Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 47 (20.6.1887)
- Date
- 1887-06-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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840 dies bloS eine Pflicht und weiter nichts gewesen!) Anlaß zu dieser Reminiszenz gibt uns das unqualinzirbare Vorgehen dieses jüdischen Präses und Abgeordneten. Jüngsten Saööui hielt der Abgeordnete der Leopoldftadi, Herr Mario Wahrmann. seinen Rechenschaftsbericht und fuhr im Triumphzugc »ach dcr Redoute! . . . Er hat wahrscheinlich den Präsidenten der JSraelitengcmeinde zu Hause gelassen! Das Vorgehen Wahrmann's hat nicht nur in orthodoxen .Streifen, sondern auch bei vielen Forlschrittsjuden gerechtes Aussehen erregt, denn dies hat Wahr mann nicht gcthan, weil er es mußte, sondern einzig und allein, weil er es wollte! Was wäre denn geschehen, wenn Wahr mann an einem Werktage vor seinen Wählern — die ohnehin zumeist Juden sind — erschienen wäre? Mußte er durch die öffentliche Entweihung des Sabbattages bekunden, daß er Takt und Anstand hinter sich geworfen?! . . . Griechenland. Zrorfu,1. Juni. Vor wenigen Tagen wurde das hier dem Befreier Griechenlands von türkischer Herrschaft, Grafen Giovani Eapodistria, errichtete Monumeut feierlichst enthüllt, und nahmen an dieser Feier auch die Mirgliedcr uuscrcs Gemcinde-Lorstandes in offizieller Weise Thcil. Graf Eapodistria ist bekanntlich ein Sohn unserer Stadt und ward er hier 1776 geboren. Tesscn Familie stammte dagegen aus dem bei Triest gelegenen Städtchen Eapodistria, daher deren Beiname. Ter Graf, der früher in russischen Staatsdiciistcu gestanden, beihciligte sich später lebhaft an den Befreiungskriegen seiner Landsleute, die ihn dafür, nachdem sie einmal ihre Unabhängigkeit errungen, zum Regenten ihres Landes ernannten. Seine Herrlichkeit sollte jedoch nicht lange dauern, denn er wurde am 9. Lktoder 1831, als er in der Stadt Rcuglia zur Kirche gehen wollte, von einem Meuchelmörder erdolcht. Tic Griechen wählten hierauf den Prinzen Otto von Daicrn zu ihrem Könige. Zur Zeit nun, als Eapodistria die Herrschaft antrat, befand sich auch nicht ein einziger Jude aus dem griechischen Fcstlande, da die Juden schon einige Jahrhunderte vorher von den Venezianern von dort vertrieben worden waren. Rur auf der Insel Rcgrovontc (Euboca) und zwar in dem Städtchen Ehalkis befand sich eine kleine jüdische Gemeinde, die übrigens noch heute existirt und auch blüht, »"r. Tie Juden in Ebalkis dürften nun Ueberrcstc jener Gemeinde sein, die Benjamin von Tudcla, als er Griechenland besuchte, in Theben und anderen Städten daselbst fand, die sich aber später vor der Vcrfolgungswuth der Venezianer auf diese Insel geflüchtet hatten. Tie Venezianer verfolgten nämlich nur die Juden auf dem griechischen Festlandc, während sie die auf den griechischen Inseln, so hier in Korsn, dann auf Zante, Sancta Maura :c. in voller Ruhe ließen. Während des griechischen Befreiungskrieges hatten sich nun die Juden in Ehalkis ganz ruhig verhalten. da sie mit der türkischen Herrschaft vollkommen zufrieden waren und sie der vcnctianischcn beiweitem vorzogen. Unter König Otto siedelten sich die ersten Juden auf dem griechischen Fcstlande an und zwar zumeist in der Stadt Athen. Erst mit der Thronbesteigung des Königs Georgios n*'? (IS63) erhielt Griechenland eine ansehnliche jüdische Bevölkerung, da England ihm damals Korfu mit den andern sechs jonischen Inseln obtrat, die dann 1881 durch die Abtretung von Thessalien und des südlichen Epirus von Leite der Türken an die Griechen noch einen bedeutenden Zuwachs erhielt, da damals auch die respektablen Gemeinden von Bolo. Larissa, Ana :c. hinzukamcn. 1863 hatte die griechische Kammer auch die Gleichberechtigung der Juden proclamirt. und so befinden sich heute unter den andcrhalb Millionen Bewohnern Griechenlands auch circa 12000 bis 15000 griechisch-jüdische Staatsbürger. Tie jüdische Gemeinde von Korfu hat daher geglaubt, obwohl sie zur Zeit des Befreiungskrieges noch nicht zu Griechenland gehörte, dennoch an der Enthüllung des Monuments von Eapodistria thcilnchmerr zu müssen, da wir doch von den Griechen schon längst als ihre Milbrüder anerkannt sind, und thcilen wir doch schon seit Jahren mit ihnen gemeinsam Leid und Freud. Außer unserem Gcmeindevorstand hatte sich an dieser Euthüllungsfcicr auch der hiesige jüdische Gcselligkeitsklub ,La Concordia“ mit seiner Fahne bclhciligt. Die Gemeindemitgliedcr an und für sich nahmen wieder insoweit an der Enthüllnngsseier Theil, daß sie sich an der allgemeinen Beleuchtung, die den Abend vorher und nachher statlsand, recht lebhaft betheiligten. Für den kürzlich verstorbenen Baron Lucicu Hirsch wurde im hiesigen großen Tempel eine Trauerandacht mit der üblichen (Seclcngebet) abgchaltcn, worauf dann von der hiesigen Gemeinde an die betrübten Eltern ein Eondolcnz-Telegramm nach Paris abging. Rußland. Petersburg, 17. Juni. Ter »Reuen Zeit* zufolge beendete die Pahlcn sche Kommission zur