Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 28 (1887)
- Issue
- Heft 44 (9.6.1887)
- Date
- 1887-06-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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792 Bedingung für den noch lange zu verschleppenden Handelsvertrag die Zugabe von mehreren Zehntausend „Fremden* sich vorher ausbcdungcn hat. Tenn, daß Jemand, der schon seit Jahrhunderten Lesterreicher ist, im erst noch Lesterrcicher werden soll, ist unbegrcistich. Es ist ohne Zweifel, eine sonderbare Znmuthung, daß die österreichischen llntertbancn, deren Ur-Großeltcrn doch auS Lcsterreich cingcwandcrt sind und — wenn auch nach dem damaligen österreichischen „Indcnrccht*- oder Unrecht nicht ganz, so doch staatsrechtlicher Form nach — österr. ^Bürger* waren, jetzt noch etwas verlangen sollen, was sie schon sind. Es ist ferner ein sicheres Verderben, wenn man sie schnöde anweist ein ..anderes,* d. h. das rumänische (!) Bürgerrecht nachzusuchen, nachdem es weltbekannt ist, daß man cs ihnen nicht gibt und nicht ge den wird! Tie Bekanntmachung spricht freilich von „wirklichen* Untcrthaneu und sagt also damit, daß cs auch unwirkliche gibt. Tas ist allerdings wahr: cs sind diejenigen Israeliten, die in allen Zeiten, um sich vor der Wildheit der Türken und der Aussaugung der in Rumänien regierenden Griechen zu retten, die Unterthancnschaft irgendeiner europäischen Macht, mit großen Opfern sich erworben haben. Sollte aber das Recht der „undenklichen Zeiten* diese Art Schukgenosscn nicht endlich zu wirklichen Untenhanen gemacht haben? Auf diese Weise könnte cs kommen, daß die wirklichen Unterthanen von jetzt nach einer gewissen Zeit von dem österreichischen „Schutz* wieder prcisgcgcbcn werden, weil die Verjährung bei der österreichischen Regierung ans wohlerworbene Rechte eine umgekehrt e. d. h. aufhcbcnde, nicht bekräftigende, Wirkung ausübt. Ich will weiter darüber keine Worte verschwenden, denn cs ist offenbar beschloffcne Sache, daß die in Rumänien wohnenden Lesterrcicher mosaischer Konfession rumänische „Fremde* werden sollen. Wie viele solcher Lcstcrreichcr von der Konvention erfahren und wie viele im Stande sein werden sich nach Lcsterreich zu begeben, um dort das „Bürgcr-"Rccht nachzusuchcn, kann man an etlichen Händen abzählcn. Ich für meinen Thcil, bezweifle sogar, ob Diejenigen, die das Opfer werden bringen können, ob diese in den östcrr.-nng. „Bürger*-Bcrband werden ausgenommen werden, da die Absicht der Konvention offen daliegt. Was sich aber so nicht ändern läßt, da« kann man durch Selbsthilfe bis zum I. Januar 1888 abwehrcn: „Tic Herren Rabbiner und Synagogcnvorstände „aller Ortschaften Rumäniens mögen sich mitcinan- „der in Verbindung setzen und jeden Sabbat in den „Synagogen durch Ausrufen, wie üblich, den Ab- „schlnß der Konvention bekannt machen, auf die „Folgen Hinweisen lasten und denjenigen, die sich „als österr.-ung. „Schutz* - Genostcn wisien, „den Rath erthcilcn, die Frist bis zum I. Januar „1888 zu benützen, um ihre bisher vollwichtigen „österr.-ung. Pässe gegen französische, englische, ame- „rikanische oder andere noch giltige zu vertauschen.*)" Sicher denken die Konsuln der genannten Staaten weder österreichisch noch rumänisch und nach meinen Begriffen ist es keine Lieblosigkeit gegen das Land, welches man bewohnt, wenn man um der zngcdachtcn Pariastcllung- und Behandlung als „Fremdes zu entrinnen, versucht Ausländer zu bleiben. Es ist traurig aber wahr: Der Schlag, den Lcsterreich jetzt den rumänischen Israeliten applizirte, ist noch böser als die eilfertige Anerkennung der Unabhängigkeit Rumäniens, 1879. Ter Schaden, den Lcstcrreichcr seitdem gerade durch den Fehler bis jetzt moralisch und materiell-ökononiisch erlitten, hat es indeß noch nicht gewitzt: „cs ist eben der Fluch der bösen That, daß sie. sich forlvflanzcnd. Böses zeugt." Tas wird es von Nachgiebigkeit zu Nachgiebigkeit zu spät erkennen. Nachdem offizielle» Blatte (..Monitoral ofsicial") vom (15.) Mai l. I. belief sich die Zahl der in der Winterscssion 1888—1887 von derDcputkrten- Kammer bewilligten Naturalisationen (der Senat seinerseits nimmt ebenfalls Naturalisationen vor, die dann noch den Tcpntirtcn und umgekehrt vorgelegt werden, — ein doppeltes kaudinischcs Joch) auf 1-19. Alle diese waren Ausländer christlichen Glaubens. Ter „Monitorul" könnte zum besseren Berständniß sagen: Bon diesen l-19 war keiner ein „Fremder" mosaischen Glaubens! Feuilleton. Eine jüdische Sorschungsreise in Arabien.**) Während nun unsere zwei jüdischen Reisenden diesen ihren verschiedenen Beschäftigungen oblagen, hatte sich der Schcikh mit einigen der ältesten Mitgliedern der.Karawane zum türkischen Gouverneur von El-Hosus begeben, um sich ihm vorznstellcn und zugleich auch Abschied von ihm zu nehmen. *) Ich Litte um Nachdruck. Dt. <L •*) Sie Nr. 34.