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Der Israelit · 1887-06-23 · Heft 48 (23.6.1887) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 48 (23.6.1887)
Date
1887-06-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Z-itusgsnacheichte« und Correspondeuze». Deutschland. Mannheim, 20. Juni. Vom hiesigen Schwurgericht wurde heule der 31 Jahre alte Handschuhmacher Gustav Heinrich Löhner aus Halberstadt wegen Raubmords 511 13 Jahren Zuchthaus abzüglich 4 Monate erlittener Untersuchungshaft und zu t(»jährigem Ehrcnvcrlust verurrheilr. Derselbe »änderte nach seiner eigenen Aussage Ende Mai 1880 in Gesellschaft des israelitischen Handwerksburschcn Pollack aus Hamburg und einem dritten, bis jetzt noch nicht ermittelten Burschen die Bergstraße entlang. In der Nacht vom 31. Mal ans l.Juni übernachteten die Drei im Walde bei Leutershausen im Freien. Hier nun wurde Pollack von den beiden anderen überfallen, mit einem Stocke halb todt geschlagen und von Löhner durch einen Meffcrslich in den Schädel tödtlich verletzt, so dag er nach wenigen Stunden verschied. Damals wur- - den 2 andere Handwcrksdurschen ans Norddcutschland als der (Ermordung des Pollack dringend verdächtig gefänglich cingezogen, am 10. Dcccmbcr 1880 aber vom Schwurgericht frcigcsprochen. Sieben Jahre waren beinahe vergangen, da endlich bekannte sich Ende Dcccmbcr v. I. Löhner, von heftigen Gewiffcusbissen gepeinigt, als den einen der beiden Mörder und stellte sich freiwillig dem Gerichte. Fürth, 17. Juni. Der kürzlich verstorbene Ehrenbürger unserer Stadt, Herr Tr. ttönigSwarter, hat der Stadt Fürth 3O.0O0 M. lctztwillig vermacht. Auch viele von ihm schon zu Lebzeiten unterstützte Anstalten wurden mit namhaften Lermächtnissen bedacht. Lestcrr.-Ungar. Monarchie. Wien. Profcsior Hermann wurde am 10. Juni zu Grabe getragen. Im Trauerhause hatte sich eine zahlreiche Versammlung von Leidtragenden znsammengcfunden, um dem Verblichene» die letzte Ehre zu erweisen. Urner den Anwesenden bemerkte man den schwedischen Generalkonsul v. itenbler, den Major Walzcl aus der Kabinerskanzlei des Kaisers,, den Obmann des „Eoncordia" -Elubs Johannes Nordrnann mit Elubvorstands-Mitgliedern, welche einen prachtvollen Kranz auf den Sarg nicderlegtcn, Profcnor St. Roman, Dr. Ludwig August Krankl, Professor Udel, Frau Regina Fried!ander, eine große Anzahl von Schriststcllern und Bankiers, sowie zahlreiche Freunde und Lckarune des Hauses. Dem Sarge unmittelbar folgte die Gattin des verblichenen Professors au der Seilt ihres Bruders und ihnen schlossen sich die übrigen Familienmitglieder und der lange Zug von Trauergästen an. Auf dem Ecntralsrkcdhofe widmete Prediger Dr. Jellinck dem Verstorbenen einen warmen Nachruf. — Heber die Philanthropie des Prof. Hermann, des großen Magiers. wie er genannt wurde, bringe» die Zeitungen folgende sehr schöne Züge: Er war ein Philanthrop in der weitesten und wahrsten Bedeutung des Wortes. Wo cs galt, ein hunlaneS Werk zu unterstützen, konnte man auf die Mithilfe Hermanns mir Bestimmtheit rechnen; wo es galt, Roth und Elend zu lindern, versagte Hermann nie seine Hilfe. Kein Armer, der je an seine Thüre geklopft, ging unbcschenkt davon, kein Bettler auf der Straße hatte je Hermann vergebens um ein Almosen angesieht. Ja, noch mehr, wenn er, im Wagen fahrend, ein armes Weid mit Kindern» einen alten Mann, einen Krüppel auf der Straße Gaben erbettelnd bemerkte, -sprang er auS demselben, eilte auf den Armen zu und beschenkte ihn. Förmlich beglückt fühlte er sich, wenn er in die Lage kam, einem Bedrängten mit Rath und That beizustehen. Und dies AllcS that er. ohne viel Aufhebens zu machen, vielmehr als etwas Selbstverständliches. Wollte ihm Jenmnd, der zufällig Zeuge dieser seiner Handlungsweise gewesen, hiesür Lob spenden, so wies er dasselbe stets mir den Worten zurück: „Armen beizustehen ist die Psticht jedes Einzelnen. Arm sein thut weh — ich war auch einmal arm." Hcrmann'SWohlthätigkcitssinn äußerte sich in seinem Wahlspruche, den er auch aus die Rückseite seiner Photographie stets nicdcrschrkcd: „Qui donne aux pauvres. prete ä Dieu." (Wer den Armen gibt, der leiht Gott.) Professor Hermann producirte sich össentlich zum letzten Male im heurigen Winter Im Badener Eursalon gelegentlich einer daselbst zu Gunsten des Badener Volksküchenvereins veranstalteten Akademie. Hermann befand sich an dem betreffenden Tage nicht ganz wohl, er harte Fieber. Leine Umgebung drängte in ihn, nach Baden einen Absagebrief zu richten. Gegen diese Zumurhung rcmonstrirte Hermann mit der Bemerkung, daß er um keinen Preis zu Haufe bleiben werde, wo seine Mitwirkung den'Armen zu statten komme. Er raffte sich aus, fuhr nach Baden und absolvirrc sein Programm. (W. Rzt.) Budapest, 19. Juni. Ter heutige Wahltag brachte den Antisemiten Niederlagen an mehreren Orten. In Tnnaszcrdahcly, woselbst am Donnerstag der Antisemit Lzabo gewählt wurde, manifefiirtc sich die antisemitische Opposition in Brandstiftung. Gestern Nacht wurde ein ganzes von Juden bewohntes Viertel angczündet. 80 Familien sind in größtes Elend geralhcn.

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