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Der Israelit · 1887-06-27 · Heft 49 (27.6.1887) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 49 (27.6.1887)
Date
1887-06-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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886 semitische Bewegung fei eine communisrische, gegen das Eigenlhum der Juden gerichtet: der einmal erwachte Appetit nach jüdischem Besitz werde sich aber nicht aus diesen beschränken, sondern auch das Eigenlhum des katholischen Bischofs und des katholischen Grafen angreifcn. fürwahr, wenn eine Mahnung beherzigt >ti werden verdient, so ist eS diese. Ein Kirchen jürst, der, um seinem Aerger über die Maßregeln Ausdruck zu geben, welche die Negierung gegen Devostirrrug kirchlicher Beucficien für rwthwcndig erachtet, der, um sei» Müthchcn an dem Ealviner zu kühlen, welcher seit zwölf Jahren das Ltaatsschiss Ungarns lenkt, sich mit dem Antisemitismus. dieser häßlichen Verirrung einiger Fanatiker. verbündet, der spielt wie ein A'iiiib mir einer Tynamiibombc, und die Flammen von Tuna-Lzcrdahcly sollten in der erzbischöflichen Residenz zu Gran gesehen werden und al-5 ernste Mahnung zur Umkehr dienen. (91. Fr.-Pr.) Pcsth Trotzdem sich in Ungarn die Wahlen in den meinen Wahlbezirken weit ruhiger abspielrcn, als in früheren Jahren, iü cs an einzelnen Orten zu höchst bc'klagtnslvcrthen Ruhestörnngen gekommen. In Martersdorf mußten die Sicherheilsorgane von der Schußwaffe Gebrauch machen, in Bcrbo und Dnnaszerdahcln wurde der Pöbel von antisemitischen Agitatoren zur Brandstistung verleitet und in dem letzten Orte haben die Flammen arge Verwüstungen angerickrct. Das ist praktischer Antisemitismus: Taff dieses Resultat der antisemitischen Agitation von Einsichtigen vorausgesehcn wurde, beweist das offene Schreiben, welches der Unter» richlsminiffer Anglist von TrcforL nach seiner Wahl in der innern Stadt Pcsth an seine Wähler gerichtet bat. In diesem Schreiben spricht sich Herr v. Tresor! über den Antisemitismus folgendermaßen aus: Tcr Antisemitismus ist eine solche kntcllecte Krankheit, welche in jedem Jahrhundert zumindest zweimal auslrilt; sie kommt und vergeht. Desto trauriger ist. daß sic ein The:! der Seelsorger der katholischen Kirche nähr:, während doch diese Bewegung arni-christlich, also cnd> anti-katholisch ist. Tcr wahre Christ verfolgt keinerlei Racc oder Konfession, aur wenigsten aber dürste er das Judenthurn verfolgen, nachdem ans diesem mit Hinzntritt der griechische» Philosophie das Ehristenrhnm entstanden ist. Der Stifter der chr. Religion, und die Apostel waren Juden. Diese Bewegung ist amisocial, das heißt communistnch und ist gegen das jüdische Eigemhum gcrichicr. Wenn aber irr gewissen Elementen der Appetit aus jüdisches Eigenthum erweckt ist, tvird eS denselben auch nach dem Eigenthum des katholischen Bischofs und des katholischen Grafen gelüsten. Diese Bewegung ist zwecklos, inopportun, sinnlos, denn sie würde, falls die Juden wirklich einen schlechten Einfluß auf die Gesellschaft hatten, diesen nicht paralysiren. Wenn die Juden Beschäftigungen änstreben, welche eine universelle Bildung erheischen, so haben sie das von uns gelernt. Gehen wir ihnen mit gutem Beispiele voran, so werden auch sie ihre Kinder zu Handwerkern, Industriellen und Ackerbautreibenden erziehen. Für die Marmaroser und oberungarischen polnischen Juden, welche keine großen Freunde der Eivilisarion sind, müssen wir Schulen eröffnen. Tics ist ein bciieres Mittel, sie zu ändern, als der Antisemitismus. England. London, 21. Juni. Der „goldene Hochzeitstag der englischen Ration" wurde Seitens unserer (Glaubensgenossen in hochbegeifterter, dem Feste würdiger Weise in sämmtlichcn Synagogen der Stadt gefeiert. Am Sonntag wurde der Festgonesdienst in der portugiesische»: Gemeinde unter der Leitung des Ehacham Dr. Gaster abgchaltcn und heute, am Jubiläumstage der Königin, versammelte sich die ganze jüdische Gemeinde in der großen Synagoge, (l)ukas i»lave) woselbst der vertretende Ehics Rabbi Dr. Hermann Adler die Festrede hielt und die Gesäuge spcciell für diese Feier von Rev. Hast componirt wurden. Das hebräische Gebet war vorn sshies Rabbi verfaßt. Türkei. Konsrantinopck, 2k. Mai. Gestern fand in Jildiz-Kiosk der Empfang Sr. Exccllen; des Ministers der Bereinigten Staaten von Nordamerika, Herrn Strauß, der bekanntlich Jude ist, starr. Tie Auffahrt erfolgte mir dem üblichen orientalischen Gepränge, und der Sultan Abdul-Hamid empfing den neuen Gesandten mit besonderer Huld, was in den hiesigen politischen Kreisen viel bemerkt wird. Der Sultan gab wiederholt seiner Genugthuung darüber Ausdruck, eine so bewährte, so allgemein anerkannte diplomatische Kraft nunmehr in seiner nächsten Umgebung zu wiycn. Mehr noch, er hatte seiner Zeit die auf diplomatischem Wege vereinbarte Ernennung nicht sobald erfahren, als er die Ecnrralrcgicrnng in Washington auch schon telegraphisch dazu beglückwünschen ließ. Dem neuen Gesandten geht übrigens der Ruf einer fast unvergleichlichen politischen Intelligenz voran. In Nordamerika., wo er diesbezüglich als Eapacirät gilt, har er dieselbe vorwiegend ans nalionalökonvmischem Gebiete be-

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