Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 47 (20.6.1887)
- Date
- 1887-06-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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547 Spanien. Nuklan d. Madrid. Ter Versuch, die Juden wieder nach Spanien zurückzusührcn. kann jetzt — wie der ^Üöln. Ztg." ans Madrid geschrieben wird — als gescheitert angesehen werden. . Der Präsident der in Madrid unlängst gegründeten Gesellschaft zur Beförderung der IudcneinwandcrunA wird demnächst seine Erfahrungen in einer dcunch. spanisch und französisch verfaßten Schrift veröffentlichen, die voraussichtlich lebhafte Erregung und Widerspruch Hervorrufen wird, da sie eine Reihe von Schwindeleien auidecken soll. Als Ergcbnist der Bewegung, die in den Wortes und in der spanischen Presse ein lautes Echo gefunden, ist zu verzeichnen, das; die spanischen Schwärmer der paar Eingcwandertcn überdrüssig geworden sind und Alles in Bewegung festen, um die zwölf oder fünfzehn Personen wieder aus dem Lande zu befördern. Tic Inden, welche sich hauen verleiten lassen, dorthin zu reisen, waren nämlich arme Leute ans Russisch-Polen, die weder Geld, noch die geringste Sprachkcumnist milbrachren. Tie Spanier wußten mit den russisch und mir sehr schlechtes Tcnlfch Redenden nichts anzusangcn: nachdem sie wochenlang fechtend die Stadt durchzogen Hanen, gelang cs dem inenschensrcundlichc» Laüdschaftsmalcr Christian Sieber aus Böhmen, Tank seiner anSgebrcirctcn Beziehungen, die beklagenswertheu Leute nach Cmn in Afrika zu senden, wo sic Glanbcusgcnopcn und Hilfe finden können. R u m ä n i c n. Jassy, 10. Juni. Im Hauprblatle des „Israelit" Rr. 4:r lese ich eine Roriz aus Rewnork, einen Missionsschwindler betreffend. Tiefe Ron'; must dahin rcklinzirt werden, vast der Betreffende nicht, wie Sie ansührcn, Tr. Josef Tauber, sondern Taubes hcistt. Derselbe ist ein Sohn des Verlader Rabbiners Eisig Taubes, und ist in Rumänien, wo er bereits mit dem Strafgerichte in Eollision gcricth, ein sehr nbclberüchtigrcs Individuum. Ich bitte gcst. zu bcrichligctl. dast besagter Tr. Taubes zum Rabbiner und Prediger der Iaffner Eulrusgcmcindc, Herrn S. T. Tauber in gar keinem verwandschaftlichcn Bcrhältniffe stchl.^was schon aus Zu gleicher Zeit bringe ich Ihnen zur >rciu::- nist, dast dem Herrn Rabbiner S. T. Tauber von Sr. Majestät dem Kaiser Franz Joses I. für sein vcrdkcnstvollcS und crspricstlichcs Wirken der goldene Bcrdicnst ordeu mir der .Krone allcrglrädigst verliehen wurde. Petersburg, 15. Juni. Rach dem Jl. 28. Tagcbl." meldet man aus Taschkend, daß bis zum 12. d. Bl. aus dem Schutthaufen der durch Erdbeben zerstörten Stadl Wernyj (in Russisch Turkcstat 0«;o Leichen hcrvorgezogen worden sind. Ter Gesauuurvcrlusl von Menschen wird auf 6000 bis sooo geschäht, da von den ll0,000 Einwohnern der Stadl bis heute ein Tritte! vcrmistl wird. Im Ganzen stürzten »26«) Häuser zusammen. Lion denselben, waren über 200«i Häuser aus Stein gebaut. Ferner stürzten ein: tt russische Kirchen, 2 türkische Moscheen und ein jüdischer Tempel. Zum Glücke waren während des Erdbebens in keinem dieser Gebäude Menschen. Das Erdbeben ist jetzt schwächer. Tic dem Militärrefforl gehörigen Gebäude sind unbewohnbar. Alle Sfsizicrc und Beamte sind ohne Heim und haben ihr Hab und Gut eingcbüßt. Es wird kaum gelingen, die Stadt bis zum Winter in Stand zu setzen. Es werden Jurten errichtet. Heber zwei Trittcl der Bevölkerung waren Russen; außerdem gab cs in Werunj viele Zigeuner, Ehirrcfcn, einige Deutsche und Polen und seit den letzten Jahren auch Juden. DaS .Klima ist ein gleichmäßige« und gesundes. Mit Wasser wurde die Stadt durch .Kanäle versorgt, die vom Fluß Almata nach derselben geleitet waren. Wernhj liegt mitten in einer öden Steppe, ist jedoch vom ehemaligen Gouverneur .KolpakowSkn in eine» wahren Wald verwandelt worden. Tic Straßen waren zu beiden Seiden mit doppelten Alleen bepslanzl, so dast man die Gebäude kaum sah. An dem einen Ende der Stadt befand sich ein Garten mir :;o.ooo Clmbämncii und vielen Wcinstöckcn. Die Stadt hat im Ganzen I:> Jahre cristirr. Warum «General .Kolpakowsli sic nicht am Ili-Flust selbst, sondern i:o Werft von demselben entfernt gegründet hat. ist unverständlich. Türkei. Konstantinopck, «r. Juni. Wir befinden uns jetzt in Minen des mobamedanischen FasrcnmonatcS' Ramazau, der ncunundzwanzig Tage anöauert «rnd währcnddcnr die Moslims von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weder Speise noch Trank zu sich nehme::, ja nicht einmal rauchen dürfen. Anch der Freitag, der Sabbat der Mohamcdaner, macht leine Ausnahme unter diesen Tagen, ebensowenig wie der Sultan jetzt eine Ausnahme unter den Gläubigen machen darf, da auch er mit feinem ganzen Hofstaate die Fastenzeit strenge cinhält. Aus dieser Ursache hat er auch den schon seit