Andern vorhcrgehen muß, wie cs heißt (3. V. M., (5. w, V. 12 und l.y: „Und nun, Israel, was verlangt der Ewige dein Gott, von bu? Nichts als zu fürchten den Ewigen, deinen Gott, zu warldeln in allen Seinen Wegen und Ihn zu lieben und zu dienen dem Ewigen, deinem Gotte, mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, zu beobachten die Gebote des Ewigen und die Satzungen, die Ich dir heute befehle, zu deinen! eigenen Besten." — Unsere Weisen folgern aus diesen Versen :rcr rx-*o pn crsr ’ts br». „Alles fleht in Gottes Hand mit Ausnahme der Gottesfurcht." Zur Gottesfurcht wird Niemand bestimmt; aus sich heraus, aus freiem Antriebe soll der Mensch Gott fürchten. Es ergibt sich dieser Gedanke aus den Worten: 2 brr ibx fn ns '«-.r* nnyi „Und mm, Israel, was verlangt der Ewige, dein Gott, von dem, was bei dir steht, 7:72, von dem, was lediglich von dir selbst abhängt? Nicht vou uns hängt es ab, ob wir gut oder schlecht beanlagt, ob wir stark oder schwach sind, ob wir in günstige» oder ungüusligcn Verhältnissen geboren wurden; aber Gott zu fürchten. Ihn zu lieben und in Seinen Wegen zu wandeln, das hängt von uns ab, vou nnserrn freien Willen, von unsrer freien Entschließung, und, wo dieser Entschluß vorhanden, da iu uns das Fundament des Heils für diese wie für die künftige Welt festbegründct. Auch die geistig Armen werden dadurch unendlich reich und ihnen gewährt Rabbi Ehanina bcu Doßa die trostreichste Versicherung. Da ist ein Knabe, ein Jüngling, ein Mann; Gottesfurcht wohnt in ihren Herzen; sie möchten die Gotteslehre und all ihre hohe Weisheit in sich aufnchmen, sie möchten eindringe» in die tiefsten Geheimnisse derselben — aber eS fehlen ihnen die nothwcndigen Gaben, die schnelle Auffüllung, das starke Gedächtnis, oder eS fehlt ihnen an Zeit oder an Gelegenheit: zu ihnen spricht der große Weife unsrer Mischnah. dem kein Gehcimniß verborgen geblieben: Lernet nur, ihr Schwachen, lernet, soviel ihr vermöget! Des Allmächtigen Weisheit stützt euch und hilft euch, daß ihr trotz aller Hindernisse Weisheit erlanget und erhaltet! den Gurbeanlagteu und geistig Hochstehenden aber ruft er zu: O. prahlet nicht mit euren Wisscnsschätzen! Tie Frucht, das Endziel alles Wissens, ist nur das Eine: die Furcht, die Angst, eine Sünde zu begehen. Nur wenn die erlangte Weisheit dazu dient, die Gewissenhaftigkeit zu stärken, hat sie Bestand. Tic Weisheit aber wird zur Thorheit bei dem. der die Sünde nicht fürchtet. '1 rKYrssnrrrjn „der Weishei: Anfang ist die Gottesfurcht", und die höchste Stufe der Gottesfurcht ist, daß man sich fürchte, durch eine Uebcrtretung den heiligen Willen unseres Gottes zu verletzen, daß man sich vielmehr bestrebe. Ihm zu dienen mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Berlin. Anfangs Juni hielt die „Gesellschaft zur Beförderung des Ehristcuthums unter den Juden" ihre Jahresversamml. ab. P. Gensichen machte das Geständniß. daß die Gesellschaft nur geringe Erfolge anfzuweiscu habe. P. Knak behauptet das Gegentheil. „Im östlichen Europa." so sagte er nach dem Berichte des „Reichsdoken," „hat eine mächtige Bewegung die Herzen ergriffen, so stark wie seil der Apostel Zeiten nicht. TaS von Prof. Delitzsch iu's Hebräische übersetzte Neue Testament hat binnen Kurzem in 30,000 Exemplaren unter den Juden, insbesondere in Galizien, Rumänien und Bessarabicn Verbreitung gefunden. 131 Juden sind durch das im Osten errichtete Asyl gegangem Auch unter den deutschen Juden ist Empfänglichkeit für das Enangclinm vorhanden. Der deutsche Reisepredigcr »nd Eolporteur hat außer viel Haß und Spott auch fteundlichen Eingang gesunden. In 73 > I

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