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Der Israelit · 1887-06-30 · Heft 50 (30.6.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 50 (30.6.1887)
Date
1887-06-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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901 die Neugierde der jüdischen Gelehrten- und Forschungs- Welt, so dürfte die in Kalkutta befindliche kleine Kolonie der Samaritaner (-rr-.u-') dies in einem noch bedeutend höheren Grude thun. Tenn, mag man nun die Bcuc-Israc! von den von Salomoh oder anderen jüdischen Königen nach dem indischen Goldlande Cpftr aus-geschickten Bcrgbauern, oder von den nach Afgharristan verschlagenen Neberresren der zehn Stämme oder gar von den Bewohnern des ehernaligen jüdisch-himnaritischcn Königreiches in Lüdarabien (Beuren) hcrstammcn laffcn, immerhin ist es leicht erklärlich, wenn nran ihre große Anzahl im Auge behält, wie so dieselben sich bis auf den heurigen Tag in dem großen indischen Bölkermcerc erhalten und dabei zugleich auch die von ihren Voreltern ererbte Lehre Mosis rein und unverfälscht bewahren tonnten. Ganz anders verhält cS sich aber mit der winzig-kleinen Ansiedelung der Sarnaritancr in Kalkutta. Tie Lamaritan'cr hatten rn:d haben bekanntlich noch heute ihren Hauprsiv im nördlichen Palästina und zwar in der Stadt Samaria welche die Türken hcutznragc Nablus (entstanden aus Ncapolis, wie die Griechen Samaria nannten) nennen und waren sic nie sehr zahlreich. Tas griechische und später das römische Hcidenlhum, nicht minder aber auch das Ehristenthnm und der Islam haben Tausende von Samaritanern ihrem leider mit heidnischen Anschauungen und Gebräuchen nur zu stark untermengten Indenthnme abtrünnig gemacht und sie einem ganz anderen Kultus in den Schoos; geführt. Im Laufe der Jahrhunderte, zumal seit den Krcuzzügcn und seitdem die Türken Herren von Surren geworden sind, nahm dann ihre Anzahl noch weiter ab, so das; heute in Nablus kaum noch 130 Samaritaner vorhanden sind. Aber auch noch diese geringe Zahl m im Abneluncn begriffen, da die englischen Milsionsgesellschaften auch ans die armen Samaritaner ihre scclengierigcu Blicke geworfen haben, und nun mit vollen Händen Gold unter ihnen nerrbeilcn, um sie nur dem Glauben ihrer Barer abtrünnig machen rmd sic der christlick-anglicanischcn ttirchc zusührcn zu rönnen. Ter Tag in daher gar nicht mehr ferne, an dem der leine Samaritaner, durch das englische Gold gewonnen und verleitet, die Bibel abschwörcn und sich zum Evangelium bekehren wird. Wie werden nun die englischen Missionäre jauchzen und^ jubeln, daß es ihm« gelungen iff. dieses interessante Bvlklein der Samaritaner. das doch schon im Intcrcne der Geschichte und Völkerkunde erhalten zu werden verdiente, vom Erdboden gänzlich verschwinden zu lauen und cs der großen christlichen Heerde einzuvcrlciben. Wie so es aber kam, daß sich von diesem in Saman'a lebenden Häuflein Samaritaner ein winziger Bruchtlteil lossagte und weit, weil hinab nach Indien, nach Kalkutta zog, das ist cm BölkcrpsychologischcS Räthsel, dazu lösen Niemand noch den Versuch gemacht hat. Tie erste Kunde von dem Vorhandensein dieses kleinen Häufleins der Samaritaner am Ufer des Ganges brachte der englische Forschungsreisende Wilson nach Europa, der zugleich auch der Träger der Grüße und einiger Geschenke dieser indische» Sarnaritancr an ihr geistliches Oberhaupt, de» vor einigen Jahren in Nablus verstorbenen Oderpriester Salome, war. Europa war damals überrascht von dieser Kunde, noch mehr aber die abendländische Gelehrten- und Forschungswelt. Seit damals sind nun circa sieben Jahrzehnte vergangen, und die Handvoll Sarnaritancr in Kalkutta hat noch weiter abgeuommcn. Ticsclbe eristircn aber noch heute dort, und zwar soll sic den neuesten Berichten zufolge. noch ans sechs bis sieben Familien bestehen. Selbstverständlich baden sich dieselben schon längst mit den Indiern animilirr, dies jedoch nur in Betreff'- ihrer Sprache und Kleidung, nicht aber so in Betreff ihres Glaubens oder ihrer religiösen Gebräuche. die noch heute ganz dieselben sind, wie vor zwei- oder dreitausend Jahren und auch dieselben, wie die der Samaritaner in Palästina selbst. Sie sprechen nebst dem Arabischen, das noch heute die eigentliche Muttersprache der Samaritaner ist, auch das Hindustani benüpen aber dasselbe, da cs „eine Sprache der Gövencmdcrcr ist" nie bei ihren gottesdicnülichcn oder religiöse» Handlungen. Ucberhaupl bedienen sie sich bei ihrem Gottesdienste nur ihres samamanifchcn Tiakccles. der bekanntlich ein Gemisch von hebräischen, affnrischcn. phönicischen und snrischcn Worten ist. Auch dem Persischen sind sie, obgleich dasselbe in Indien noch verbreiteter ist. als das Arabische, nicht besonders geneigt, weil diese Sr-rachr bekanntlich eine arische ist und daher mit dem Hebräischen in gar keiner Verbindung steht. Ihren Gottesdienst verrichten sie in Ermanglung einer Smragogc in einem Gemache, dessen Bordcrseirc gegen den Osten hin gerichtet ist. Ihre Kinder schicken sic in die öffentlichen mohamedanischen Stadtschulen, wo sie an alle» llnrcrrichtsgegcnständen mit Ausnahme der Religion thcllnchmen. Ta sie bedeutend gebildeter und wohlhabender als ihre übrigen Glaubcnsbrüdcr in Nablus sind, so sind sie daher dem Golde und den verlockenden Worten der englischen Missionäre nicht so zugänglich wie diese.

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