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Der Israelit · 1887-06-23 · Heft 48 (23.6.1887) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 48 (23.6.1887)
Date
1887-06-23
Page
– (sequence 20)
Language
German
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~' i'.i v Jty*' a* j ju* jy? 87« ifdjcn, das Studium des Eantorar» die ganze, volle, geistige Kraft deS Präparandcn. Kein Wunder, wenn von vorn herein der israelitische Lehrer ernster, reifer, gcssrig stärker ist als fein christlicher Kollege. Pentateuch mir Naichi, ~:r-, Äuchna, CScmaral), sind Tinge, die einen reifen, elastischen Geist verlangen, einen Menschen, der gcnan weist, waS er will und was er zu thnn hat. Tas Studium des Gantorats und oft auch das der Schechitah sind so ernste Tinge, das» derjenige, der diesen Studien mit iyifcr und Gewissenhaftigkeit oblieg!, leine Zeit zu den Dingen findet, welche in den' Jahren des Studiums so manches Jnnglings-Hcrz erfreuen, so manchen Sinn entzücken. Tic Vorbereitung zum Lehrcrberuf ist eine ernste, doppelt ernst die Vorbereitung des isr. Elemcntarlchrcrs. Er ist oft Lehrer nnd Priester zugleich in seiner Gemeinde, der Abgesandte verleiben, der ihre Gebete vor Gottes Thron nicdcrlcgt. In den Präparondcn-Anstaltcn und Seminarien vergebt rasch die Zeit des Lernen», und gar bald rückt die Zeit des Lehrens heran. Jetzt gilt cs zu zeigen, was man gelernt hat: die christlichen Kollegen erhalten, nachdem die Seminarprnfnng abfolvirt ist/ mehr oder weniger rasch Stellungen. Ter Staat selbst sorgt für die von ibm zur» Lehrberus kostenfrei herangcblldetcn Lehrer, und ehe ein vierte! Jahr vergeht, sind die christlichen Kollegen in nichr oder weniger einträgliche Stellen eingesetzt: ste haben die erste Surfe auf der Torncnlcilcr des Lebrerberufs erstiegen. Sie find llltabhängig von dem Willen und der Willkühr der Welt, nur dem Staate und ihren Vorgesetzten verantwortlich. Sie machen, wenn die Zeit herannaht, ihre Staatsprüfung (Tcfinitorialprüfung) werden dtstnitiv angcstellt, und haben für ihr ferneres Wohl, für ein sorgenfreies Alter keine Sorge. Wenn sic sich cinznrichtcn wissen, ist ihre Eristenz gesichert. — 'Anders, weit ernster, ja trübe sind dagegen die Aussichten des isr. E»liegen. Auch er hat die Abgangsprüfung am Seminar gut bestanden. Darf auch er hoffen, eine staatliche Anstellung zu erhaltenV Ach. er würde sich täuschen! Ter isracl. Schulen gibt cs gar wenige, und wenn ihm nicht schon vorher die Muhcilnng gemacht worden ist, dast er ans keine ^taatsansteUm.g zu hoffen habe, io wird ihm, wenn er nach halbjährigein vergeblichem Warten bescheiden um eine Anstellung im Staatsdienste bittet, crömict: „Das; man im dicssciligen Schuldienste keine Verwendung für ihn habe". Tiefer Bescheid, so einfach er klingen mag, enthält das Todcsurthci! für die Karriere des isr. Elcrncnrarlchrers. Gr ist jetzt aus sich selbst angcj wiesen, ist angewiesen, Rcligionslchrcr, Gantor und ' Schächter zu werden, ist im besten Falle abhängig von den wechselnden Mitgliedern des Gemeindevor» standcS. Lder er nimmt, da er keine gute Stimme für das Ganwrat, keine Natur hat, um Scbächter werden zu können, eine Stelle an einer Privatfchnle an, auch dann ist ihm die Earriere abgcschnitten: auch ihm können wir Zurufen: „hilf dir selbst"! Jeder Lehrer weist, welche Bedeutung die zweite Prüfung, die Tcffnitonalprüfung für den Ekcmentarlchrer hat. nnd jeder strebsame Elcmentarlehrer macht diese Prüfung je eher, je lieber. Hängt doch gar zu viel für ihn von dieser Prüfung ab! Gehalt, Dienstzeit, Pension :c.?c. Zu dieser Prüfung werden Lehrer zngclaffen, die drei Jahre mit Er« folg an einer öffentlichen Schule unterrichtet haben. Spätestens fünf Jahre nach der Abgangs- Prüfung vom Seminar ist diese Prüfung abznlegen, und nach den jevr bestehenden Gesetzen wird ein isracl. Elenicntarlchrer nicht leicht zu dieser Prüfung zugelanen, da ibm die Vorbedingung, die drei Jahre erfolgreicher Wirksamkeit an einer öffentlichen Schule fehlt. Tie Thätigkcit an einer Privatschule entspricht nicht der Anforderung deS Gesetze» und wenn erst die fünf Jahre verflossen sind, so ist, da er ja die Staatsprüfung nicht gemacht hat, für den isr. Lehrer die Hoffnung. vom Staate angcstellt werden zu können, für immer begraben. Ter isr. Elcmcntarlchrcr ist auf sich selbst angewiesen und must sehen, wie er mit dem Leben fertig wird. Ihm fehlt das, wa» dem tüchtigen Lehrer LebcnSbedingung ist, die Ruhe. An ihn tritt die Sorge heran, die Sorge für die Existenz. Tiefe und das Streben, jedem in feiner Gemeinde zu gefallen, beeinträchtigen fein Wirken. Er steht den christlichen Sludicngenossen sorgenfrei in Amt und Würde» und so must er sich selbst sagen, auch hier ist das Judenthmn: „Märwrerthum". Tahcr kommt c». dast so viele junge Lehrer ihrem Berufe untreu werden, in den KanfmannSstand cintrctcn, der ihnen neben gröstcrcr Glückschancc die freie Selbständigkeit und Unabhängigkeit bietet. Noch weiter. Ter christliche Eollcge. der an einer öttemlichcn Schule wirken kann, auch wirkt, hat seiner Militärvflicht nach dem Gesetze mit einer fechswöchentlichen Tienstzcir genügt. Wie stchr es mit dem auf sich selbst angewiesenen isr. Eollcgen? Nach einer in neuester Zerr getroffenen Entscheidung der obersten Schul - und Militärbehörde gilt dieses Gesetz nur für Lehrer, die an öffentlichen Schulen! Volksschulen) wirken: Lehrer, die an Privatschulcn, an Neligionsfchnlen rc. angcstellt sind, > wie auch die Schächter, Eanroren können zum

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