Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 49 (27.6.1887)
- Date
- 1887-06-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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verhaften und zu entthronen. Abdul Melik sollte sogleich zum (rmiir anSgeruscn, Abdul Ahad dagegen bis auf Weiteres in einem Thurm des Palastes ciugesperrt werden. Cie suchten daher beide Hofbeamte in daS Eomplot zu verwickeln, von denen nun Elfterer sich ihnen sogleich anschlost, während Letzterer sie, in der Hoffnung dafür eine glänzende Belohnung zu erhalten, an den (ymtr vcrrieth. Dieser liest nun sogleich die Brrräther verhaften und vor seinen Richrerstuhl bringen und nur zweien derselben gelang eS — dieselben wurden irn Ctillcn von einem Palastbeamten vor der ihnen drohenden Gefahr gewarnt — sich in ein Karawanen -Cerai, wo cs immer viele fremde gibt, zu stüchrcn und sich dort zu verstecken. Der Emir liest dann die Bcrräther vor seinem Palaste enthaupten. Ihre kröpfe wurden dann, wie schon erwähnt, ans Stangen durch die Ctadt getragen und dann mit diesen Ctangen zugleich aus der Mauer des Castells aufgepflanzt. Unterdcncn Hane man stch auch daran gemacht, die zwei entilohencn Blinister eiuzufangen. Der Emir ließ nun ihre Paläste sogleich mit Beschlag belegen und alle männlichen Bewohner derselben verhaften. Dieselben wußten nur soviel anzugcben, daß beide Flüchtlinge die Absicht geäußert hauen, sich nach Balkh zu retten, und so wurden mehrere Rcitercolounen ansgcscndet. um die Flüchtlinge zu verfolgen und dann mit Gewalt nach der Residenzstadt zurnckzubringen. Daß dieselben sich noch in Bokhara selbst aufhalten könnten, daran halte Niemand gedacht. Die beiden Flüchtlinge lagen unterdessen in einein Winkel desKarawancn- Ccrai, cingchüllr in ihren Mänteln, so daß man sie leicht für ermüdete und schläfrige Reisende hätte halten können. Gegen Abend kam nun der oben erwähnte Jude in das Cerai, um dort irgend ein Geschäft zu besorgen. Er kam auch an den beiden verkappten aus dem Boden hingestreckten Reisenden vorüber, die ihn sogleich erkannten. und gaben sic ihm schnell ein Zeichen mit den Fingern, zu schweigen und sich zu ihnen hinznsctzcn. Derselbe war mm vor Cchrccken kaum seiner Cinne mächtig,.als er die beiden Ctaarsniänncr, nach denen man eben in der Ctadt eitrig fahndete, hier so auf dem Boden zusammcngckaucn liegen sah. Er setzte sich nunihnen aus den Boden hin, stellte sich, als würde er ihnen etwas Geld einwcchsrln, während sic ihm ihr Anliegen leise zuftüsierren. Bor Allem forderten sie nun eine Cchccre und dann einige alte Kleider und etwas LebenSvorralh. Der Fabrikant lief nun in einen benachbarten Laden und kaufte dort eine Cchccre. Hierauf sagte er ihnen, daß er sie nach Verlauf einer Cumde in einem nahe bei der Ctadt gelegenen Gebüsch erwarten werde. Beide mögen pünktlich dort eintreffen. Tie zwei Flüchtlinge benützten dann die hercingebrochene Nacht, um sich Bart und Kopfhaar schnell abzuscheeren, worauf sie sich einer nach dem andern aus den» Karawanen-Cerai stahlen und sich zu dem verabredeten Stelldichein begaben. Sie fanden nun den Juden dort nicht vor. dafür aber neben dem Gebüsche einen Sack mit alten zerfetzten Kleidern nnd dann etwas Brod und Käse. Sie gingen nun sogleich daran, sich die alten Kleider anzulegen, während sie die ihrigen mit der Cchccre zerschnitten. Während sie so mit ihrem Toilcttewechsel beschäftigt waren, kam ein Stein herangeflogcn und gleich darauf ging unweit vom Gebüsche ein bis über die Ohren verhüllter Mann vorüber. Cie erkannten sogleich in dem Vermummten iyre« jüdischen Freund, der sich zweifelsohne irgendwo in der Nähe versteckt gehalten hatte, bis die zwei Flüchtlinge kamen und sich den Cack abholten. Kein menschliches Auge hatte also gesehen, wie er diese Männer mit Kleidern und Ledensmittcln versorgte und brauchte er daher keinen Berrath zu fürchten. Beide Flüchtlinge trennten sich dann voneinander, um auf verschiedenen Wegen an den Amu-Tarja zu gelangen. Cie wandcrten nur in der Nacht, während sie sich am Tage irgendwo versteckt hielten. Da sie nun auch in abgerincncn Kleidern gingen und immer vor dem Betreten eines Torfes ihre Cchuhe ablcgten, so hielt man sie allgemein für Bettler nnd bedachte sie reichlich mit Brod, Salz und sonstigen Lebensmitteln. Endlich hatten sie glücklich den Äum-Darja erreicht und zwar gegenüber dem afghanischen Städtchen Ehnlin, worauf sie sich hier überschiffen ließen und dann den Weg nach Balkh einschlugen. Einmal auf afghanischem Boden, da konnten sic dreist ihr Incogniro abstrcifcn und offen als ehemalige bokharesische Minister austrcten. Dem citirten Blatre wird zugleich auch aus Bokhara gemeldet, daß der russische Gesandte daselbst jetzt eine ungemein starke Rührigkeit entfalte, um die dortige jüdische Geschäftswelt zu bewegen, die bevorstehende Bollcndung der TranskaSpibahn bis zu dieser Ctadt dazu zu benützen, um mit der russischen Geschäftswelt in Verbindung zu treten, hauptsächlich aber, um die Ausfuhr der bokharcsischcn Seide, die fas: gänzlich aus jüdischen Fabriken stammt, nach Europa lebhafter zu gestalten. Bokhara erzeugt nämlich jetzt jährlich eo.ooo Pud Rohseide, was, wenn man das Pud mit 325 Francs berechnet, das rrft-cetable Sümmchen von 2v,v0l>,iM» Francs repräfenlirt.