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Der Israelit · 1887-06-27 · Heft 49 (27.6.1887) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 49 (27.6.1887)
Date
1887-06-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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892 heute Vormittags zur Audienz beim Kaiser in der Hofburg angemeldet war, befand sich gleichfalls unter den Flüchtlingen. Sie hat, nachdem ihr Häuschen dis auf den Grund Niedergebrannt ist, fast nichts als das Leben gerettet. Tie Roth und das Elend der armen Leute — cs sind dies meist Gesiügelhäudler. und Hausirer — sollen schrecklich sein. An 70 Häuser wurden ciugcäfchert. Ob auch Menschenleben dem Brande zum Opfer fielen, konnte bei der Verwirrung, welche herrschte, noch nicht conslatirt werden. Die Lnsseuerwehr sowie die später cintrcffenden Feuerwehren aus der Umgebung konnten daS Feuer erst am Morgen bewältigen. — Ein Preßburgcr Telegramm meldet uns: Gcrüchtwcise verlautet hier, daß in Tuna-Szcrdahely neuerdiugs ein Brand entstanden ist. Von hier wurden weitere zwei Eompagnicn Militär rcgnirkrt. die Nachts dahin abgehen. In Tuna-Szerdaheln sollen Drohbriefe ausgesundcn worden sein. (Siehe Aufruf im Annonccntheile.) Budapest, 20. Juni. Von Prcßburg find starke militärische Abtheilungen nach Duna Szerdahely dirigirt. Es ist uunurchr notorisch, daß die Stadt von den Antisemiten an mehreren Stellen in Brand gesteckt wurde. Ter vor zwei Tagen gewählte Antisemit Sander kniete aus der Straße nieder und schwur unter einer Fahne, die Juden zu vernichten. Das Volk hat mitgcschworcn. Das ganze Judcnviertcl ist abgebrannt. Zahlreiche Familien sind brod- und untcrstandslos. Während der Nacht versuchte der Pöbel, die jüdischen Gewölbe.zu plündern. Bewaffnete Strolche forderten Geld. Man hofft, das Militär werde die Ruhe Herstellen. — Aus dem E omitat Hajda langen Berichte ein, daß Unruhen besürchter werden. Auch dahin ist Militär abgcgangcn. In einem dieser Bezirke bat Geza Onodn, der Anstifter der Eßlarcr Assaire, kandidirt. — Bisher sind Wahlen bekannt, hiervon entfallen 232 aus die liberale Partei, 09 auf die gemäßigte, 05 aus die unabhängige Opposition, 8 Nationale, 9 Antisemiten, 8 Parteilose. Pesth, 21. Juni. In Uezbegh im Neutraer Eourirate, wo seit dem Blutbade fortwährend Militär ekttguartirt ist. find die Gcmüthcr noch immer so aufgeregt, daß man den Ortsvornand und die jüdischen Jnsaffen nicht ohne Schutz lauen kann. Am 19. d. wurde die Bevölkerung behördlich aufgksordcrt, durch einige der bcncr nturnen Bürger für die Ordnung und Ruhe Garantie zu bieten; es wollte sich aber'Niemand verpflichten, und so mußte der kleine Belagerungszustand auch ferner über die Gemeinde verhängt bleiben. Pesth, 22. Juni. Von der isracl. Eultusgcmeinde in Duna-Szerdahely ist folgende Depesche eingclaufcn: „Gegenüber den von antisemitischer Seite entstellten Zeitungsberichten, welche das große Unglück, das unsere Stadt betrogen hat, zu verkleinern suchen, wird von Seite der Stadtbehörde der amtliche Lchadenerhcbungs-Bericht, der soeben fertig gestellt wurde, morgen in dem halbamtlichen Poszonyvincki Lapok veröffentlicht. Das Resultat in folgendes: 79 Familien und deren Mitglieder, st.0 an der Zahl, sind obdachlos geworden. Ter geschabte Schaden an beweglichem und unbeweglichem Vermögen beläuft sich aus 152,000 fl., wovon nur 28,000 fl. affecurirt waren. Das Militär hat in der Stadt die Ruhe hcrgestcllt. In der Umgebung aber sind die jüdischen" Bewohner noch ilnmer bedroht. Neuere Berichte aus Tuna-Szerdahely stellen es außer allen. Zweifel, daß daselbst die antisemitische» Agitationen einen entschieden communistischen und anarchistischen Eharakler angenommen haben,' ferner, daß Amtspersonen den antisemitischen Eandidaten miterstübten. Derselbe, der Pcsther Advocat Earl Ludwig Szabo. hielt überall Anreden, versprach eine gerechtere Verthcilnng von Grund und Boden, Tilgung der bäuerlichen Schulden. Verminderung der Steuerlasten, Herabsetzung der Salzpreise, Reducirnug des Bcamtcnhceres und dergleichen. Tharsache ist, daß er in Podafa und Udvarnok im Vereine mit seinen Anhängern niederknicte und öffentlich betete, cs möge der Kcilige Geist vom Himmel herniedersteigen und die Wühler erleuchten, daß ne für ihn stimmen, denn er werde das Volk von feinen Leiden erlösen. Die Masse, namentlich der besitzlose Pöbel, wurde dadurch allmählich so sanatisirt, daß. wenn dortige Grundbesitzer oder sonstige zur Intelligenz gehörige Personen christlicher Religion mit den Leuten sprachen, uw sie von Szabo abwendig zu machen und für Saghy zu gewinnen, sie nicht selten die Antwort erhielten: „Man mime Juden aushenkcn, aber auch die „Herren", denn Beide seien Schurken". Nach vollzogener Wahl bemerkten einige Oniciere aus einem Hause eine Flamme ausstcigen und sahen den Gesellen eines Antisemiten Eorresz davonlaufen. AlSbalt> waren *0 Gebäude eingeäfchcrt. Ter Lber- Swhlricktcr .Earl Szabo und der Stublrichter Benedict Olle favorisirien die Eandidatur Szado's. Daß Ober-Ltuh!richter Szabo dem antisemitischen Eandidarcn seine Patronanz lieh, wußte man auch am Sise des Eomitars, und doch war von Seite der Oberbchörden nichts geschehen, um diesem pflichtwidrigen Gebühren Einhalt zu lhun. Tics hätte

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