Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 45 (13.6.1887)
- Date
- 1887-06-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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804 in energischem Tone kundgab, daß, nachdem keiner der Parrcimänner Dcrhovay's die Verantwortung für die Ruhe und Ordnung übernehmen wollte, die Behörde sie Beide, Verhovay und (5satar, für jede Störung verantwortlich mache, und falls sic nur im geringsten das Volk gegen eine GlaubcnSGenossenschaft oder gegen einzelne Personen aufreizcn sollten und auch nur die mindeste Ruhestörung vorkäme, werde er Leide sofort verhaften lassen. Ver» hvvay verbat sich die Drohungen des Bürgermeisters und meinte höhnisch lächelnd: „Wozu diese Aufregung?- „Ich erkläre Ihnen,- erwiderte der Bürgermeister, „daß ich als Bürgermeister von Ezcglcd nicht dulden werde, daß solche Tage das Ansehen dieser Stadt beflecken, wie die Märztage des Jahres 1884 waren. Wenn Sic die Ordnung stören, dann laue ich Sie verhaften und. wenn cs nothwendig in, in Stücke Hanen. Dem irregcführtcn Volke wird nicht daS Mindeste geschehen." Verhovay und Esatar gingen nun aus den Kossuthplatz hinab, wo inzwischen die Menge auf Tausende angcwachsen war. Tie 'Menge benahm sich ruhig, das Militär stand in voller Bereitschaft in der Rahe, während die städtischen Haidukcn einen Ring um die Versammlung gezogen hauen. (5bcn wollte derHauplkortesz Verhovay's Ludwig Mcszaros, die Tribüne betreten, als Bürgermeister (Miibobn kam und die Rednertribüne bestieg. Er hielt an das Volk eine Ansprache, die von demselben mit Ruhe angchört ward. Der Bürgermeister erklärte, daß es jedem frcislehc, sich für Berhovan oder Konijarhy zu erklären, aber es solle Niemand aufreizcn, denn die geringste Störung der Ordnung und Ruhe würde die Einmengung des Militärs herausfordcrn. und dann wehe den Aufrcizern: Rach diesen von der Menge schweigend ausgcnommcncn Erklärung betrat RicSzaroS die Tribüne und empfahl Julius Berhovan zum Abgcordnctcn-Eanditatcn.?iun hielt Berhovan seine Rede, prorcstirre gegen die Sieguisition des Militärs und erklärte, daß nichts zu befürchten sei. Darauf sprach er unter Angriffen gegen die Regierung über die Lage des Landes. Budapest, 6. Juni. In Ezcglcd sollte der Antisemit Verhovay seine Programmrede für die Wahlen halten; alS Vorläufer davon erhielten alle wohlhabenden Juden Drohbriefe, binnen l 4 Tagen die Stadt zu verlassen, sonst werde ihnen der rolhe Hahn ausS Dach gesetzt werden. Rachrs wurde der Laden eines jüdischen Bewohners beraubt. In Folge dessen hat der Bürgermeister von hier Militär rcquirirt, welches gleichzeitig mir Verhovay in Ezcglcd cintraf. Ter Bürgermeister machte Verhovay für jede Ruhestörung verantwortlich und drohte mit so» fortiger Verhaftung, eventuell Ricdermachnng bei der ersten Aufreizung. Diese ernste Sprache wirkte. Verhovay sprach zum Volk in Gegenwart des Militärs. Tie Ruhe wurde nicht weiter gestört, blos dem Kommandanten der Husaren-Eskadron wurden die Fenster cingcschlagcn. Budapest, 10. Juni. Der antisemitische Wahlerccß in Uczbcgh, ist dadurch entstanden, daß die Gendarmen, die um 11 Uhr Nachts im Winhshaus spcktakulirendcn Antisemiten auyordcrten, sich ruhig zu verhalten. Der anfgcstachcltc Pöbel verließ daS WirrhshauS und infccnirte vor der Wohnung des Notars einen Krawall. Die Militärpatrouille gab nunmehr Feuer, wodurch drei Personen getödret, zwei schwer, drei leicht verwundet wurden. Aus Rylra wurde eine Kompagnie HonvedS rcquirirt, eine zweite sieht in Rytra in Bereitschaft. Im Bezirke sicht ein Liberaler den Antisemiten gegenüber, crstercr hielt gestern uuangefochten seine Rede. Ter Krawall wurde erst später insccnirt. Epcris. (Ungarn.) Herr Baron Hirsch aus Paris hat an den hiesigen Bürgermeister 2000 fl. gesandt zur Bcrthcilung an die verunglückten Abgebrannten ohne Unterschied der Konfession. Zugleich ersuchte er 75rau Bischitz. Präsidentin des Pcsther-Israelitischeu Frauen-Vereins, in seinem Ramen Bittgesuche der hiesigen Abgebrannten jüdischer boufcssion entgegen zu nehmen, welche vom hiesigen Vorsteher der isr. Gemeinde Dr. Glück beglaubigt sein müssen. Diese Bittgesuche werden sodann seinerseits nach Gebühr berücksichtigt werden. Nach dem Feuer, Wayer. Seit 14 Tagen regnet cs hier unaufhörlich, so daß viele Gebäude, welche durch den Brand zwar gelitten, aber doch bewohnbar waren, jetzt durch den vielen Regen delogirt werden müssen. In Folge dessen wurde das Elend der mittleren und ärmeren Klasse» noch vergrößert. Fl. F r a n k r ei ch. Paris. Aus dem Monatsbericht (Aprilder „All. Isr. Univ." (Fortsetzung.) (Israeliten Tunesiens.) Tie zwischen der Municipalität und der israelitischen Gemeinde in Tunis gctroncncn Einrichtungen, haben fürs erste die den Kirchhof bezüglichen Schwierigkeiten beseitigt» doch werden bald neue Fragen entstehen, deren Lösung von Seiten der Behörde und der Gemeinde gegen* scirige Opfer und (roncesssonen erforderlich machen werden.