Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 47 (20.6.1887)
- Date
- 1887-06-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-2449697-2449744--26650-2516481- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
848 finiflcn Wochen hier weilenden neuen Gesandten der Vereinigten Staaten, Herrn Straust (derselbe ist bekanntlich Israelit) noch nicht in Antritlsaudieuz empfangen, da jckt alle wichtigen Staarsgefchäfre ruhen. Ta die Moslims gleich den Inden nach dem Monde rechnen, aber kein Schaltjahr kennen, io fallen ihre Feste nicht immer gleich. Heuer ist nun der Fastcnmonat gerade auf den Juni, der die längsten Tage hat, gefallen. An jedem Abend ladet sich dann der Sultan, solange die hatten dauern, ein anderes Bataillon der hiesigen Garnison (Juden und Christen gibt cs keine in der türkischen Armee) zu sich in den Palast zum Frühstück tIftar 71^2 7») ein, wobei er seine Gäs:c wahrhaft fürstlich bewirthcn. läßt. Tic erforderlichen VcPciK-minu dazu liefern hies-gc Inden, und, falls den kaiserlichen Köchen das Fleisch zu wenig wird, so lassen ne solches sogleich aus den nahen jüdischen Fleischbänken holen. Ucbrigcus befindet sich im kaiserlichen Palasie eine eigene Stätte, wo das Vieh nach mohamedanischcm Ritus geschlachtet wird. Ter „Lfvant Harald“ hier meldet: „bin Ereignis; ist nun oorgefallen, welches die Einigkeit im Schoüc der jüdischen Gemeinde der .Hauptstadt stören wird. Man weist, dast in Folge der heftigen gegen den!«>< um t«*nens (71 n*2 rjo) des Ehacham- Bafchi gerichteten heftigen Angriffe, das jüdische Blatt „Telegraph" von den Behörden unterdrückt ivordcn ist. Anstcrdem wurde Herr Frasco, der Tircktor des genannten Blaues, vor den Gerichtshof (7T r.'2i des RadbinatS citirt, der ihn dann als Verleumder und Empörer gegen die religiöse Autoritär schuldig erklärte und zugleich auch den Bann über ihn aussprach. Dieses Unheil wurde in allen Lttnagogen der Hauptstadt angeschlagen. In Folge dieses Gerichtsbeschlusses darf kein wahrer Jude mehr irgend eine Vcrbindntig mit dem Gebarmten unterhalten. Man versichert sogar, dast die ganze Partei, welche Herrn Frasco öffentlich unterstützt, gleichfalls in den Bann gelegt werden wird, und zwar soll der Anfang mir dem Ehcf dieser Partei gemacht werden, welche die Aufregung in der Gemeinde hcrvorgcrusen hat. Andererseits versickert man, dast das Unrecht dcS Herrn Frasco darin bestand, die Ungcseplichkeit der Frrnllioneu des l-cum teuen^ des Ehacham- Baichi blosgelegr zu haben, indem er sich dabei auf das organische Reglement, welches von der kaiserlichen Regierung der jüdischen Gemeinde aufoctronirt wurde, stützte und die Einberufung einer General- Versammlung zur Rcuwali! eines Ehacham-Baschi, so wie sic in dem erwähnten Reglement enthalten ist, verlangt zu haben. ES ist sehr gelegen hier zu erinnern, dast der Kaimakam (dieses Wort ist aus dem Arabischen c*np und cupc, hebräisch cnjj und trpa zusammengesetzt und bedeutet daher: Stellvertreter) des Ehacham-Baschi*) schon seit fünfzehn Jahren auch in der Eigenschaft als locum tenens die Geschäfte führt. Daher hat auch die Opposition, welche durchaus nicht entmuthkgt ist, dem Grostvezicr eine Petition überreicht, in der sie das endliche Aushören eines Provisoriums fordert» welches sich über den Zeitraum, den das organische Rcglemenl dafür zugestcht, hinaus ausdehnt. Se. Hoheit der Grostvezicr ftiamil Pascha hat nun diese Petition dem Ministerium für Justiz nnd EultuS unterbreitet und von demselben einen ausführlichen Bericht über diese ganze Angelegenheit gefordert." Feuilleton. tzine ZLerruniscenz an Professor Kermann. Bor einigen Tagen starb in EarlSbad der berühmte Magier Professor Hermann, dessen Bekanntschaft zu machen ich vor vielen Jahren die Gelegenheit hatte. ES war im Jahre 185!; ich stand im Begriffe, die Universität Prag zu beziehen. Vorher machte ich meinem Sckwager und meiner Schwester in Lüneburg einen Besuch. Ein Herr Moses Meyer suchte mich daselbst in Begleitung seiner Frau auf. „Ich habe gehört," sagte Herr M., „dast Sic nach Prag gehen. Unser Netzen, Proscffor Hermann, hat unS geschrieben, daß er dorthin komme. Darf ich Sie bitten, ihn von uns. von mir nnd meiner Frau, zn grüßend" — „Ihr Reffe," fragte ich ganz erstaunt, „ist als Proscffor nach Prag baute« V Welche Wissenschaft lehrt er, an welcher Facultät wirkt er?" — „Ach nein," sagte die Frau, „er ist Professor der höheren Magie und wird dort Vorstellungen geben." „So," cntgegnete ich geringschätzig; „wenn ich ihn sehe, werde ich ihm Ihre Grüße ausrichten." Als ich wenige Tage nachher in Prag ankam, hörte ich, dast da große Künstler, von dem ich in Lüneburg zum ersten Male vernommen hatte, mit Spannnng erwartet wurde; man erzählte sich von ihm ganz unglaubliche Tinge, namentlich Herr S. *) Ter l^baLam Balchi des türkischen Reiches bat eigentlich;wci LteUoenrerer. rinrn der Gemeinde gegenüber r>*5 rto p, und einen der Behörde gegenüber. Kaimakam, genannt.