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Der Israelit · 1887-06-27 · Heft 49 (27.6.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 49 (27.6.1887)
Date
1887-06-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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885 ZeikrrrgSrrachrichteu and Correfpoudeaze». D e u t f ch l a u d. Frankfurt a. M., 20. Juni. Am gestrigen Sonntag hielt der Verein zur Erziehung jüdischer Waisenkinder in Jerusalem vier seine Generalversammlung ab. Ter in derselben durch den Verein-Präsidenten, Herrn Rabbiner Tr. Horowitz, erstattete Bericht coustatirt ein erfreuliches Wachsrhum der Thätigkcit des Vereins. Besonders durch die Reise des WaisenhausdircktorS Tr. Hcndcrg wurden neue Mittel in bedeutendem Maße gewonnen, und die Zahl der Waisenkinder konnte von dreizehn aus vierundzwanzig erhöbt werden. Auch die seit drei Zähren mit dem Waisenhaus verbundene Schule hat einen großen Aufschwung genommen. Zn jüngster Zeit ist für dieselbe in Herrn Ephrajim Eohn, einem geborenen Zerusalcnrktancr, der das Lehrerseminar zu Hannover absolvirte und in England als Lehrer thätig war. eine außerordentlich tüchtige Mraft gewonnen worden. Ter Unterricht in dieser Schule wird erthcilt auf Eirund eines Lehrplans, der nach dem Muster der für die europäischen Schulen geltenden, aber selbstverständlich in besonderer Berücksichtigung der Berhältuine des heiligen Landes ausgcarbeitct ist und der auch im Hebräischen von den ersten Elementen bis zum Talmudstudium führt. Tie Anstalt erfreut sich sehr großen Vertrauens, wie die zahlreichen Anmeldungen zum neuen Quartal beweisen, denen leider wegen Raummangel nicht durchweg entsprochen werden konnte. Unabhängig von dem in der Generalversammlung gegebenen Bericht sei hier erwähnt, daß, wie uns aus Jerusalem gemeldet worden, die hohen Gäste, die kürzlich das heilige Land besuchrcu, Herr Baron Edmund und Frau Baroncge Adelheid von Rothschild, auch die Waiscuanstalt mit ihrem Besuche beehrt und sich höchst rühmlich über die Einrichtungen in derselben ausgesprochen haben. Wir wünschen dcul Vereine, der im Besonderen sich die Aufgabe gesetzt hat, den armen verlasicncn Kindern in der heiligen Stadt ein Asyl zu gewähren, der aber im Allgemeinen noch das weitere schöne Ziel im Auge har, durch Verbreitung moderner europäischer Bildung in Verbindung mit jüdischem Wissen und jüdischen! Leben mit der Zeit eine Bcncrgcstalmng der Verhältnisse unserer dortigen Glaubensgenopeu durch deren eigene Kraft herbcizuführcn, auch ferner ein glückliches und segensreiches Gedechen. Lesterr.- Ungar. Monarchie. Wien. Der czeschiche Lrtsschulrath in Lelekowitz (Mähren), hat eine Kundmachung betreffs des Verkaufs des alten Schulgebäudes erlassen und hierbei den Zusatz gemacht: „Israeliten werden zur Lkciration uicht zugclassen*. Der Landesschulrath bar diese Ausschreibung als ungesetzlich caffirt, dem Qnsschulrathc die Veröffentlichung einer andern gesetzlichen Kundmachung aufgetragcn und ihn wegen seines ungebührlichen Vorgehens zur Rechenschaft gezogen. Pefth. Tie Erwartungen der Antisemitcn- Partei, die vor noch gar nicht langer Zeit sich mit der Erwartung trug, die Wahlcampagnc zu einem großen Eroberuugszuge zu gestalten, ist getäuscht worden. Diese Partei, eine Mischung von Thorheit und Bosheit, hat nicht nur ihre Reihen nicht vermehrt, sic hat auch Einbußen erlitten, ihre Matadorc Zvan Simonyi, Rcndtwich und AndrcanSzky sind im Wahlkampfe unterlegen, selbst Isioczy vermochte nur mit einer Majorität von achtzehn Stimmen durchzudringcn. Auch die wenigen Erfolge, welche die Partei erzielte, dankt sie nicht dem Evangelium eines Sozialismus des ReidcS, das sie verkündet, sondern den Männern, welche cs au ihrer Seite und in ihrer Mitte propagirtcn. Wo immer im Bereiche der Grancr Erzdiöcese ein antisemitischer Eandidal austrat, erfreute er sich der wcrklhätigeu Unterstützung der katholischen Geistlichkeit, und die veränderte Haltung, welche diese plötzlich cinnimmt, weist unverkennbar auf den Einsiuß von Qbeu hin. Es kann ja kein Zweifel mehr darüber obwalten, daß der katholische Elcrus die verderbliche Agitation des AacenhasscS geschürt hat, der in den flammenden Häusern von Tuna-S.zerdahely die Lrgicn depraktischen AntiscmitSmus feiert. Niemand Geringerer als der EultuSministcr Ungarns ist cs, der in feinem Sendschreiben an seine Wähler erklärt, cs sei sehr traurig, daß Seelsorger der katholischen Kirche eine Bewegung nähren, die eine arnichristliche und folglich eine autikatholische ist. Zn diesem Punkte ist Herr v. Trcfort fürwahr ein unbcsangencr, ein classischcr Zeuge. Ihm wurden nie Abneigung oder gar Feindseligkeit gegen die Kirche zum Vorwürfe gemacht, er hielt stets darauf, die besten Bezichnugen zürn Episcopat zu pflegen, er war jederzeit ein gern gesehener Gast in den ungarischen Klöstern und Stiften, und cs gab sogar eine Zeit, in der Herr v. Trefort sogar von unseren Elcricalen als das Muster eines Eultusministers bingestellt wurde. Dieser Mann ist es, der dem Fürstvrimas von Gran die Mahnung zuruft: die anri-

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