Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 50 (30.6.1887)
- Date
- 1887-06-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449747--26714-2516557- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rabat 1× ep/1045497
OCR text
909 roklo) wird gemeldet, daß der Sultan der dortigen Judrngemeiude die Haradieh (Militärsteuer) für die lammenden sieben Jahre nachgcsehcn und auch die Beträge, welche die Gemeinde dem Staatsschätze für die ihr im Hungcrsjahre 187!» vorgesirrckten Lcbensmiltel schuldet, als schon getilgt erklärt hat. Sultan Mulcy Hassan kann sich jetzt sehr leicht als generös zeigen, da er bekanntlich einen großen Schatz in Rabat gefunden hat und so quasi über Nacht ein hundertfacher Millionär geworden ist. In der Hascusradr Mazagan wurde ein jüdischer Geschäftsmann zum unbesoldeten amerikanischen Eonsul daselbst ernannt. Ta aber derselbe nur arabisch spricht, ohne dasselbe jedoch schreiben zu können, so wird er schwerlich weder seinen Glaubensgenossen in dieser Stadt noch den amerikanischen Kaufleuten, die dorthin Handel treiben, irgendwie von großem Nutzen sein können. Vor wenigen Tagen verschied in Mogador, Herr August Monte!, Kanzler des dortigen französischen Eonsulatcs, ein Jude, in Folge einiger sich vor erlichen Wochen beim Sturze von einer Anhöhe zugczo.acucu schweren Verletzungen. Tcm Lcichcnbegängnffie wohnten auch der französische und spanische Eonsul in voller Uniform, dann verschiedene Beamte anderer Konsulate und schlicßlih zahlreiche einheimische und fremde Meufkute au. Ehacham Afriat hielt dem Heimgegangenen am offenen Grabe einen warmen Nachruf, worauf der französische Konsul, Herr Lacorte, seinem früheren Beamten einige Worte ins Grad nachricf, die Herr Zcrbib ins Arabische übertrug. In Folge ernster Rcclamationcn der marokkanischen Negierung haben nun die Vereinigten Staaten ihren hiesigen ISovjnl beauftragt, die iiifte der unter seinem Schutze sichenden Eingeborenen zu rcvidircn und von nun an nur solchen Personen feinen Schutz zu gewähren, die durch die Verträge berechtigt sind, denselben für sich in Anspruch zu nehmen. Natürlich werden die hiesigen Juden durch diese aus Washington decrctirtc Maßregel am härtesten betroffen, da sie bisher gewohnt waren, wenn das marokkanische Joch sie schon zu schwer drückte, zu dem nordamcrikanischcn Eonsul hier zu laufen und sich unter dessen Schutz zu stellen. Bei dem früheren leider nur zu schnell von seinem hiesigen Posten abbcrnscncn amerikanischen Eonsul, Herrn Matthews, fanden sie stclS eine theilnahmsvolle Seele und auch unverzügliche Gewährung ihrer Vitle. In Zukunft wird dies jedoch leider nicht mehr gehen, und die Juden hier werden nun gänzlich der Habsucht der marokkanischen Behörden preisgegeben sein. Aber als ob das Maß des Unglückes für die hiesigen Juden noch nicht voll wärt, verlautet jetzt sogar, die vereinigten Staaten wolle« alle Jene, die bisher deren Schutz erhalten, ans demselben wieder anSschließen und diese Unglücklichen so den Marokkanern auf Gnade und Ungnade auslicfern. Hier hat dieses Gerücht große Sctrübniß hcrvorgerufen, da man fürchtet, dasselbe werde bald zur Thatsache werden. Fe« i I I e t o «. Aie Juden i« Aew-HorK. Eine kulturhistorische Skizze. (AuS dem N.-Z. Bellestr. Journal.) Eine wunderbare Prosperität und ein stetig glänzenderes Gedeihen, — das ist die Signatur der Geschichte der Juden in den Vereinigten. Staaten. In jeder Abthcilung der kommerziellen und mtellekrucllcn Thätigkeit haben sie Siege errungen. Frei von jeder Bedrückung, alle Freiheiten und Rechte der anderen Bürger dieser großen Republik genießend, haben sie cS trotz ihrer vcrhältnißmäßig nur geringen Anzahl — es wird in dem weiten Gebiete zwischen dem atlantischen und stillen Ocean kaum mehr als -100,000, hiervon 125,000 in New-?)ork, Angehörige dieser energischen und rastlos vorwärts strebenden Racc geben — zu einer großen und eingreifenden Machtsphäre gebracht. Von regem llnternchnumgsgeiste beseelt, bei der Behandlung fast aller öffentlichen Fragen stets die allgemeine Wohlfahrt im Auge haltend, patriotisch und gcsetzestrcu, kosmopolitisch in der Bezeugung eines fast einzig dastehenden Wohlthätigkeitssinncs, nicht duldend, daß je einer der Ihrigen dem Staate zur Last fällt, sind sie ein wichtiger Bestandtheil der Bevölkerung der Vereinigten Staaten geworden. Tic jetzt 234 Jahre alte Geschichte der Juden in diesem Lande bildet ein für jeden Freund der Menschheit im hohen Grade interessantes Kapitel- Tie Verhältnisse, unter welchen die ersten jüdischen Kolonisten hier landeten und Wurzel faßten, waS die Juden in kaufmännischer, finanzieller, sozialer, kulrnrcller Beziehung hier gewirkt haben, welchen Antheil sie am Ausbau des staatlichen Gebäudes, am Wachsen und Gedeihen den Station genommen haben, die Ausdehnung ihrer Wohlthätigkeitsanstaltcn, ihre großartige Anhäufung von Rcichrhnmern zu schildern, alle diese Momente mit dauerhafterem Griffe! fcstznhaltcn, sie einer eingehenderen und liebevolleren Würdigung zu rmterzichen, als dies in dem