Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 49 (27.6.1887)
- Date
- 1887-06-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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XXVJIL Jahrgang. . CirniU«! ILIUUKJV"-| Anlage zu Nr. 49 ües Israelit. Leiteudcr Artikel. «Literarischer Bericht. ra* rrb -Lv. Auslegungen und Erläuterungen zu sämmtlichcn Pcricopien des Pentateuch, mit gelegentlich angeknüvstc» Predigten und Trauerreden, nach Midrasch und Talmud gesammelt von 2l ak ötunstadt, Oberradbiner zu Radauy (Bucowina). Dieses von befreundeter Hand uns gewordene Werk, gibt ein treffendes Bild, ein beredtes Zcugniß für die vielseitige Gelehrsamkeit und für die religiöse Anschauungsarl des Bersaffcrs. Tie in der Einleitung zu Ausdruck gebrachte Beleuchtung der Tcudenz erscheint uns. bei einer so klaren Swlart und logischen Beweisführung, wie sic in diesem Werke an den Tag gelegt find, fast überüüssiZ Der Bcrfasscr koustarirt mir Bedauern, daß sich das neuere Iudcnlhum größtenrheils — indem es die c’wn r.^n in Anwendung bringt — der Halacha, der praktisch-strengen Rcligions- und Littcnlcdrc entfremdet und sein Interesse der Agada, also der theoretischen, bilderreichen, mehr für das Gcmüth wirkenden Unterhaltung und Lehre zürnender. Um dem Zcitgcistc nun ciuigcrmastcn Rechnung zn tragen breitet er in seinem Rcdccyklus das Gewebe seiner Lehren auf dem Gebiete der Agada ans, indem er der Halacha — von welcher er sich selbst in den der Erbauung gewidmeten Abschnitten nicht ganz trennen mag — nur in anstrciscnder Art begegnet. Zo sucht der Verfasser eine gewinc Versöhnung zwischen der agadischen und halachischcn Richtung herbcizusührcn zu deren Bunde nch bald eine dritte Richtung u. z. die chassidistische gesellen soll. Schon durch die blostc Wahl des Titels wird dieses Snstcm charaklcrisirt. Das Wort rrb soll nämlich eine Anspielung auf die rrisr. rrc? ’jr enthalten, welche nach talmndrschem Sinne durch ihre zwillingarlige Verbindung die Halacha undjAgada symdolisircn, welche letztere zu einer Zeder 7-s verglichen, wird von der dem Talmud vier Arten bekannt sind, ebenso wie man in der Agada vier Anslegungsarten tc .rvr unterscheidet. Das von echt talmudischcr Gclchrsa'nkeit durchdruugcnc reichhaltige Werk ist als Erbauungsbuch sehr emvfehlenswerth. Scharfsinnig und geistreich sind die biblischen Auslegungen, kernig und lief die Fest- und Gelcgcnheitsreden, feierlich vnd erschöpfend die Trauerreden, von denen, last not least diejenige über Moses Monrenore durch ihre Innigkeit und Gemürhssülle sich besonders auszeichnet. Wir bcwillkomrnen die Lederne Tafel" indem wir hoffen, daß dieselbe, durch den modernen Anstrich, den ihr der geschickte Verfasser zu verleihen wußte, sich bald in erfreulicher Werse popnlarisiren wird, und wünschen dem Werke weite Verbreitung und diejenige Anerkennung, die cs verdient. B. M—r. Ze!»ungsuachrichtcrr und Correspondeuzea. Ocstcrr. -Ungar. Monarchie. Prcßburg, 29. Juni. Das ungefähr vier Meilen von hier cnlferntc ungarische Städtchen T-una - Szcrdahely mit einer Einwohnerzahl von circa -MIO Seelen, unter denselben ungefähr 2 Trittrheile Juden, wurde bekanntlich in der Rächt vom Samstag aus Sonntag von einem schrecklichen Brande heimgesncht. Der Umstand, düst der Brand auf vier Seiten zugleich in Iudcnhäuscrn, unter denselben auch bei dem Holzhändlcr Goldberger au der >tomorucr Srrasteueckc, woselbst zahlreiche Holzvorrärhc sich besandcu, zunr Ausbruche kam, läßt cs zweifellos erscheinen, dast das Feuer in Folge auliscmitischcr Wühlereien von böswilligen Händen gelegt wurde. Ein nach Wien gelangtes Privatschreiben meldet hierüber: Der Brand, welcher zwischen 12 und 1 Uhr Nachts zum Ausbruche kam, griff bei der schlechten Eoustruction der kleinen ebenerdigen Häuschen mit einer solchen Raschheit um sich, dast die Bewohner derselben — durchwegs jüdische Familien — nur mit Roth das nackte. Leben retten konnten. Scenen der schrecklichsten Verzweiflung fanden in dieser Nacht statt. Zu den Schrecken des Brandes gesellte sich noch die Furcht vor deur hcrumstreichenden Gesindel, welches sich ans der Umgebung und aus dem Lrte selbst cingcsundcn hatte. Mehr als hundert jüdische Familien sind obdachlos geworden. Mehrere Familien haben sich gestern ai:s Furcht vor den Ausschreitungen der zusammcngerottetcn Horden nach Prcßburg geflüchtet. Eine Frau, Namens Fischer, welche