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Der Israelit · 1887-06-23 · Heft 48 (23.6.1887) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 48 (23.6.1887)
Date
1887-06-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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861 Wie die vorzüglichsten Geister ihnen huldigen und sie als große Errungenschaften der Gegenwart auSgeben. — So nun Jemand von der Lehre de- Judcnthums wenig weiß, und er wird durch philosophische Forschung oder durch den herrschenden Zeitgeist dahin gebracht, das Joch der Gottcslchrc ganz oder thellweise abzuwerfen, so kann er nur als ein Lerführtcr gelten und seine Verantwortlichkeit ist nicht so groß. Wer aber aus seinem Lebenswege dem Studium der heiligen Lehre odgclcge» und in der Erkenntniß derselben bereits Fortschritte gemacht har, und er spricht: Wie schön ist dieser Baum, wie schön ist dieses soeben urbar gemachte Feld — er wird durch philosophische Forschung oder durch den herrschenden Zeitgeist dazu gebracht, sich von der Lehre unseres Gottes loszusagcn, dem rechnet cs die heilige Schrift an. wie wenn er selbst schuld wäre an dem Untergänge seiner Seele; er ist kein Bersührter, oa er die Thora kennt und ne zu würdigen verstehen sollte. Nicht ein einzelner Vers der Thora zeugt gegen ihn, sondern die ganze heilige Schrift. Tenn die Thora lehrt uns die höchste Wahrheit, die einzig richtige philosophische Forschung. Alle Systeme der größten Tcnler haben eines das andere verleugnet und gestürzt; die Thora aber enthält die ewige Wahrheit. Tie Thora lehrt uns. daß die erhabenen Ideen des JudembumS niemals .zeitgemäß waren, niemals dein Zeitgciste entsprochen haben, weil sie das allein Bleibende sind im ewigen Wechsel; wie Gott ewig ist, so ist auch Seine Thora ewig. — (Fortsetzung folgt.) Aie moderne Deform und die tzodtenveröremmng. S. In die neue Bewegung, die sich für die Todtcnverbrcunung kundgicbr. ist auch der Rabbiner zu Oppeln, Herr Dr. M. Wiener, dadurch cingctrclrn, daß er dem neu gebildeten Vereine als Mitglied bcitrat. Daß dieses Vorgehen auch sogar Freunde und Anhänger seiner Richtung überraschte und unangenehm berührte — die „Hnperorlhodoren, wie Herr I)r. W. alle die nennt, welche sich erlauben, keine Reformer zu sein, wäre» nicht überrascht, weil sic das Sichwundcrn über die Thatcn eines Reformrabbincrs längst verlernt haben — wird wohl auch denr alten Herrn, der für die Feuerbestattung schwärmt, zu Obren gekommen sein, und so dürften wohl die drei Aufsätze desselben im „Jüd. Literaturblatt', hcrausg. von Or. M. Rahmcr, <RN. 20, 21, 22) „Zur Erd- und Feuerbestattung in der Bibel' als eine Selbstvertheidignng angesehen werden. In diesen Aufsätzen will nämlich Herr vr. W. nicht allein Nachweisen, daß die Feuerbestattung biblischerscits nicht zu beanstanden, sondern daß sie sogar zur besonderen Ehre eines Lerstorbeneu zuweilen angcwendct worden fei. Tic Beweisführung ist nun geradezu klassisch zu nennen in Bezug aus Ucberhebung, falsche Auffassung und — jedenfalls unbeabsichtigte — Täuschung. Ter Vers, geht nicht von der Ansicht aus, daß die Menschen ihre Leichen ursprünglich verbrannt hätten, er ist hierin ein Gegner Grimms-, der die Lcichenvcrbrcnnung als die ursprüngliche Art der Lelchcubcstattulig arrnimmt; dennoch will er nicht damit sagen, daß das zuerst bei Abraham erscheinende durchaus „begraben' bedeuten müsse. Sarah und die Erzväter seien vielleicht in der Höhle Machpela wie in einem Mausoleum bcigesetzt, sie seien also nicht eigentlich „beerdigt', wie wir ja auch voni Beerdigen sprächen, wo es sich nur um ein Beisetzen handle, -er mag mit -es Zusammenhängen und ursprünglich nur „bedecken' bedeuten, das Wort könne denselben Wandlungen, wie das lateinische sepelire unterworfen gewesen sein. Aber selbst dieses Wort könnte ursprünglich die Bedeutung des Begrabcns haben, ohne daß es die Möglichkeit, man habe schon in alter Zeit die Todtcu verbrannt (nicht in uralter Zeit) widerlegte, denn die Afckcirrcftc und Gebeine feien ja auch der Erde übergeben worden. Was nun Herr W. mit dieser ganzen Untersuchung will, ist ziemlich unklar. Daß man auch von in Höhlen und Felsengräbern Bestatteten den Ausdruck gebrauchen könne, obgleich sic nicht eigentlich „beerdigt' seien, dazu bedurfte es doch des vielen Schreib- und Zeitaufwandes des Vers, nicht: wenn er einen Blick in Mischnah Haba bathra VJ geworfen hätte, so hätte er gesunden, daß man aus bcigcscxlc Leichen auch den Ausdruck des Begrabcns anwandtc. Oder wollte er etwa andeutcn, daß möglicherweise Abraham an seiner Frau die Feuerbestattung anwandtc und dann einen Platz für ihre „Asche und Gebeine' suchtet Ta hätte Abraham wohl nicht sich so abzunrüheu brauchen, um eine Grabstätte für thcnrcs Geld zu erwerben, hätte er doch dann die Asche in wohl verkapselter Urne mit sich herunttragen können, bis er endlich seine Wandcrzügc cinstelltc. Aber der Vers, spricht noch von Gebeinen, die mußten also wohl unvcrdrannt geblieben sein, für die hatte er also die Grabstäüe uölhig. ES ist das nicht ohne Grund,

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