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Der Israelit · 1887-06-23 · Heft 48 (23.6.1887) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 48 (23.6.1887)
Date
1887-06-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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865 Feuilleton. Me GonverLilin. Friedrich Rott. (Fortsetzung.) *3dj werde meine künftigen Schwiegereltern telegraphisch benachrichtigen." fuhr er nach kurzer Panse fort, „daß meine Angehörigen heute Abend dort einlreffen — ich möchte Sie ersuchen, auch dort über Alles, was Sie mir mitgclheilt haben, zu schweigen. — Ich sage Ihnen nochmals meinen Dank dafür; noch beute, sobald meine Mutter abgereist ist, werde ich Alles auf's Genaueste unter, suchen und —* „Sic bleiben hier?" ries sie erschreckt. „Freilich bleibe ich hier," erwiderte er, den Blick noch immer dem Fenster zugewaudt, „heischt es doch meine Pflicht." Er sah noch immer über sie hinweg zum Fenster hin, aber er hörte ihren raschen ArKem. Sie schien sprechen zu wollen, ihre Lippen bebten, doch lein Laut entrang sich ihnen, wußte sie doch, daß selbst wenn sie ihm auch nicht gar so fern gestanden wäre, es ihr doch nimmer gelungen wäre, ihn von dem zurnckzuhalten, was er als Pflicht betrachtete. Mit stummer Verneigung gegen den Zurückbleibenden schritt sie der Thüre zu. Er erwidere ihren Gruß. „Empfangen Sie nochmals meinen aufrichtigen Dank." Sein Blick folgte der sich Entfernenden, bis die Tdür sich hinter ihr geschloffen, dann preßte er beide Hände mit wilder Heftigkeit aus seine Brust, sein Athem ging keuchend. — Doch allmählich überwand er diese heftige Aufwallung des Gefühles, das er schon seit Monden zu ersticken strebte. Jetzt galt es alle seine Geisteskräfte anspannen, um zunächst seiner Mutter die Beschleunigung ihrer Reise noch E.... plausibel zu machen, daun aber um mit thuulichster Raschheit die Berhältniffe auf seinem Gute zu prüfen und den durch den Pater Anselmo voraus verkündeten und nach den so eben erfahrener'. Mißverhältnissen allerdings nicht unwahrscheinlichen Ausbruch von Unruhen möglichst vorzubengeu. 18. Kapitel. Frau von Lilienfeld war auf das Angenehmste überrascht, als ihr Lohn sie gleich in den frühen Morgenstunden um eine Unterredung bitten liest und ihr mittheiltc, Last er ans mehrfachen Gründen feine Berlobnng zu beschleunigen wünsche, daß er sic daher ersuche, ihre Benoandren in E.... zu bewegen, dateia zu willigen. — Frau von Lilienfeld, die auf die Verbindung ihre-Sohnes mit btt Tochter ihres Detters den höchsten Werth legte, versprach freudig seinem Wunsche zu entsprechen, und dieses um so lieber, als er ihr den Vorschlag machte, sich persönlich und möglichst umgehend darum zu bemühen. Des Aufenthaltes auf dem Lande längst müde, erklärte sic sich bereit» wenn Alexander es wünsche, mit dem nächsten Zuge abzurciscu. Alexander wünschte dieses in der That, und obgleich feine Schwestern nur höchst ungern den prächtigen Rosenflor verließen, befanden sie sich dennoch noch, bevor die Torsuhr die elfte Stunde verkündete, sanunt ihrer Mutter und ihrer Gouvernante im Eisenbahn-Eonpse. „Sie scheinen sich durch unfern übereilten Aufbruch allzusehr angestrengt zu haben, Fräulein," wandte sich Frau von Lilienfeld in ihrer freundlich theiluehmenden Weise an Marina, die auffallend bleich und müde in die entgegengesetzte Ecke des EoupS's lehnte, „hätte ich das voransgefehen, so wären wir mit einem spätcrn Zuge gefahren." Marina entgegnete dankend einige ablehnende» Worte, ihre Anstrengung wäre nicht der Rede werth, aber sie habe in der verstoffencn Stacht wenig geschlafen und daher vernuuhlich ihr etwas uiüdcS Aussehen. „Tann bedauere ich unsere frühe Abreise doppelt, wir hätten in der That eben so gut später fahren können. Tenn — ich weist Fräulein, welch' herzlichen Antheil Sie an Allem, was uns betrifft, nehmen, ich will Sie daher schon heute von dem bevorstehenden, freudigen Ereignisse in Kenntniß fegen. ES handelt sich nämlich um die Verlobung meines Sohnes; ursprünglich sollte dieselbe gegen Ende nächster Woche stattfinden, nun hat aber den Heißsporn die Ungeduld erfaßt, er kann's nicht erwarten, und hat er mir da ein halbes Dutzend vollständig irrelevanter Gründe hergerechnet, um derentwillen eö dringend nothwendig erscheint, die Verlobung schon am Sonntag zu feiern. Run, ich habe dem guten Zungen den Gefallen gethan und habe mich durch seine Gründe vollständig überzeugt gestellt und habe mich erboten, RosalienS Ellern zu bewegen, die Feier nm einige Tage früher zu veranstalten — dieses der Grund unserer vielleicht etwas übereilten Abreise. — Aber Sie sind m Wirklichkeit vollständig erschöpft, Fräulein. Genircn Sie sich nicht, versuchen Sie jetzt ein Stündchen zu schlafen, wir werden Sie nicht stören. Gabi, Fiui, lasier euer Fräulein in Ruhe, kommet, seyet euch her zu mir." Tie Kinder entsprachen der Aufforderung, wäh-

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