Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 49 (27.6.1887)
- Date
- 1887-06-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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893 umsomehr erfolgen sollen, da in den intelligenten M reifen heute die Ueberzeugung herrscht, daß nach den vielfachen Aeußerungcn des Volkes und nach allen Anzeichen die -Bewegung in diesem Bezirke keine rein antiscutilischc mehr ist, sondern einen communistischcn Charakter angenommen hat; die »Herren" sind dort ebenso bedroht wie die Juden. Rumänien. Dr. C. Bukarest, 1«. Juni. Tie gefühlvollen oder fühlbarcu »Abschiede", wie ich Ihnen in einer meiner letzten Korrespondenzen einen Fall berichtete, scheinen in Rumänien epidemisch zu sein, oder cs liegt System in der Sache. Ter nachstehende Fall hat sich vor einigen Tagen ebenfalls in Jassy zugctragcn: Ter israelitische Soldat Janen (Jakob) Faierstein dom 7. LralLroschi-Rcaiment, nach einem tadellosen vierjährigen Dienst, seit einigen Tagen als Reservist verabschiedet, wurde vor der Front, wohl als Belohnung seiner mufterhastcn Ausführung, von dem nach der Tobrudscha versetzten und also ebenfalls sich verabschiedenden Obe r sten Grcceanw (Grieche) in Gegenwart des Majors BaldowUsch (Serbe) und de» Hauptmann es Maecdonski (Pole) mörderisch geschlagen. Ter Ihnen schon bekannte »Rcsboiul", der, wie auch bei anderer Gelegenheit betont, durchaus nicht judenfrcnndlich ist, aber auch nicht antisemitisch ä u»ut i*rix, bemerkt zu dieser neuen Grausamkeit: »Faierstein, welcher seit einigen Tagen liberirt wurde, hätte niemals die wilden Jnstiktc eines »solchen" Obersten erregt, wenn er nicht das Unglück hätte, Israelit zu sein. „Tiefer" Oberst, als er begann den unglücklichen Brigadier (Corpora!) Faierstein mit geballten Fäusten im Gesichte zu rraktiren, ihn auf der Grdc herumzuwälzcn und sich mit ihm eine Ranbthicrbegicrde zu befriedigen, rief ohne Unterlast, »daß er sein Regiment von dem »jüdischen Aussatz" reinigen, daß er durch Rohheit erreichen will, in seinem Regiment soll kein einziger Jude mehr figuriren." Gin andere Schuld hat der Bebauernswcrthe auch nicht gehabt. »GS ist gut", schließt Rcsboinl, »daß solche barbarische Thaten dem Unheil der öst'entlichen Meinung übergeben werden, und daß die ganze Welt sehe, daß, wenn ein Oberst Wildheiten solchen Kalibers begeht, was müssen noch die Anderen thun, welche in tieferen Graden stehen und die armen Soldaten, i n s besonderc jene unglücklichenIsraeliten martern, die eine „Pflicht" sch gegen unser l'anb erfüllen wollen, indem sie sich zum ruutänischen Hecrdicnst gcstellen.!" So weit der nicht judeusreundliche, aber ehrliche »Rcsboinl". Ich habe jedoch vorhin gesagt, daß in diesen Grausamkeiten, wenigstens soweit sie Israeliten betreffen, System liegen kann. TieS scheint mir darin zu bestehen, daß man durch solche Denkzettel während und nach dcmTienst die israelitischen Soldaten ab sch recken will, die Raturalisiruug als Rumänen nachzusuchen und sie zum Nachdenken darüber zu zwingen, ob es nicht besser wäre nach den für'S Leben verlorenen Ticnstjahreu das Land zu verlaffcn, um die müden Knochen vor den Glückseligkeiten des rninäuischcn »Vaterlandes" zu salviren. Tenn, daß solche Rohheiten, einschließlich der gemeldeten Malträtinmg der 86 Israeliten am zweiten Ostcrtage und anderer Fälle, gerade den Zweck haben sollen, den österreichisch-israelitischen Unter« thancn die Annehmlichkeiten als rumänischer »Fremder" vor Augen zu führen und sie dadurch zur schnelleren Annahme dieser Eigenschaften zu veranlassen, ist nicht gut denkbar. Zur letzteren Angelegenheit lese ich in einem Berliner politischen Blatte eine Bukarcstcr Korrespondenz. in welcher,— wie ich, gleich nachdem die neuesten »Jndenkonvemion" mir bekannt geworden, es gethan, — betont wird, daß „um das Zustandekommen des' Handelsvertrages zu ermöglichen, östcrrcichischcrscits das Schutzrccht über eine große Anzahl von in Rumänien lebenden Fremden Uics; Juden), welche bisher in Fällen der Willkür oder der Unterdrückung bei der österreich-ungar. Vertretung Hilfe finden konnten, zum Opfer gebracht worden (&. h. nicht das Schnyrecht, sondern die Fremden!") Ter Korrespondent wünscht nur, das; „die preis gegebenen „Fremden" . einen gastfreundlichen, eines civilisirten Landes würdigelt Aufenthalt stt Rumänien finden möchten." Letzteres ist leider in die Wüste gepredigt. — In der Korrespondenz stehen noch andere Sachen, die zwar allgemeiner Natur sind, uns aber in gewisser Beziehung intcrcssircn können. So wird in derselben angerathen, „die von Bukarest seit „einiger" Zeit nach dem Auslände versandten Milthcilungcn insbesondere die Nachrichten der „Agence HavaS" (offiziöses Telcgraphenburcau), deren bukarester Filiale von einem früheren Hauslehrer des Ministerpräsidenten Bralianu geleitet wird, mit der größten Vorsicht anfzunchmen sind, umsomehr als die Liste der vom (rumänischen) Ministerium des Acuneren besoldeten Blauer manches der hervorragendsten (ich könnte einige beim Namen nennen) deutsche und österreichische Journale (natürlich auch solche anderer Länder) ansühri." Tie geschätzte Redaktion dieser Blätter und die Leser derselben werden begreifen, warum ich diese nicht