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Der Israelit · 1887-06-30 · Heft 50 (30.6.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 50 (30.6.1887)
Date
1887-06-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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902 bibliorhck für den ganzen 3!cligionSttnterricht und darüber hinaus für die jüdische Erziehung des Kindes überhaupt werden kann, so wird man auch daS kleinere Nebel als den Feind des Guten verwerfen muffe«. Es ist eine traurige Wahrheit, daß die Eltern den Sohn und die Tochter nach zwei bi» drei Jahren aus der Religionsschnle nehmen, auch wenn der liebe Sohn und die gute Tochter noch tlicht den Schimmer einer für das Leben genügenden Vorbildung in dem jüdischen Gesetze und der jüdischen Geschichte kennen. Tie Eltern haben ihre Schuldigkeit gethan, und die Kinder können gehen! Wie elegant wird der Primaner seine Ilias citircu können, wie präzise wissen, wie viel Menschen Polvphem verspeist, wie viel Reden Eiccro gehalten, wie viel Lräute Horaz besungen har, aber fragt mau ihn nach einem Hiltel, einem Akiba, einem Maimonide», daun wird er verächtlich die Achsel zucken, a!S ob diese Gestalten ihn nichts angiugcn, nicht mitzufprcchen hätten, wo ein Homer, Cicero und Horaz ihren Thron aufgcschlagcn! Wie fein säuberlich wird die „höhere Tochter" ihren Jungfrau-Monolog vortragen, ihre» Racine dcklamircn, in dem Leben ihres Miltou und Ealderon Bescheid wissen, aber soll ne sagen, wer die Dichterfürsten Ichuda Halevi und Salomo Gabirol seien, so dürsten ihr diese Tichtcnürstcn überaus spanisch Vorkommen! Man ahnt nicht die grause Verödung, die Gleichgiltigkeit und Todcskälte, welche auf diesem Gebiete die Heranwachsende Jugend ergriffen har. Und dieses Geschlecht soll einst Antwort geben aus die Lügcnanllagcn der Feinde, soll einst Rede stchcn, wenn die Verleumdungen der Jahrtausende ihm ins Antlitz geschleudert werden, soll einst, wenn das Unwetter naht, zu der Masse der Wahrheit greisen, von der es nimmer gehört und, wenn es geschehen, mir gehört, um sie zu verachten! Hier muß die schaffende, bessernde Hand anlcgen, und um die jüdische Jugend nicht nur zu umerhalten und über eine langweilige Mußestunde hinwcgzutäuschcn, sondern um sic für unsere Geschichte zu begeistern, für die glänzenden Gestalten unserer Vergangenheit zu entstammen und so in die zarte Kindcsscclc das einst im Leben herrlich erblühende Samenkorn zu senken, dazu sollen und müssen jüdische Jugendbibliothekcu gegründet werden. Bilder unserer Tamraim, unserer Dichter und Philosophen und besonders glänzender Epochen unserer Geschichte würden naturgemäß eine solche Bibliothek begrenzen. Allerdings kann der Schriftsteller das äußere Risiko dergleichen Arbeiten übernehmen, eine Ecntralc müßte die Begründung dieser Bibliothek leiten, um die jüdische Fugend in ihre Vergangenheit mircinzuführen, sie mit berechtigtem Stolze für die großen Männer ihrer Geschichte zu erfüllen und sie von Vornherein zu wappnen gegen alle jene Angriffe, von denen sic doch nicht verschont bleiben wird! Ter moralische Gewinn würde eia unermeßlicher sein! Autoren, die cs verstehen, mit Geschick und mit Begeisterung derartige Schriften zu verfassen^ werden zu gegebener Stunde unter den Rabbinern, Lehrern und auch in anderen Kreisen sich in genügender 'Anzahl finden. Unsere Bitte geht demnach dahin: die „Freie Vereinigung" möge an die jüdischen Schriftsteller des In- und Auslandes ein Preisausschreiben für^die Abfassung einer Anzahl in volksthümlichcr Sprache geschriebener jüdischer Jugend schriften über Themata aus der jüdischen Geschickte und Literatur richten, die von einer zu erwählenden Eomminion prämiirtcn und sonst genügenden Arbeiten drucken lassen und den jüdischen Gemeinden Deutschlands gegen einen bestiuuntcn Beitrag, als Ingendbibliotheken für ihre Rcligkonsschule» übergeben. Weit davon entfernt, mir schmeicheln zu wollen, daß der Vorschlag, den ich einer größeren Lcffentlichkeit zu unterbreiten mir die Ehre gebe, bereits spruchreif sei. glaube ich dennoch, daß die Frage dringend genug ist, um ciuer ernsten Tiscussion würdig z» erscheinen und eine Meinungsäußerung der leitenden Kreise zu veranlagen. Mit vorzüglicher Hochachtung Ihr ergebener Adolf Blumcnthal. Frankfurt a. M., 24. Juni. „Neues Leben blüht ans den Ruinen;" dies läßt sich auch von der seit einem Jahrhundert hier bestehenden, erst neuerdings wieder mehr zur Geltung gelangenden Löb Reiß'schcn Stiftung sagen. Im Jahre 1778 war, wie uns in „Frankfurter Rabbincn" von Rabbiner Tr. Horowitz erzählt wird, der edle Lob Elias Reiß dahingcschicdcn. Sein Testament wies eine für jene Zeit außerordentlich hohe Summe einer Stiftung zu. Außer dem von ihm bewohnten Haus: „Zum Schwan" „schenkte" er dem damaligen Lbcrrabbirrcr R. PrnÄas Horowitz noch 7000 fl. für die Zwecke der Stiftung. Tiefe bestanden darin, daß man jährlich zweimal an zehn arme Verwandte des Stifters Unterstützungen vertheilcn, für eine Verwandte des Stifters eine Aussteuer bewilligen. hauptsächlich aber in dem bezcichneten Hause ein Forschungshaus, eine Klause und eine Synagoge errichten und unterhalten solle. Die Leitung dieser Anstalten sollte einem Manne übertragen werden, der „zu den Berühmtheiten der Zeit gr-

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