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Der Israelit · 1887-06-20 · Heft 47 (20.6.1887) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
28 (1887)
Issue
Heft 47 (20.6.1887)
Date
1887-06-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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$49 Kshrr. Scrfaffcr des Gabriel, .mit dem ich bald befreundet wurde und der Vorsitzender unsres Talmud-Vereins (o"r rrcn) — der Verein blüht noch heute — war, wußte ganz wunderbare Anccdolcn über Prof. H. zum Besten zu geben. Als ich nun erzählte, daß ich Grüße an ihn von nahen Anverwandten auszurichten beauftragt sei, da ließ mir ein damaliger Kommilitone, Namens Schöney aus Ungarn — er ist jetzt Arzt in New-Bork — leine Ruhe: ich mußte den Künstler im Gasthof zum „Blauen Stern" aussuchcn und Schöney dahin mitnehmcn. Professor Hermann empfing uns mit der größten Freundlichkeit; er freute sich unendlich, mündliche Nachrichten über seine Verwandten zu erhalten, beschenkte uns mit Freikarten zu seinen Vorstellungen und erzählte allerlei heitere Tinge aus feinen Erlebnissen, von denen wir Einiges hier wicdcrgcben wollen. Er war in Wien zum Fürsten Schwarzenberg zu einer Soirtt geladen. Seine Majestät, der damals noch sehr junge Kaiser von Oesterreich und der ganze Hof wohnten der Vorstellung bei. Tie Kunststücke des Magiers erregten das größte Erstaunen. Scchszchn Kugeln warf er gleichzeitig in die Höhe und sing sie wieder auf. Ta fiel mit großer Wucht eine der Kugeln in einen hohen, kostbaren Spiegel und zertrümmerte ihn. Klirrend fielen die Klassplitter zu Boden, breite Risse hauen fich im Spiegel gebildet. Alle Welt erschrak, und der Kaiser sprach tadelnd: „Sic hätten vorsichtiger sein sollen!" Fürst Schwarzenberg aber tröstete den Künstler und ersuchte ihn, in der Production seiner Kunststücke fortznfahrcn. „Durchlaucht." bat Hermann, „haben Sie die Gnade, den Spiegel verhängen zu Iahen, damit mich die Erinnerung meiner Ungeschicklichkeit nicht störe." Das geschah, und der Magier entzückte die vornehme Gesellschaft dadurch, daß er aus einer leeren Schüssel das köstlichste Fruchteis hcrvorzaubette :c. — Nach einiger Zeit sprach er: „Ter zerbrochene Spiegel beunruhigt fortwährend; ich will versuchen, ihn wieder hcrzustcllcu." — „Wenn Sic das können," sagte der Kaiser, „dann sind Sic ein wirklicher Zauberer!" — Hermann zog den Vorhang zurück, fuhr mit einem nassen Tuche über den zerbrochenen Spiegel, und siche da, derselbe glänzte in alter Schöne und Herrlichkeit; nicht die geringste Verlegung war daran zu bemerken. Alles war im höchste Grade erstaunt, und der Kaiser sprach: „TicscS Kunststück müssen Sie mir erklären!" — „Nichts einfacher als das", eutgcgnete der Künstler; „eine jener 16 Kugeln bestand aus dünnem Glas und war mit Glassplittern und einer klebrigen Masse angcfüllt. Tiefe schleuderte ich gegen deu Spiegel, der unverletzt blieb, während die Kugel zersprang; aus ihr fielen die Glasscherben klirrend zu Boden, aus ihr lief die klebrige Masse hernieder, die man für Risse im Spiegel halten mußte; jetzt habe ich sie abgewischt, und der Spiegel ist wieder wie er war." Eines der berühmtesten Kunststücke des nun Verstorbenen ist das, welches er vor dem türkischen Sultan Abdul Aziz vollbrachte. Er fuhr mit dem Beherrscher der Gläubigen auf dem Meere spazieren, erbat sich denen kostbare Taschenuhr und warf sie ins Wasser. Man kann sich das allgemeine Entsetzen vorstcllen! Ta befahl Hermann, man solle ein Neu auswerfcn; man würde einen Fisch fangen, welcher die Uhr verschluckt habe. TaS Pirk wurde ausgcworfc», cmporgczogcn, und ein zappelnder Fisch war darin. Hermann nahm den Fisch, öffnete ihn mit seinem Taschenmesser und holte des Sultans Uhr aus den Eingcweiden des Fisches hervor! — Im vertranten Freundeskreise' löste Hermann später das Räthscl. — „Ich war das Jahr zuvor", erzählte er, „in London und besuchte ci» Autiquitäten-Gcschäst. Ter Kaufmann zeigte mir eine Uhr, von der er behauptete, daß der Sultan das Tuplicat derselben besitze. Ich kaufte die llhr. Sie können sich meine Freude vorstcllen, als der Sultan auf dem Schisse die Uhr hervorzog. welche der meinigcn auf ein Haar glich. Ich erbat mir die Uhr und warf sie ins Meer; auch der Fisch, der scheinbar gefangen wurde, war von mir bereitgehalten." — „Ja", fragte einer der Freunde, „wie kam aber die Uhr in den Magen deS Fischest" — „Sie Schlaukops", cntgegnctc Hermann, „der Fisch hatte die.llhr nicht verschlungen; sie wurde von mir beim Ausschneiden des Fisches rasch hinein practicirt." Professor Hermann erreichte ein Alter von 7 t Jahren. Seine Kunst hatte ihm ein großes Vermögen cingebracht, das er beim Wiener Börsenkrach vollständig cinbüßte. Er mußte vor 14 Jahren von Neuem ansangcn und wurde bald wieder ein wohlhabender Mann. Seine Geschicklichkeit, von einer außerordentlichen Muskelkraft unterstützt, grenzte ans Wunderbare. Wochen - Kalender. Arcilag. 24. 2. lissszs. Samstag, 23. Juni. 3. Tdavius ‘2 ’N rry Ladbar Äubgang n Uhr 13 Min. «Maiiizrr Ubl).

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