Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 48 (23.6.1887)
- Date
- 1887-06-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449745--26666-2516507- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
863 diese Stelle ebenso wiedergeben. „Sind diese Autontäten so ganz zu ignorircn?* ruft der Vers. emphatisch aus, und daß unter diesen auch ein orthodoxer Ucberseper ist, vergißt Herr W. nicht zu bemerken. Aber Eines scheint Herr W. vergessen zu haben, daß diese „vier der hervorragendsten Bibel kcnncr", wie Herr W. sich ausdrückt. nur eine Person sind. Tiefe vier Herren sind nämlich die Ucdersctzcr der sogenannten „Zun.z'schrn Bibel-; jeder dieser Herren übernahm eine bestimmte Partie: also nicht diese vier Herren, sondern nur Einer derselben har die betreffende Stelle, wie angeführt, übersetzt. Und waS hat Herr W. nun bewiesen? Taß man früher bei den Juden Leichen verbrannt habe? I bewahre, höchstens, daß spätere Ucbersctzcr durch ihre autigrammatische Ucberscvung (denn -v «isr» heißt: „man wird dir, d. h. dir zu Ehren, verbrennen") den Schein erwecken, als hätten sic eine Stelle in der Schrift in dem Sinne erfaßt, daß bei den alten Juden Leichen verbrannt worden seien. Tiefer Ucbcrsctzung, meint dann Herr W. weiter, stehe doch nichts Anderes als der Dativ-p. statt -r:-s entgegen, eine solche Verwechslung sei aber doch nicht selten. ES ist doch ganz merkwürdig. daß, wenn es gilt talmudische Erklärungen, sobald man sie nicht versteht, als unrichtig darznstcllen, man immer von der nnwincnschaftlickcn Art und Weise spricht, welche die Grammatik nicht berücksichtigt. während man sich selbst über ihre Regeln hinwcgscm, wenn damit der Tendenz ein Dienst erwiesen wird. Wem fällt hierbei nicht die Anekdote ein, wie einmal Einer den llntcrschicd zwischen der Frage des rwn und des yn in der Hagada erklären wollte. Taß Dativ und Accusativ gemischt bei transitiven Verben gebraucht werden, wollen wir nicht bestreiten, dock, wenn irgendwie eine annehmbare Erklärung vorlicgt, warum an einer Stelle statt des Accuiativ der Dativ gesetzt sei, so werden wir doch wohl eine solche anerkennen, statt zu sagen, die reine Willkür habe hier Play gegriffen. Wären wir schon vollständig in die Feinheiten der hcbr. Sprache cingedrungcn, so würden wir sicherlich auch in den scheinbaren Willkürlichkeiten Gesetz und Regel finden. Möge sich der Vers, nur bemühen und die Erklärung Malbims zu iyyr rcran Nachlesen oder die des Aden Esra zu irr/? , so wird er finden, daß schon ein Weg gebahnt ist, die anscheinenden Willkürlichkeiten als Wendungen zu erkennen, die im Sprachgcsev begründet sind. TaS er» (Sam. I, 31,12) und vree (Amos 6,10) können wir ruhig preiSgebcn und wie der Derf. auf die Verbrennung der Leichen beziehen. obgleich wichtige Eommentatoren anderer Meümug sind. Doch wie soll aus diesen Ausnahmefällen, wo es sich darum handelte, wie schon Kimchi bemerkt, halbverfaulte Leichen, bezüglicherweise von der Pest Hingerasste, schnell hinwegzuschaffen, ein Beweis gebracht werden, daß unter gewöhnlichen Umständen die Lcichenvcrbrennung gestattet sei? Ja, gerade aus Samuel, an der angeführten Stelle geht her- .vor, daß man in Anbetracht der Nothlage sich mit dem Nothdürftigstcn begnügte, denn erst heißt es erst isrsr: und dann crwagj r« rop'V man verbrannte das, was schnell verbrannt werden konnte und die Spuren der Fäulniß trug, das halbverweste Fleisch, während man die Knochen nach alter Sitte begrub. Herr W. weiß sich jedoch zu helfen, man wäre vielleicht in jener Zeit in der „Pyrotechniknicht so weit gewesen, wie die Moabiter .zur Zeit Amos, welche die Gebeine des Königs von Edom zu- .Kalk verbrannten. Wie fadenscheinig! Als ob nicht ein gehöriger Scheiterhaufen die dicksten Knochen zu Kohle und Asche verbrenne. Wir haben oben schon darauf hingcwiesen, daß Herr W. Äsche und Gebeine des Verbrannten gern auseinander hält, da ihm das wohl über einige Schwierigkeiten hinwcghclfen soll. Tenn das 's->s"i vre» cy -ap*: -'xzb r.r,-: rs-r ö (2 Ehr. 16, 14), das Herr W. auch in seine Besprechung hincin.zieht, und wo er eine Leichenvcrbrcnnung durch -epn nicht ausgeschlossen sein läßt, da man ja die Asche konnte begraben haben, ist für Herrn W. eine solche verfängliche Stelle. Kann man doch nicht erst begraben und dann verbrennen, cs mag sich also da wohl nur um das Begrabcu der Gebeine handeln. So könnte Herr W. nach seiner beliebten Theilung sich vcrtheidigen. Allein dies dürfte ihm nicht viel nützen, denn selbst wenn man nur die Gebeine begraben hätte, so hätte doch das Verbrennen der Flcischthcile vorangcheu müssen. Somit ist gerade diese Stelle ein evidenter Beweis gegen sämmtlichc Ausstellungen des Herrn W. Alles Andere können wir ruhig übergehen, selbst den emphatischen Schluß, in welchem er betont, wie man alles aufbieten müßte, die Beerdigung beizubehaltcn, wenn sie eine r.r? nsc wäre. Wir sagen jedoch, man habe auch für sie cinzutrcten, wenn sie auch nur ein auf religiöser Grundlage entstandener Brauch wäre, sie ist aber mehr, sic ist eine r-.rns rsy, denn so lange der Talmud sie als eine solche erklärt, so wird uns Herrn Wieners Interpretation doch noch lange nicht in unserer Ansicht erschüttern.