Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 47 (20.6.1887)
- Date
- 1887-06-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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sucht, woselbst er in seiner Ansprache an die reforwirten Gläubigen den Antisemitismus geißelte, - welcher mit dem Grundprincipc der christlichen Religion, der Nächstenliebe, in geradem Widerspruch stehe. — „Wer waren diese Juden?" — sagte er —; „fic waren die Hüter des Begriffes des einzigen Gottes, ste haben uns die Propheten, die religiösen Könige, selbst den Stifter unserer Religion und die Apostel gegeben. ES ist wohl wahr, daß dieses Volk seine Propheten gesteinigt hat; aber es hat auch dasür gebühr, dcuu cs hat sein Baierlarid, seine Nationalität verloren und fnngirt heute blos als Konfession, cingetchmolzen irr die Völker, unter welche cs zerstreut wurde. Und Ihr hasset diese Konfession? Weil sse eine jüdische ist. vergesset Ihr die Worte des Apostel Paulus: „Ruhm und Ehre dem, der gut handelt, erst dem Juden, dann dem Griechen, denn vor Gott gibt es keine'.: Unterschied der Personen." Ihr vergesset das Grundprincip unserer Religion, der Liebe, welche uns gebietet, Alle, selbst unsere Feinde, zu lieben? Ihr laust blinden Führern nach, die nicht einmal wissen, wohin sie gehen, was sse wollen? Höret nicht auf diese glcistncrischc Reden, bringt nicht Schande über Euch, über die ganze Konfession, indem Ihr diesen dahergelaufenen falschen Propheten folgt." Nach der Rede überreichte der Nn4kcr res. Sccllorgcr Gabriel Parjias jun. im Rainen der Gläubigen dem Bischof als Andenken einen silbernen Pokal. Szäß erwiderte auf die Ansprache des Seelsorgers folgendes: „Ich würde keinen Augenblick zaudern, dieses Geschenk als äußerliches Pi'and der Liebe an- und mitzunchmcn: lvic, wenn cs aber unter Euch solche Leute gibt, denen nrcinc Rede nicht gefallen und die jcvt sagen: „Gr verdient dieses Geschenk nicht von uns"? Tcßhalb nehme ich den Pokal wohl an, aber ich vertraue ihn dem Seelsorger an, und, wenn ich hören werde, dass Euch nicinc Rede angenehm war und dass sie Früchte getragen, wenn Ihr rein von den Fehlem sei» werdet, welche ich erwähnte, daun weide ich den Pokal mit Freuden auch mitnehmcn, dann wird er wirklich das Pfand Eurer Liebe sein." Solomon Stein. Italien. Florenz. 22. Mai. Vorgestern, Freitag, hat Kömgm Marghcrua den hicstgcn Tempel mit ihrem hohen Besuche beehrt. Ta dieser bevorstehende Besuch schon Tags vorher zur Kcnntmß uuscrcs KultusvorstandcS gebracht worden war, so hatte sich zur bestimmten Stunde, 4 Uhr Nachmittags, eine grosse Menge Neugieriger in der Dia Farini, in der der Tempel liegt, angesammelt, die dann die hohe Frau der ihren: Erscheinen mit enthusiastischen Evvivas begrüßten. Ausser dem Bürgermeister der Stadt hatten sich zu den: Empfange der allgeliebtcn Landesmutter auch sämmtliche Vorsteher und viele sonst hervorragende Mitglieder unserer Gemeinde eingcfnndcn. Ter Präses des Vorstandes, Cavaliere Augusto Francherri, begrüßte die Königin mit einigen Worten und geleitete sie dann zu dem eigens für sie hergerichtcren Sie. der der BundeSladc gerade gegenüber stand. Gleich darauf erschien der Lberrabbincr und begrüßte nn't vor innerer Erregung zitternder Stimme die hohe Frau mit den einfachen aber herzlichen Worten: „IddiokenedicalLmae^tL vostra (Gott segne Eure Majestät.')" Die Königin erhob sich von ihrem Sitze und verneigte sich leicht gegen das greife geistige Oberhaupt unserer Gemeinde. Sie ersuchte dann den Hasan, Herrn Sacerdoli, den Vorhang vor der Bundeslade zu entfernen und diese selbst zu offenen, was auch sogleich geschah. Sie betrachtete nun die in der Bundclade stcdrndcn Thorarollcn und ließ sich Manches über dieselben nntthcrlen. Hieraus näherte sie sich dem Alnicmor, hier Tcbah genannt, blätterte ein wenig in dem dorr liegenden Gebctbuchc und erkundigte sich dann nach den verschiedenen synagogalcn Gebräuchen und Crrcirtvnici;. Sie besichtigte nachher die Frauengallcrie, woraus sic sich von dem Lorsiandc mit b«*n Worten: „Molto molto bollo dar* vt-ro.“ (Sehr, sehr schön in Wirklichkeit!) verabschiedete. Ocsterr. - Ungar. Monarchie. Budapest. In wenigen Monaten werden cS drei Jahre sein, dass unser König in der Königsbnrg zu Ofen den ungarischen Reichstag feierlichst eröffnete. Es war der Tag, an welchem die Iudcnbeit ihr Ncujabr scicne. Bei der glänzenden Auffahrt der hohen Würdenträger, der hochgeborenen Magnaten und der Rcichtagsabgeordnete» fehlten - mit Ausnahme eines Einzigen — auch die Ablcgatcn nicht, die sich zur jüdischen Religion bekennen, oder besser gesagt, die noch den Namen „Jude" führen, denn die Religion ist schon längst als vollkommen unnütz beseitigt worden. Dieser weiße Rabe war Moriv Wahrmann, welcher als Präsident der Pcsiher israelitischen RcligionSgemeindc am Hochfeste denn doch im Tempel vor dem Könige aller Könige zu erscheinen hatte. Damals rühmte man das Vorgehen Wahrmann's als eine große That! — (Wir sind der Ansicht, dass