Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 49 (27.6.1887)
- Date
- 1887-06-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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884 war ein Beiname, den ihm wegen seiner großen Gelehrsamkeit und seiner wunderbaren Lehrmethode die Zeitgenoffen gegeben haben. Dieser Name wurde im Laufe der Zeit so allgemein, daß der^ ursprüngliche Name des Weisen vergessen oder doch zweifelhaft wurde. Rabbi Mcir war es, der dem Beispiele seinegroßen Lehrers, Rabbi Akiba, folgend, eine Mischnahsammlung anlegte, welche später Rabbi Jchuda, der Heilige, zur (Grundlage der Mischnahsammlung machte, die wir noch heule besitzen. Jede Mischnah daher, in welcher kein Name genannt wird, entspricht der Lchrmeinung des Rabbi Mcir oder der von ihm uns überkommenen Tradition iyns '*5 n:rs cro Der Anfang und der Schluß unsrer Mischnah scheinen sich zu widersprechen: im Anfänge wird dem eine Schuld beigcmeffen, der etwas von dem Gelernten vergißt, und am Schlüße nur dem, welcher sich hinsevt und die Wonc der Thora a u s feinem Herzen verbannt. Um diesenWiderspruch zu lösen, wirst Rabbi Lipmann Heller (in den e*- 'srn) eine neue Frage aus: was soll cs heißen DTon 2zrs? iy „bis er sitzt und sie aus feinem Herzen verbannt?" Tie Worte zrr 7? „bis er sitzt" scheinen überflüssig; Rabbi Mcir könnte sagen '270 ctc-c ->*, „bis er sie ans seinem Herzen verbannt." — Zn Folge dessen unterscheidet der genannte Erklärer drei Arten von Menschen, die sich von der Thora abwcndcn. Tie crsie An sind diejenigen, die von der Thora überhaupt nichts mehr wissen wollen; von diesen hat oben Rabbi Rcchuuja den Hakanah gesprochen: 7-.y p*«n 72 rrvn „wer das Joch der Gotreslehre von sich abwirsl." — Tie zweite Art sind diejenigen, die nicht die Absicht haben, die Worte der Thora aus ihrem Herzen zu bannen, denen cS sogar lieb wäre, wenn sic sic nicht vergessen möchten, die aber mehr Freude au eitlen Dingen finden und diese stets aufsuchen: von diesen redet oben Rabbi Ehanina den (shachinai rre27 27 .-2E2N, „wer sein Herz eitlen Dingen zuwendct, 'L°E:2 2"nna ~ vvj „der ist schuld am Untergänge seiner Seele." Die dritte Art sind diejenigen, denen die eitlen Dinge nicht gerade lieber sind als die Worte der Gorreslchre, die sich aber, wenn sich die Gelegenheit bietet, mit eitlen Dingen abgebcn, es dadurch unterlassen, das Gelernte m wiederholen und so dazu kommen, cs zu vergessen. Von diescrArt Menschen redet unsre Mischna: 22-'2i77 2^. dadurch daß er sich müssig <odcr mit eitlen Dingen beschäftigt) hinsetzt, bannt er die Worte der Gotteslehre aus seinem Herzen, die nur durch stetes Wiederholen erhalten bleiben, sonst aber vergessen werden. — Nunmehr ist der anscheinende Widerspruch gelöst : Rabbi Melr redet allerdings vom Bergenen, aber vom Vergessen durch eigene Schuld, durch Mangel am fleißigen Wiederholen; und so ist cs auch in dem angeführten Verse begründet, wo es heißt '-.'2' „damit sie nicht weichen ans deinem Herzen;" cs heißt nicht 2-72.1;s, „damit du. sie nicht entfernest", sondern „damit sie nicht weichen" das heißt, durch deine Schuld entweichen, weil du cs versäumst, durch fleißiges Wiederholen sie festzuhalten. — Anders aber ist es, wenn Jemand, durch Krankheit etwa, an Gedächtnisschwäche leidet; da trifft ihn keine Schuld. So lehren auch unsere Weisen (Sanhedrin 99): Rabbi Josua bcn Korcha pfleg» zu sagen: Jeder, der die Thora lcrnr und das Gelernte nicht wiederholt, der gleicht eiucru Menschen, der säet und nicht erntet. Rabbi Josua pflegte zu sagenWer die Thora lernt und das Gelernte in Vcrgeffenheit geratben läßt, der gleicht einem Weibe, das Kinder gebiert und sie so vernachlässigt, daß sie sterben und begraben werden. — Je mehr du lernst, sagt Rabbi S^ra (Suckah 4L), desto mehr wirst du mit deinem Geiste zu erfassen im Stande sein, wie es heißt: 777* '1 7*.p7 yam jrar ex „je mehr du hörst auf die Stimme des Ewigen, deines GorreS. desto empfänglicher wirst du dafür werden." — Nur zu leicht werden die Worte der Thora vergessen. So deutet auch Rabbi Mcir (Ehagiga 15) den Verla"' n"3 27n) >: 72 .-irr.'an: rräen 2m nar iö. „Dieser Vers bezieht sich auf die Worte der Gotteslehre; so schwer sind ne zu erwerben, wie goldene Gefäße und wie kostbares Geschmeide und so leicht sind sic zu verlieren wie Gesäße aus Glas (die ja leicht zerbrochen werden). Zu entschuldigen aber ist der Mann, der in Folge von Schwäche seine Gelehrsamkeit eingebüßt hat. So sprach Rabbi Josua ben Lcwr zu seinen Kindern: Ehrer den Greis, der ohne Verschulden das Gelernte vergessen hat; er gleicht den zerbrochenen Bundestafeln, auch sie hatten in der heiligen Lade ihren Platz (Berachoth 8). — Ter gesunde Mensch aber muß seine Zeit, soweit es ihm möglich ist, nicht allein dem Thoraftudium, sondern auch dem Wiederholen des Gelernten widmen: denn durch das angestrengte Festhalten des Gelernten beweist er erst seine heiße Liede und Verehrung für die Lehre unsres Gottes. (Fortsetzung folgt.)