Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1887-06-27 · Heft 49 (27.6.1887) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 49 (27.6.1887)
Date
1887-06-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/2446951-2449697-2449746--26698-2516540
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Sfl4 speziell israelitische 3lom hier wiedergcbe, wenn ich sie an meine Artikel „Offiziöse und offizielle Wahrheit in Rumänien- (Nr. 84, 80, 87 d. Bl. von ISsf») erinnere, in welchen ich die berüchtigte, abgekartete Indeninterpellation Ghcrghcly und die Antwort des Brariann, wie ich schon bei anderen Gelegenheiten gctha». unter Widerlegung im Einzelnen. die „Wahrheitals das charakterinrte, was fie wirklich ist, nämlich als „offiziöser und offizieller Lug und Betrug in Rumänien. Was die rumänischen Israeliten aber an dieser Sache am meisten ir.lcrcsfirt, ist, das; die wirkliche Wahrheit über die rumänischen Zustände endlich augefangc» hat, auch in die politischen Zeitungen des Auslandes, wenngleich noch verschleiert, hinüberzufickern. Gewohnt im l'cbcn zu lesen und dem Leben öfter beit Puls zrr fühlen, konsratirc ich mit freudiger Genngthuung, das; seitdem ich 1878 idamals Ltudircnder in Berlin), cs anscheinend aussichtslos unternommen habe, der Welt über Rumänien die Augen zu össncn, ich gerade seil einiger Zeit schon wiederholt in deutschen Zeitungen derlei wahre Angaben über Rumänien gelesen. Ich begrüne diese als Anzeichen, das; das 1878 nach dein Abschluss des Berliner Vertrages im Auslände erstorbene Interesse für die rumänischen gcsamnltcn und speziellen Zustände, welches ich bald nenn Jahre beobachten konnte, lvicdcrerwacht iss. und erkenne darin Borboten des Besscrwcrdcns auch für die rumänischen Israeliten. Wenn schon die politischcn ZeitungenGmopa's angesangen haben, sich um Rumänien näher zu bekümmern, so werden sic auch dahinter kommen, wer und was die fabelhaften rumänischen „Fremden" find und wie fie gerade seil dem Berliner Vertrage behandelt werden. Sic werden auch, ein bischen spät, erkennen, wie sic und die europäischen Mächte, speziell bezüglich der sogenannten „Fremden" hinter's Licht geführt wurden und das; cs der eigene Schaden des Auslandes iss, wenn cs die „Fremden" der rumänischen Willkür und Rumänien den Berliner Vertrag missachten lässt. Tics Alles wird die Rcurcdur zur Folge haben müssen; zwar spät, aber: uiieux ,pujamais1 Zur lcvg'.meldeten (Entdeckung vsrr Sternen mit hebräischen Inschriften, habe ich nachzutiagen, dass die bcucssendc Kirche St. Nikolaus sich irr dem Tone Walca - Orbcirnsns bei Plojcschri befindet und dass der Rabbiner lepgenaunter Ltadt, sowie einige Israeliten schon wiederholt versucht haben, die Steine beim Geistlichen und denttirchenepboren abzukausen. Sic wurden jedoch nicht handclcins. Bon freiwilliger und kostenloser Rückcrstamung des Raubes weiss man also in Rnmänien nichts. Für die Primär-Normalschule in Bukarest find :ro Sn'vendiatcnstellen zur Bewerbung ausgeschrieben. Der Minister für Kultus und Unterricht gibt unter anderen Bedingungen auch die bekannt, dass Bewerber haben müssen: „rumänische" Nationalität und christlich-orientalisch-orthodoxe Religion. Der Herr Minister erwähnt aber mit keinem Worte des Berliner Vertrages Art. 44 und daß im Art 7 der rumänischen Verfassung der Unterschied der Religionen aufgehoben — — sein soll. Bukarest, den 16. Juni. Heber das bereits erwähnte schreckliche Brandunglück, welches die etwas über 39,000 (nnwohucr zählende rumänische Stadt Botoschani, die Hauptstadt des gleichnamigen Tissrikres und zugleich Mittelpunkt des moldauischen Gctrcidchandcls, hcimgefucht hat, werden dein „Besser Lloyd" folgende Einzelheiten mitgelhcilt: Gestern Nachmittags 2 Uhr brach das Feuer aus uvbekannlcn Ursachen aus und griss, vom herrschenden Sturme begünstigt, so rasch und mit so unwiderstehlicher Gewalt um fich, dass ürnerhalb weniger Slnrrden an :mO Häuser ein Raub der Flammen wurden. Ter Funkcnregen war in Folge des starken Windes ein so heftiger, daß kurze Zeit nach Ausbruch des Brandes an nicht weniger als an neun verschiedenen Stellen ucue FcucrhcerLe entstanden, von welchen aus das Feuer mit solcher Lchuelligkcil Verbreitung fand, dass alle Löschversuchc vergeblich waren. Auch als ans Roman, Pasckkani und anderen Orlen Löschtrains anlangten, waren diese durch die vom Winde durch die Lust getragenen glühenden Bcdachungblcche längere Zeit an einer energischen Aktion qedinderr und ist es denselben nach angestrengtester Arbeit erst in den Morgenstunden des heurigen Tages gelungen, des gcsrässigen Elementes Herr zu werde«. Tcr unmittelbare Brandschaden wird auf 6 bis 7 Millionen geschätzt, ungerechnet den Nachtheil, welcher aus der durch den Brand verursachten Lahmlegung des Handels enrsvringcn muß. Auf dem Marktplätze, wo das Feuer zum Ausbruche kam, find alle Geschäfte und Gcschäsrslokale den Flammen zum Opfer gefallen..ebenso die grosse rumänische Hauprkircke (die Osper:a->tarbedrü!e> und die Rcumarkl-SyNLgoge. Tcm Berichte eines Augenzeugen zufolge hat die vom Marktplätze aus gleichzeitig nach verschiedenen Richtungen erfolgende Ausdrcinmg des Feuers eine allgemeine Panik hcrvorgerusen. Man glaubte cs nämlich mir einer Brandlegung zu tüun zu haben, ein Verdacht, der sich jedoch - als völlig unbegründet erwies. Wesentlich wurde das Umfich-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.