Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 46 (16.6.1887)
- Date
- 1887-06-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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826 gewiß auch von Manchem schon recht schwer empfunden worden, ist. ist vor Allem bei uns, daß wir jüdische Völksschriftcn sehr wenig, jüdische Ingcndschriften eigentlich gar mchkGübea. Der Schriftsteller, der die Gabe n:.d den Willen besäße, gute Schriften zu schreiben, die in jüdischem Sinne gehalten und gleichzeitig allen Ansprüchen genügten, die man an gute Ingendschriftcn im Allgemeine» stellt, würde sich ein überaus große-? Verdienst erwerben können, und ich glaube, auch die Anerkennung und der materielle (rrsolg würden nicht anSbleiben, da solche Schrine» sicher guten Absatz fänden. Doch ist renicht gerade unbedingt nothwendig, daß Iugendschriften für jüdische minder auch specisnch jüdische Färbung auswciscn. In Ermangelung solcher genügt ei schon, daß diejenigen Schriften, welche wir unseren Bindern zum Lesen geben, wenigsten-? nichts enthalten, wa-? ihnen Acrgcrniß bereiten oder irgendwie auf sie einen uachtheiligcn Ginfluß ausübcn kann. Bespöttelungen jüdischer ts-rnrichlttttgett oder wenigstens geringschätzige Aeußerungen über solche, Juden als lächerliche Figuren gezeichnet, und andere ähnliche Abgeschmacktheiten kommen ja in vielen auch im Ganzen gutgemeinte» und nicht geradezu tendenziös jndcnfeindlichcn Büchern vor. Bor der Lektüre solcher Bücher müssen wir unter allen Umstäudeu unsere.Binder sernzuhaltc» suchen, weil sie dadurch in ihrer religiösen Uebcrzrugung irre gemacht werden könucn und ihre Selbstachtung bceinträchtigr tvird. Berschiedeuc der erwähnten Sammlungen, wie namentlich der von der Ingendschtiften-Gommissio» des Lehlcroereins zu Frankfurt a. Bl. herausgcgebcrre „Vathgebcr für (5'ltcrn, Lehrer und Bibliolhekvorstäudc bei der Auswahl vor: Iugcudschristcn" führen zwar unter den im Vorwort ausgesprochenen Grundsätzen auch den aus ,Mne Iugendschrist. die auf consessioncllcm Standpunkt steht, darf nichts Verletzendes gegen Andersgläubige enthalten^, und Irenen darnach ihre Auswahl, doch ist mit der Befolgung dieses Grundsatzes noch nicht ganz den Anforderungen Genüge geleistet, die wir an Schriften für jüdische >tindcr stellen müssen. Ich möchte allerdings nicht, daß unseren Bindern vorzügliche Schriften wie „Heinrich von Eichenst!»*, „Rosa von Tamrenburg* und andere zu den Perlen der Jugendliteratur zu rechnende Bücher von Christoph v. Schmidt und Achnliche aus dem Grunde fremd bleiben sollten, weil sie eigentlich nur für christliche blinder geschrieben sind und etwas christliche Färbung tragen; dagegen wird mau mich von keiner Seite einer Intoleranz beschuldigen können, wenn ich behaupte, daß auch sonst gute Iugendschriften, die aber einen ausgeprägt christlichen Ton zeigen, und deren gibt es schon viele, nicht als eine empfehlenSwcrtdc Lektüre für jüdische minder angesehen werden können, denn jcdeusalls kann da» jüdische Bewußtsein und die Liebe zu jüdischem Wesem in dem Herzen unserer .minder nicht gckräftigt werden, wenn sie Bücher lesen, die christliche Institutionen und Ccremonicn in eindrucksvoller und lebendiger Weise verherrlichen.' es kann dies namentlich solange nicht zu billigen sein, als wir nicht auch eine größere Anzahl solcher Iugendschriften besitzen, die auch jüdisches Leben in eben solch kindlicher und anziehender Weise schildern, uud durch deren Lektüre unsere Uinder ein Gegengewicht gegen den durch jene hcrvorgrruscnen Eindruck finden können. Wir haben in Deutschland verschiedene jüdische Lehrervercinc, von denen Manche schon rech! viel Ersprießliches gewirkt habe». Ich möchte durch diese Zeilen ihre Aufmerksamkeit aus diesen Punkt lenken. Vielleicht tritt man aus Lehrerkonferenzen einmal dieser Frage näher und wählt sie zum Gegenstand einer eingehenden Besprechung. Ich möchte für diesen Fall auch noch den Vorschlag machen, daß man in derselben Weise, wie dies verschiedene allgemeine Lchrcrvereine bereits gclhan haben, (-ommissione» cinsctze, die unter den besten Iugendschristcn Diejenigen auswählcn, die mit ihren anderen Vorzügen auch noch de» vereinigen, daß alles, was dem jüdischen .ttindc anstößig erscheinen muß, oder was wenigstens nicht vorthcilhaft auf ein jüdisches!»rindergemüth cimvirken kann, in denselben vermieden wird. Es ist dies ja keine kleine Arbeit, aber unter viele Hände vcrttzeilt, wirb sie nicht zu schwer wctdcu. Jedenfalls ist die Sache wichtig genug, daß wir ihr einen Thcil derjenigen Bestrebungen weihen, die darauf gerichtet sind, jüdischen Sinn zu wcckcil und zu nähren, daß diejenigen in erster Linie ihr ihre Ansmerkfamkeir zuwcndcn, die speziell zu wirke» berufen sind für jüdische Pädagogik, für die Erziehung unserer minder nicht allein zu brave» Menschen, sondern auch zu gotldcgeisierteu, fromme» Juden — die jüdischen Lehrer. — Zeitungsnachrichten und (Korrespondenzen. Deutschland. Fürth. Wenn Männer hcimgehen, die in der Bethäligung frommer, edler Werke ihre Lebensaufgabe erblicke», so ist es gewiß angezeigt, auf das Wirke» solcher Verblichet'.cn zurückzuschaucn und der werteren Lenentlichkeit ein Bild ihrer Lebeusrhätig-